Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 33: 2015 | Schweden: Sparpolitik auf dem Prüfstand

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Donnerstag, 9. Juli 2015

Schweden: Sparpolitik auf dem Prüfstand

Für eine neue Politik für Vollbeschäftigung und solidarische Lohnpolitik

von: Dr. Gero Maass
Schwedische Flagge rissig

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Schweden wird auch heute noch gerne als das Musterland sozialer Demokratie angeführt. Oft wird dabei auf das „schwedische Modell“ mit universalem Wohlfahrtsstaat, einer Arbeitsmarktpolitik, in denen traditionell die Gewerkschaften eine tragende Rolle spielen, und einer aktiven Rolle des Staates in Finanz- und Geldpolitik hingewiesen.[1] Seit der schwedischen Finanzkrise Anfang der 1990er Jahre, spätestens aber seit der Regierungsübernahme der bürgerlichen „Allianz“ 2006 bekam das „schwedische Modell“ Abnutzungserscheinungen. Ähnliche Entwicklungen sind auch in den anderen skandinavischen Ländern zu beobachten[2].

In den 1990er Jahren hat sich die finanz- und arbeitsmarktpolitische Ausrichtung der schwedischen Politik grundlegend verändert. Der hohen Staatsverschuldung, die sich im Zuge der damaligen Krise entwickelte, folgte eine gesetzlich verordnete Sparpolitik, die im Kern darauf hinausläuft Regierungen an ein „Überschussziel“ zu binden, um die Staatsschuldenquote zu senken und den Staatshaushalt nachhaltig zu gestalten.[3] Neben der Staatsverschuldung wurde die rasant steigende Arbeitslosigkeit (von ca. 2% 1990 auf über 8% 1993) ein zentrales Problem schwedischer Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Auch wenn die Arbeitslosigkeit bis Mitte der 2000er Jahre wieder auf ein Niveau von unter 7% gesenkt werden konnte, hat sich diese nach der Finanzkrise 2008 wieder leicht erhöht. Gleichzeitig ist Schweden 2015 das OECD-Land in dem die Ungleichheit (gemessen am steigenden Gini-Koeffizienten) am schnellsten wächst. Der schwedische Gini-Koeffizient ist seit 1982 um 65% gestiegen. Gleichzeitig hat die OECD selber mittlerweile angemahnt, dass wachsende Ungleichheit in vielen Ländern der westlichen Welt eines der größten Hindernisse für nachhaltiges Wirtschaftswachstum darstellt.

Sparpolitik und Arbeitsmarktreform bringen keine Impulse

Vor diesem Hintergrund stellt ein neuer Bericht des schwedischen Arbeitergewerkschaftsbundes (LO) „Für eine neue Politik für Vollbeschäftigung und solidarische Lohnpolitik“ die hohe Arbeitslosigkeit und die stetig wachsende wirtschaftliche Ungleichheit als zentrale Probleme für die zukünftige gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung in Schweden dar.[4] Sowohl die Sparpolitik der 1990er Jahre, als auch die Arbeitsmarktreformen der bürgerlichen „Allianz“ (Kürzung der Arbeitslosenversicherung, Unternehmenssubventionen für Einstellungen junger Menschen, Aktivierungsmaßnahmen von Arbeitslosen, Deregulierung von Beschäftigungsformen etc.) hätten es nicht geschafft, die hohe Arbeitslosigkeit zu senken, so der LO-Bericht. Zudem fehle es an Investitionen im Infrastruktur- und Wohlfahrtssektor, die mit der dominierenden Sparpolitik nicht zu bewältigen wären. Da die hohe Arbeitslosigkeit und die wachsende Ungleichheit nicht nur für die Betroffenen sondern für die Gesamtgesellschaft zum Problem werden, müsste eine Neuausrichtung der Finanz- und Arbeitsmarktpolitik hin zu Vollbeschäftigung (2-4% Arbeitslosenquote), einem Beschäftigungsgrad von 85%, sowie einer Aufhebung der strukturellen Lohndiskriminierung von Frauen folgen.

Was der Bericht der LO anstrebt ist daher nichts Geringeres als die Demontierung bestehender neoliberaler finanz- und arbeitsmarktpolitischer Dogmen, die spätestens seit den 1990er Jahren nicht nur in Schweden sondern europaweit bestehen. Um Vollbeschäftigung und einen Beschäftigungsgrad über 80% realisieren zu können, soll beispielsweise das „Überschussziel“ zugunsten eines moderaten nicht-strukturellen Defizit-Ziel abgeschafft werden. Das heißt, der Staat sollte über einen begrenzten Zeitraum hinweg ein Haushaltsdefizit von 1,5-4% des BIP in Kauf nehmen, um notwendige Investitionen tätigen zu können. Wie es die Autor_innen des Berichts erklären, erscheine es zwar aus der Perspektive des herrschenden Diskurses „unvernünftig“ neue Schulden zu machen. Schulden sind aber essenziell, um Investitionen tätigen zu können und dadurch wiederum die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft auf Dauer zu sichern. Die niedrige Inflation und die relativ niedrige Staatsverschuldung Schwedens stellen, so die LO, optimale Bedingungen für eine solche Neuausrichtung dar. Da eine solche Finanzpolitik nicht mit der Geldpolitik der schwedischen Zentralbank („riksbanken“) vereinbar ist, müsste diese ihr Inflationsziel hochsetzen (über das jetzige von 2%). Was die blue-collar Gewerkschaften vorschlagen ist also, dass die Geldpolitik aktiv nach Zielen der Vollbeschäftigung ausgerichtet wird. Auch hier gehen sowohl die Analyse als auch die Zielsetzung des LO-Berichts über (europaweit) bestehende neoliberale Dogmen hinaus.

Ungleichheit als Wachstumshindernis

Was die wachsende Ungleichheit betrifft, stellt der Bericht fest, dass die hohe Arbeitslosigkeit vor allem junge, gering ausgebildete (oft Frauen) und im Ausland geborene Menschen treffe. So sei die Lage der Frauen auf dem Arbeitsmarkt, mit und ohne Arbeit, besonders problematisch. Hier bezieht sich der Bericht nicht nur auf die immer noch hohen Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern, sondern eben auch auf den sehr viel schwierigeren Zugang zum Arbeitsmarkt von Frauen. Der Vorsitzende der LO, Karl-Petter Thorwaldsson, sieht in der Analyse der Ungleichheit und der Zielsetzung des Berichts, diese durch eine Neuausrichtung der Investitions- und Lohnpolitik abzubauen, eines der wichtigsten Signale in der Debatte. Die solidarische Lohnpolitik der Gewerkschaften, so Thorwaldsson, sollte sich an dem Ziel messen lassen, die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in den nächsten zehn Jahren um 6% zu verringern, was einer Halbierung des jetzigen Zustandes entspricht. Das soll durch eine durchschnittliche Lohnerhöhung in weiblich dominierten Branchen von 0,5% über dem Gewerkschaftsdurchschnitt pro Jahr geschehen.

Der LO zufolge soll der Bericht die schwedische Debatte um Finanz- und Arbeitsmarktpolitik befeuern, die sich, Thorwaldsson nach zu urteilen, seit den 1990er Jahren im Kreis drehe. Die Vorstellung des Berichts am 3. Juni in Stockholm wurde dann gleich zum Startschuss dieser Debatte genutzt. Neben vielen zustimmenden Kommentaren, die eine Neuausrichtung der Finanz- und Arbeitsmarktpolitik begrüßten, kam dann auch Kritik auf. Vor allem der Fokus der angestrebten Investitionspolitik – Infrastruktur und Industrie – wurde u.a. hinterfragt. Vor allem in Hinblick auf die geschlechtsspezifische Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt, sei es notwendig Investitionen im überlasteten, öffentlichen Wohlfahrtssektor voranzutreiben, in dem vorwiegend Frauen beschäftigt sind, so Karin Pettersson, ehemalige Kommunikationschefin der Sozialdemokraten. Auch die Kritik von Arbeitgeberseite, dass sich LOs geplante Neuausrichtung zu sehr an der nationalen Wirtschaft orientiere, während Kapital und Unternehmen längst globalisiert seien, könnte durch einen Fokus auf den Wohlfahrtssektor umgangen werden, da dieser, im Gegensatz zum produzierenden Gewerbe, kaum globalisiert werden kann.

Der Anstoß einer vielleicht europaweiten Debatte

Der Bericht soll 2016 dem Gewerkschaftskongress der LO vorgelegt werden, auf dem dann über die zukünftige Ausrichtung des Gewerkschaftsbundes abgestimmt wird. Auch wenn viele Punkte einer Neuausrichtung weg von der dominierenden Sparpolitik erst noch in einer umfassenden gesellschaftlichen Debatte geprüft werden müssen, ist schon jetzt deutlich geworden, dass die ambitionierte Fehleranalyse der bestehenden Finanz- und Arbeitsmarktpolitik und die Zielsetzung von Vollbeschäftigung und Gleichstellung zentrale Aspekte des, nicht nur in Schweden, dominierenden Diskurses der Austeritätspolitik ins Wanken bringen. Noch deutlicher wird dies, wenn man beachtet, dass die LO nicht die einzige Stimme in der schwedischen Debatte ist, die eine Alternative zur Sparpolitik der vergangenen zwei Jahrzehnte befürwortet. Auch Sandro Scocco, Chefökonom des sozialdemokratischen Think-Tanks „Arena Idé“ fordert nicht zuletzt die Sozialdemokratie auf, sich mit einer expansiven Finanz- und Arbeitsmarktpolitik zu profilieren und wird dabei u.a. vom gewerkschaftsnahen Institut „Katalys“ unterstützt, das sich in seinem neusten Bericht ebenfalls für eine „neue Politik für Vollbeschäftigung“ ausspricht.[5]

Der Vorstoß der schwedischen Arbeitergewerkschaften ist daher nicht die erste, wenngleich aber die lauteste, Stimme in der schwedischen Öffentlichkeit, die das Potenzial birgt die gesamteuropäische, und damit auch die deutsche Debatte für alternative Vorstellungen von Finanz- und Arbeitsmarktpolitik zu öffnen.  



[1] Stöber, Niels (2014), „Schweden“ in Gombert, Tobias u.a. (Hrsg.): Grundlagen der Sozialen Demokratie (Friedrich-Ebert-Stiftung, Akademie für Soziale Demokratie).

[2] Maass, Gero (2015), „Das nordische Modell – Erosion oder Erneuerung? Ein Blick in die Ergebnisse des SAMAK-Fafo NordMod2030-Projektes“ in Perspektive (Zugang über FES Library: http://library.fes.de/inhalt/digital/fes-publikation.htm ).

[3] Das „Überschussziel“ entspricht dem Sparen von öffentlichen Finanzen im Umfang von 1% des BIP im Laufe eines Konjunkturzyklus.

[4] Järliden Bergström, Åsa-Pia u.a. (2015): Vägen till full sysselsättning och rättvisare löner (Landsorganisationen i Sverige).

[5] Scocco, Sandro (2015),“Den maktlösa vänstern“; Hegelund, Erik und Daniel Suhonen (2015), ”Från massarbetslöshet till full sysselsättning – om sambanden mellan jobbpolitik, statsskuld och privata lån” in Katalys, Nr. 20, http://www.katalys.org/rapporter/katalys-no-20 .


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Kommentare zu diesem Artikel

KOMMENTARE

Rainer Thiel, Dr. habil. schrieb am 1. August 2015 um 19:36 Uhr:

Die schwedische Gewerkschaft hängt die Arbeitsmarkt-Politik an die Investitionspüolitik. Das halte ich für verfehlt, denn Investitionen - was und wozu? - sind selber ein Problem, wir müssen auch klären, was Wachstum bedeuten könnte, Wachstum wie bisher führt in die Katastrophe. Wir sollten aber endlich von allgemeiner, auch gesetzlicher Arbeitszeitverkürzung sprechen, z.B. so: 30-Stundenwoche mit vollem Lohn- und Personalausgleich. Das fordert die ATTAC-AG "Arbeitfairteilen". Es ist schlimm genug, dass das nicht schon vor 15 Jahren erstritten wurde, dann wären den Frauen nicht Arbeitszeit und Einkommen auf die Hälfte verkürzt worden. Unsre ATTAC-AG verfügt über eine Menge Literatur. Rainer Thiel, rainer@rainer-thiel.de

Aktive Arbeitslose Österreich schrieb am 20. Juli 2015 um 12:38 Uhr:

Alleine der Satz "Schulden sind aber essenziell, um Investitionen tätigen zu können und dadurch wiederum die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft auf Dauer zu sichern." zeigt, dass die Sozialdemokratischen Gewerkschaften anch wie vor Kapos des Kapitals bleiben und die grundlegendn Herrschaftsverhältnisse nicht hinterfragen.
Wie wäre es, die Hoheit über die Geldpolitik wieder zu erringen und das Geld für Investition einfach selbst zu drucken, statt weiterhin das Finanzkapital zu füttern?
Wenn die Reichen und die Konzerne ordentlich besteuert werden, dann ist doch auch mehr als genug Geld da für die Investitionen! Alleine mit dem Geld, das die Konzerne in Europa an Steuern hin terziehen oder "legal" vermeiden, könnten mit einem Schlag alles Staatsschulden getilgt werden!
Dieser Artikel ist eine Bankrotterklärung der nach wie vor von Kapital und Staat korrumpierten Gewerkschaften. Das ist nur noch erbärmlich ...

Reinhard Helmers schrieb am 17. Juli 2015 um 15:12 Uhr:


Das Neue Schwedische Modell für das EU-Arbeitsrecht.

Die EU-Kommission ("Wächterin des Gemeinschaftsrechtes") billigt den eindeutigen Bruch des EU-Arbeitsrechtes ("Gleicher Lohn für gleiche Arbeit",Art. 113) durch Schweden.
Mit dem Beitritt zur EU wurde im schwedischen Arbeitsrecht die Lohndiskriminierung mit Billigung der EU-Kommission als Vorbild für die EU eingeführt und das Tariflohnsystem abgeschafft. Zunächst im gesamten Öffentlichen Dienst wurde das bislang geltende "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" abgeschafft, wovon besonders die Frauen betroffen sind.
Zum Internationalen Frauentag am 8.3. ein Plakat der Kommunal-Gewerkschaft:                   "Willst Du Gehaltserhöhung? --- Ändere Dein Geschlecht ! "
___________

Ungleicher Lohn für gleiche Arbeit. Zwei verschiedene Motive für das neue Schwedische Modell.
Die solidarische Lohnpolitik und das Tariflohnsystem wurden in Schweden schon vor ca 20 Jahren verabschiedet. Tiefgreifend sind die Folgen für das Arbeitsrecht.
Dies geschah mit dem Beginn der umfassenden Deregulierung und Privatisierung öffentlicher Einrichtungen wie der Staatsbahnen, der Gesundheitspflege, des Schulwesens und vieler bisher staatlicher Betriebe, Für die Altersfürsorge wurde eine private Rentenversicherung ähnlich der "Riester-Rente" eingeführt. Auch die Lohnpolitik wurde privatisiert und Tarifverträgen entzogen. Begonnen wurde auf Initiative der Regierung mit dem gesamten Öffentlichen Sektor einschließlich der Beamtenschaft. Heute sind Tariflöhne vom Arbeitsmarkt fast entfernt. Im offiziellen schwedischen Staatskalender heißt es:
"Individuelle Löhne: Bereits 1990 wurde das alte Lohngruppensystem aufgehoben. .... Stattdessen werden individuelle und unterschiedliche Löhne in Kronenbeträgen gezahlt...."(Übersetzung aus: Sveriges Statskalender 2010. s.28).
Nach einigen höchstrichterlichen Urteilen gilt dieses Prinzip für den gesamten Arbeitsmarkt. "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" wird zwar nach Art. 113 des EG-Grundvertrages gefordert, diese Gleichmacherei des 19.Jahrhunderts wird  jedoch von den Befürwortern des reformierten Arbeitsrechts als veraltert angesehen. Statt durch Tarifverhandlungen werden die Löhne und Gehälter von den Vorgesetzten individuell festgelegt. Die Gewerkschaften begnügen sich damit, an ihre einzelnen Mitglieder Ratschläge für die individuellen Verhandlungen zu verteilen.
Diese Liberalisierung des Arbeitsrechtes fördert sowohl die Gefolgschaftstreue der Beschäftigten   als auch die Rivalität unter ihnen. In der staatlichen und kommunalen Bürokratie werden Verwaltungsabläufe ohne Neigungen der Untergeordneten zu Widersprüchen reibungsloser. In der Wissenschaft herrscht die erwünschte Meinung auch über die Professorengehälter - im Gerichtswesen über die Richtergehälter.
Die EU-Kommission duldet diesen Widerspruch zum EU-Arbeitsrecht, vermutlich weil ihr ein Vorreiter für künftiges, liberales Arbeitsrecht der EU als Neues Schwedisches Modell willkommen ist. 
Die Einführung dieser umfassenden Lohndiskriminierung wurde hinter verschlossenen Türen von der sozialdemokratischen Regierung und den Vorsitzenden der Einzelgewerkschaften beschlossen. Weder   öffentliche noch   verbandsinterne Diskussionen gingen der Liberalisierung des Arbeitsrechtes voraus. Bis heute ist diese Lohnpolitik unter einer Glocke des Totschweigens. Anfragen nach Begründungen an die Verantwortlichen warum Art.113 ("Gleicher Lohn für gleiche Arbeit") der EU in Schweden nicht gelten soll, bleiben unbeantwortet. Deshalb ist man auf   Vermutungen angewiesen. Die sozialdemokratischen Minister haben sich vorauseilend der Liberalisierungspolitik der EU auch im Arbeitsrecht angepasst. Die Linkspartei (ehem. Kommunisten) folgen traditionell der sozialdemokratischen Regierung. Die Führung der Einzelgewerkschaften besteht ausnahmslos aus Einkommensmillionären, denen wegen mangelnder Verbandsdemokratie authoritäre Maßnahmen wie in diesem Fall erlaubt werden.
Während dieser Nomenklatura offenbar die Übernahme der Liberalisierungs-Ideologie auch im Arbeitsrecht als Motiv dient, gibt es eine kleine anarcho-syndikalistische Gruppe außerhalb der traditionellen Arbeiterbewegung, die aus völlig anderen Gründen der Lohndiskriminierung zustimmt.
Anarcho-Syndikalisten sind in der deutschen Arbeiterbewegung weitgehend unbekannt. Wolfgang Abendroth ("Sozialgeschichte der europäischen Arbeiterbewegung",S.53, schrieb u.a.:"Sie repräsentierten die Gruppen, die den Übergang von der Halblegalität unter dem Sozialistengesetz zum offenen, legalen Kampf und zur Sammlung großer Teile der Arbeiterschaft nicht verstanden und mitgemacht hatten, und wurde die Keimzelle des in Deutschland nahezu einflußlosen Anarcho-Syndikalismus." Das gilt auch heute noch. Übrigens schrieb W.I.Lenin sein Buch "Der linke Radikalismus, die Kinderkrankheit des Kommunismus" u.a. gegen den Anarcho-Syndikalismus.
In Schweden gibt es eine kleine autonome Gruppe außerhalb der Parteien und Gewerkschaften, die sich "Sveriges Arbetares Centralorganisation SAC" bezeichnet und sich um die Wochenzeitung ARBETAREN gruppiert. Kürzlich machte Labournet durch Wiedergabe eines Artikels aus DIREKTE AKTION( "Auf ins nächste Jahrhundert", Juni 2012) auf diese Vereinigung aufmerksam.
Diese Autonomen - und andere linken Sekten - nehmen sich lokaler Konflikte an durch kleine Demos vor den betreffenden Arbeitsplätzen oder durch Hausbesetzungen. Lohndiskriminierung und "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" sind kein Thema ihrer Aktionen. Wiederholte Anfragen und Berichte an ihre Organisation und Zeitung bleiben ohne Antwort oder Kommentar. Offenbar ist das Kennen der Gründe für die Unterstützung der Lohndiskriminierung ungeeignet  für die Mitglieder und die Öffentlichkeit. Nach Gesprächen mit führenden Mitgliedern läßt sich erkennen, daß allgemeine Tarifverträge und das garantierte Gleichlohnprinzip stören; Lohnwillkür und Lohndiskriminierung hingegen vermehren die lokalen Konflikte, bei denen die autonomen Anarcho-Syndikalisten sich nützlich und bekannt machen können.  
Weiterhin aktuelle Veröffentlichungen zum Thema:
* http://www.labournet.de/internationales/schweden.html
* http://www.labournet.de/diskussion/gewerkschaft/eurotarif/     schweden3.html
* http://domino1.edvg.co.at/domdb/oegb/briefe
* http://www.lomb.cgil.it/rsuibm/fol.htm
* http://fib.se/Swedish_Salary_Discrimination.pdf
* http://attac.org/belgique/indexfr.html
* Actualités,  Sweden: Salary dicrimination http://simap.eu.int/ forumcgi/get/SIMAP/237.html
* "Swedish Labour Law and European Union":     CONTEMPORARY
      REVIEW(London), May 2000, p. 240 - 246
   "The Art of Legal Misinformation": The Lundian, International Magazine, Lund, Sept. 2000
* "Arbeitsbeziehungen in Schweden - kein Modell für Europa"."express" (Offenbach)  Nr.4/2001
* "Schwediche Regierung steigert ihre Lohndiskriminierung" Junge Welt (Berlin) 25/11 02
"Das Schwedische Modell - Zukunfts-oder Auslaufmodell?"
Deutsch-Schwedische Gespräche, Uni.Marburg 1994
E.Felfe: "Das Schwedische Modell. Ein Wohlfahrtsstaat als Zukunftsprojekt?" GNN Verlag 2008.
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Zur Europawahl: DGB fordert gleichen Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort
140522 Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert die Durchsetzung des Prinzips „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort" in Europa. „Alle in Deutschland tätigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem europäischen Ausland müssen unter die Regelungen...... .
--
Reinhard Helmers
Thomanders väg 2 C
Universitätslektor a.D.
SE-224 65 Lund/Schweden
Tel.: Int + 46 46 127833

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Dr. Gero Maass
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