Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 27: Mai/Juni 2014 | Schluss mit dem „Kampf um die Köpfe“

Europa

Thema der Ausgabe 27: Mai/Juni 2014 Europa vor neuen Herausforderungen

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Sonntag, 4. Mai 2014

Schluss mit dem „Kampf um die Köpfe“

Hochschule und berufliche Bildung brauchen eine gemeinsame Reformperspektive – und keine Systemkonkurrenz

von: Elke Hannack
Universität

eskemar / photocase.com

Der Philosoph Julian Nida-Rümelin warnt: Deutschland leidet am Akademisierungswahn. Die eigentliche Stärke des deutschen Bildungssystems – die duale Berufsausbildung mit ihrer Mischung aus betrieblicher Praxis und Berufsschule – drohe ins Hintertreffen zu geraten. Der frisch gewählte DIHK-Präsident Eric Schweitzer macht den Hang zum Studium gar für die sinkende Zahl der Ausbildungsverträge verantwortlich. Schon sprechen erste Expertinnen und Experten von einem Kampf um die Köpfe zwischen den Systemen Hochschule und Berufsbildung.

Fakt ist: Die duale Berufsausbildung bleibt attraktiv – auch für hoch qualifizierte Jugendliche. Fast jeder vierte Azubi hat das Abitur oder die Fachhochschulreife in der Tasche. Im Bereich Industrie oder Handel ist es gar jeder dritte Jugendliche: Tendenz steigend. Das duale System leidet nicht unter einem Mangel an gut qualifizierten jungen Menschen. Die mangelnde Integration von Jugendlichen mit schlechten Startchancen ist das Hauptproblem. Nur noch 7 Prozent der Betriebe bilden Hauptschülerinnen und Hauptschüler aus. Rund 257.000 Jugendliche befinden sich in zahllosen Warteschleifen im Übergang von der Schule in die Ausbildung. Wenn sich die Zahl der Ausbildungsplätze im Sinkflug befindet, liegt das nicht am vermeintlichen Akademisierungswahn, sondern an Betrieben, die sich an eine Bestenauslese gewöhnt haben und Hauptschülerinnen und -schülern von vorneherein keine Chance mehr geben.

Fakt ist aber auch: Gute Facharbeit ist und bleibt das Rückgrat der Innovationskraft unserer Betriebe. Es ist kein Zufall, dass viele Unternehmen bei der Gründung von Auslandsstandorten zunächst Ausbildungsbetriebe einrichten, um junge Menschen nach dem dualen Modell auszubilden. Weder ist die duale Berufsausbildung ein Auslaufmodell, noch leidet unsere Gesellschaft unter einem Akademisierungswahn. Die Diskussion um ein neues Verhältnis von beruflicher und akademischer Bildung muss differenzierter geführt werden. Hierbei sind sechs Thesen zu beachten:

These 1

Die Anforderungen an die Beschäftigten steigen. Höhere Qualifikationen sind erforderlich. Dies darf aber nicht mit einem schlichten Ruf nach einer höheren Studierendenquote verwechselt werden.

Der Einsatz neuer Technologien, der Abbau von betrieblichen Hierarchien und die Verlagerung koordinierender Aufgaben auf die ausführende Ebene stellen höhere Anforderungen an die Beschäftigten. Oft wird der Ruf nach höher qualifizierten Beschäftigten mit der schlichten Forderung nach einer Akademisierung der Arbeitswelt verbunden. Einige Experten fordern bereits Studierendenquoten von 60 bis 70 Prozent. Diese Forderung ist ein bildungspolitischer Kurzschluss. In den Betrieben besteht sowohl die Nachfrage nach Hochschulabsolventen als auch nach beruflich qualifizierten Personen, die im Prozess der Arbeit gelernt haben. Wir brauchen eben nicht nur „Moderations-Mechatroniker“ oder ein „Engineering by Powerpoint“. Auch Meister/-innen, Techniker/-innen oder Fachwirte sind bestens für die Herausforderungen der modernen Arbeitswelt gewappnet. Es darf kein Gegeneinander der Systeme, kein Entweder-Oder geben. Wir müssen die Systeme Berufsbildung und Hochschule besser miteinander verbinden.

These 2

Wer das duale System der Berufsausbildung stärken will, sollte nicht larmoyant eine Akademisierung beklagen, sondern das duale System attraktiver gestalten.

Ob sich junge Frauen und Männer für eine duale berufliche oder eine hochschulische Ausbildung entscheiden, ist eine persönliche Frage. Diese Entscheidung hängt von den eigenen Interessen und den beruflichen Perspektiven ab, die die Ausbildung oder das Studium bietet. Nur wer jungen Menschen eine gute Ausbildung, einen anständigen Lohn und gute Karrierechancen bietet, wird diese auch für eine berufliche Ausbildung gewinnen können. Man kann nicht in Sonntagsreden die Bedeutung der beruflichen Bildung in Deutschland bejubeln, während sich laut den Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gleichzeitig die Einkommensschere zwischen Akademikern und beruflich Qualifizierten weiter öffnet. Es reicht absolut nicht, dass Bundesregierung und Arbeitgeber in Hochglanzkampagnen für die betriebliche Berufsausbildung werben.

These 3

Wir brauchen Perspektiven für junge Menschen im dualen System. Die berufliche Aufstiegsfortbildung muss als gleichwertige Alternative zur Hochschule gestärkt werden.

Wer jungen Menschen, die eine duale Ausbildung absolviert haben, bessere Perspektiven im Betrieb ermöglichen will, muss die berufliche Aufstiegsfortbildung stärken. Auch hier besteht Handlungsbedarf. Allein bei den Industrie- und Handelskammern ist die Zahl der erfolgreichen Prüfungen in den vergangenen Jahren um mehr als 10.000 gesunken. Die Betriebe müssen ihr Augenmerk wieder mehr auf diese Form des Bildungsaufstiegs richten. Sie muss fester Bestandteil der Personalentwicklung werden. Die beruflich Qualifizierten in den Führungsetagen der Unternehmen können dafür ein Vorbild sein. Wir brauchen aber auch für die berufliche Aufstiegsfortbildung ein System der Qualitätssicherung, das ein bundesweit hohes Niveau der Abschlüsse sichtbar macht und sicherstellt.

These 4

Statt eines „Kampfes um die Köpfe“ müssen wir gemeinsame Perspektiven von beruflicher und hochschulischer Bildung entwickeln.

Wir müssen die Stärken der beruflichen und der hochschulischen Ausbildung kombinieren. Die strikte Trennung von beruflicher und allgemeiner Bildung ist eine grundlegende Schwäche unseres Bildungssystems. Beiden Bereichen fällt es schwer, sich gleichwertig miteinander zu verbinden. Das führt auch dazu, dass der bisherige Diskurs kaum die gemeinsamen Reformperspektiven in den Blick nimmt. Gerade die Gewerkschaften, die sich an der Schnittstelle beider Systeme bewegen, können hier einen wesentlichen Beitrag leisten. Wir wollen ein gemeinsames Leitbild der modernen Beruflichkeit auf der Basis der Durchlässigkeit, Gleichwertigkeit und Anschlussfähigkeit der Bildungssysteme entwickeln. Das ist leicht formuliert und die Umsetzung ist nicht so einfach. Die Debatte hierüber wird sicher den Einsatz aller Gewerkschaften erfordern und noch viel Kraft kosten.

These 5

Wir müssen die Gleichwertigkeit und die Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung sichern. Vor allem müssen mehr Menschen ohne Abitur auch ein Studium beginnen und abschließen können.

Eine vorsichtige Öffnung des Hochschulzugangs für Menschen mit Berufserfahrung versuchte die Kultusministerkonferenz im März 2009 in Stralsund. Dort haben die Bildungsminister den formalen Zugang zumindest etwas gelockert. So steht Meistern nun nach der Gesetzeslage jedes Studium offen. Jenseits des Meisters stoßen Menschen ohne Abitur jedoch immer noch auf ein föderales Flickwerk unterschiedlichster Zugangshürden – von mehrjähriger Berufserfahrung bis zur Aufnahmeprüfung. Von echter Gleichbehandlung zwischen akademischer und beruflicher Bildung kann keine Rede sein. Die Quote der Studierenden ohne Abi liegt weiterhin bei nur knapp über zwei Prozent. Wer es ernst meint mit der Durchlässigkeit im Bildungswesen, muss deshalb die Hochschulen weiter öffnen und die Zugangshürden abschaffen.

Wir brauchen an deutschen Hochschulen einen Kulturwandel. Sie müssen endlich lernen, mit Vielfalt produktiv umzugehen. Ein Blick auf andere europäische Staaten zeigt, dass die deutschen Studienformate zu unflexibel sind. Das Modell des ganztägigen Präsenzstudiums ist für Personen, die bereits im Berufsleben stehen, nicht attraktiv. Vor allem der Ausbau von berufsbegleitenden Studiengängen ist überfällig. Dafür müssen verschiedene Lernarrangements bereit stehen, wie zum Beispiel E-Learning, Präsenzveranstaltungen sowie Seminare an Wochenenden und in den Abendstunden. Dies darf aber nicht auf Kosten der Beschäftigten an den Hochschulen gehen und ist nur mit zusätzlichem Personal zu leisten.

Die Hochschulen brauchen schließlich auch die Aufnahmekapazitäten für die Studierenden. Schon heute leiden sie unter chronischer Unterfinanzierung. Die doppelten Abiturjahrgänge und die Abschaffung von Wehr- und Zivildienst tragen dazu bei, dass Menschen ohne Abitur kaum im Fokus der Hochschulen stehen. Deshalb fordert der DGB, den Hochschulen einen finanziellen Anreiz zu geben, mehr beruflich Qualifizierte aufzunehmen. In dem neuen Hochschulpakt müssen die Studienplätze für beruflich Qualifizierte mit einem zusätzlichen Bonus von 50 Prozent pro Platz gefördert werden.

Es gibt Hoffnung: Bund und Länder wollen den Hochschulpakt zur Finanzierung von zusätzlichen Studienplätzen fortsetzen. Im reformierten Pakt soll auch der Zugang für beruflich Qualifizierte an Hochschulen verankert werden, heißt es im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung. Eine echte Öffnung des Hochschulzugangs für Menschen ohne Abitur ist also in greifbarer Nähe. Bereits im Januar haben die Gespräche von Bund und Ländern über diesen Pakt begonnen. Notwendig ist, einen echten Bonus für beruflich Qualifizierte zu verankern und nicht bei vagen Absichtserklärungen zu bleiben.

These 6

Wir müssen das duale Studium als hybride Form zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung gestalten.

Das duale Studium ist ein spannendes Modell, das Elemente beruflicher und akademischer Bildung verknüpft. Bei den dualen Studiengängen muss aber darauf geachtet werden, dass sie nicht zu sehr auf den einzelnen Betrieb zugeschnitten sind. Ein dualer Studiengang Produktionstechnik an der Hochschule Hannover, der eine Präsenszeit von 48 Stunden in der Woche vorsieht – ganz ohne Vor- und Nachbereitung, ganz ohne Prüfungen – ist völlig absurd. Wir müssen die Arbeitsbelastung auf ein vernünftiges Maß reduzieren. Dazu ist auch eine bessere Abstimmung zwischen den Lernorten, der Hochschule und dem Betrieb – und bei ausbildungsintegrierten dualen Studiengängen auch die Berufsschule – nötig. Wir brauchen hierfür bundesweite Qualitätsstandards. Und auch die Gewerkschaften können und wollen duale Studiengänge gestalten. Und das nicht zuletzt mit Tarifverträgen, die die Ausbildungsvergütungen, betriebliche Arbeitszeiten und auch die Qualität der betrieblichen Ausbildung sichern.

Fazit

All diese Punkte zeigen, dass wir von einer tatsächlichen Annäherung zwischen hochschulischem und beruflichem System, geschweige denn ihrer Gleichwertigkeit, noch weit entfernt sind. Auch die Durchlässigkeit zwischen den Systemen ist äußerst fraglich. Arbeiterkinder oder Menschen ohne Abitur muss man an der Hochschule noch immer mit der Lupe suchen. Die konkreten Herausforderungen sind vielfältig: Wir brauchen endlich eine Finanzarchitektur lebenslangen Lernens, die verschiedene Elemente wie das BAföG, das Meister-BAföG oder das Nachholen von Schul- und Berufsabschlüssen zusammenfasst. Alle Studien sagen uns, dass die Frage der Bildungsfinanzierung absolut zentral für Chancengleichheit ist.

Wir brauchen Hochschulen, die Weiterbildung als strategisches Handlungsfeld begreifen. Das lebensbegleitende Lernen ist eine Aufgabe für die Hochschulen. Sie sind es, die den Bezug zu Wissenschaft und Forschung schaffen und unabhängig von kommerziellen Interessen die Inhalte der Weiterbildung gestalten können. Öffentliche Hochschulen können so die Chancengleichheit beim Zugang zur Weiterbildung sichern.

Wir brauchen Hochschulen, die mit Vielfalt produktiv umgehen können. Aus der homogenen akademischen Gemeinschaft muss eine echte Patchwork-Familie werden, die offen für unterschiedlichste Biographien ist.


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Kommentare zu diesem Artikel

KOMMENTARE

Wolfgang Hill 8.Mai 2014 schrieb am 9. Mai 2014 um 00:24 Uhr:

Pressemitteilung BAK FST ( Auszug ) April 2014
Berufliche Bildung – ein Modell mit Zukunft?
Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass erstmalig mehr junge Menschen eine Ausbildung im tertiären Bildungssektor als in einer Dualen Berufsausbildung begonnen haben, darf, nein muss die Frage nach dem Wert beruflicher Bildung dringend gestellt werden.
(...) Das System, um welches uns viele Mitgliedsstaaten der Europäischen Union beneiden, ist aber gesellschaftlich in der Bundesrepublik wenig akzeptiert bzw. steht nicht in dem Fokus, in dem es stehen sollte. Die Förderung hochschulischer Bildung und die Propagierung höherer Abiturquoten, als Folge der Auswertung der PISA-Studien stehen teilweise konträr zum Bedarf der Industrie. Wurden in der PISA-Studie berufliche Kompetenzen erfasst, wie sie im Europäischen Qualifikationsrahmen und den Nationalen Qualifikationsrahmen der Mitgliedsstaaten verankert sind? Kann eine PISA-Studie Auskunft über die Entwicklung beruflicher Kompetenzen geben?
(...)Der BAK FST sieht in der Stärkung der beruflichen Bildung großes Potenzial der Zukunfts- und Standortsicherung für die Industrie und Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland. Wohlwissend, dass eine gleichberechtigte berufliche und akademische Bildung existenziell wichtig sind, muss die berufliche Bildung eine Stärkung und Aufwertung in der Gesellschaft erfahren. Eine fundierte grundlegende Berufsausbildung im Dualen System muss wieder als attraktiv erkannt und nicht für die „niedrigen“ Schulabschlüsse der Allgemeinbildung angesehen werden! Möglichkeiten der Aufstiegsfortbildung und anschließende Durchlässigkeit bis hin in die akademische Bildung sind hierfür wichtig, denn somit sind einem beruflichen Karriereweg keine Grenzen gesetzt. Berufliche Bildung gewinnt so erheblich an Attraktivität und erzeugt gut ausgebildete mit beruflichen Kompetenzen versehene Fachkräfte, deren Bedarf es zu decken gilt. Weder die berufliche noch die akademische Bildung können diesen Auftrag allein erfüllen, weshalb ein gemeinsames Konzept, basierend auf Durchlässigkeit der Bildungssysteme, Grundlage zukünftiger Modelle und Überlegungen darstellen muss. Ein breites Angebot beruflicher Aufstiegsmöglichkeiten gehört hier zwangsläufig dazu!
Der Bundesarbeitskreis Fachschule für Technik (BAK FST)sieht in der Stärkung des gesellschaftlichen Ansehens der beruflichen Bildung, speziell der Aufstiegsfortbildung zum/r „Staatlich geprüften Techniker/in“, seine Hauptaufgabe und steht als Gesprächspartner allen Interessenten offen gegenüber. Mehr unter www.bakfst.de
Sprecher des BAK FST

xxx schrieb am 7. Mai 2014 um 15:00 Uhr:

noch mal zur Ausbildung über den Bedarf, weil man so damals bei uns die Mädchen zu Dauer-Minijobberinnen gemacht hat:
WENN ich schon ständig Personen in Berufen ausbilde, die kaum Perspektive bieten, wäre es dann nicht vernünftig gewesen, wie im Ausland WENIGSTENS einen weiterführenden Schulabschluss wie FHR mitzugeben? Auch um Bildungswege zu verkürzen?
Damit die sich unabhängig vom Arbeitgeber oder Jobcenter selber dann umschulen und weiterbilden könnten! Das sind ja schließlich nicht deren Leibeigene!
Statt noch mal zur Schule zu müssen,macht man anderswo ja auch so. Außerdem sind das ja keine Leibeigenen der Betriebe sondern die sollten schon Abschlüsse bekommen, die sie auch irgendwie weiterbringen, wenn sie NICHT übernommen werden.
Hat da nie einer drüber nachgedacht? Ich frag nur, da mir im Studentenforum ständig Langzeitarbeitslose begegnen, die nicht mal Umschulungen erhalten in den Wunschberufen die sie danach noch machen wollen.
Ohne Abitur nach einer Erstausbildung an eine neue Qualifikation ranzukommen ist teilweise ziemlich schwierig. Manch einer bleibt dann Gelegenheitsjobber/in.
Ich meine ja nur, weil die sonst als Arbeitslose, Hausfrauen und Minijobberinnen in Sackgassen erstmal festhängen, denn mit der Ausbildung ging es ja danach nicht beruflich weiter.
Darüber hätte man sich ja ebenfalls mal Gedanken machen können. Es ist keineswegs so, dass jeder ein Leben lang in einem Betrieb bleibt, oder in einer Ausbildung bleiben will. Wechselwünsche/gründe sind wohl nicht mit eingeplant.

xxxx schrieb am 7. Mai 2014 um 12:43 Uhr:

Finanzarchitektur Lebenslanges Lernen gibt es in Schweden: Dort erhält man für JEDE Bildungsmaßnahme, egal ob Studium, Umqualifizierung, Weiterbildung, Ausbildung .... bis zum 54. Lebensjahr Bafög und Ausbildungsbeihilfen wie Wohngelder. Voraussetzung sind Schwedischkenntnisse.
außerdem einige Anmerkungen dazu:
Durchlässigkeit hätte DE schon vor 30 Jahren und mehr schaffen können, denn in anderen Ländern gibt es jene schon lange!
so kann ich in Paraguay und Dutzenden anderen Ländern mit einer Ausbildung medizinische Fachangestellte sogar direkt Medizin studieren, weil eben die Ausbildung als Highschoolabschluss gewertet wird. Das wussten sie nicht? Das ist in fast allen Ländern so.
siehe hier:
http://forum-kritische-paedagogik.de/start/?p=130
warum fordert man in DE jetzt erst, was es anderswo schon lange gibt? Dort ist das ein gleichwertiger Abschluss der Sekundarstufe II.
3. Schwachstellen des Systems: mir sind mittlerweile etliche Personen untergekommen, die in DE nach Erstausbildung arbeitslos werden und dann jahrelang keine Umschulung erhalten. Diese hängen in einer nicht mehr benötigten Ausbildung also geradewegs fest ---- was soll an einem solch unflexiblen System gut sein. Die Ausbildungssysteme anderswo sind flexibler und qualifizieren mehr. Man wird damit breiter ausgebildet, in DE ist man viel zu eingeengt.
4. ich selber habe eine Ausbildung mal absolviert, eine Weiterbildung gab es für mich zumindest nicht, also hab ich Abitur nachgeholt und bin studieren gegangen, dass ganze dauert in der BRD mal locker 6-7 Jahre, um überhaupt mal sich weiterbilden zu können, während ich im Ausland direkt in eine Hochschule gekonnt hätte. Für viele Berufe gibt es keine Weiterbildung.
5. die Qualität der Ausbildungen ist zu schlecht, außerdem werden nicht mal genug Weiterbildungen ermöglicht, in der Uni-Klinik wo eine Bekannte von mir arbeitet angeblich auch kaum.
6. Ausbildung über Bedarf direkt für die Arbeitslosigkeit, hat mal einer daran gedacht, wieviele unserer Minijobber, Aufstocker, Gelegenheitsjobber in Wirklichkeit mal so ausgebildet wurden? Hinterfragt das keiner, ob es sinnvoll ist viel zu viele Bürokaufleute auszubilden?
7. außerdem brauchen Deutsche auch einen international anerkannten Abschluss. Wenn der eigene Beruf im Ausland nur als Studium exitiert, rate ich dringend dazu diesen auch in DE nur zu studieren, weil man sonst Probleme hat, mal im Ausland arbeiten zu können.
8. Durch die starke Konzentration auf nur wenige Berufe, bildet man zu oft über Bedarf aus und am eigentlichen Bedarf vorbei. Es muss doch einen Grund geben, warum die SV- Beschäftigung bei Personen mit Ausbildung ebenfalls zurückgeht:
http://hamburg-stadtfueralle.de/wp-content/uploads/06.03._Entwicklung-der-Beschäftigung-in-HH-Anzeichen-für-eine-Spaltung-des-Arbeitsmarktes.pdf
ich finde das Ausbildungssystem in DE schlecht. Weder sichert es noch adäquate Beschäftigung, noch Weiterbildung, noch Umschulung, es wird zu wenig ausgebildet in Bereichen wie Beatmungspflege, zu wenig umgeschult, zu wenig qualifiziert. Mag in der Industrie ja anders sein, aber der ganze Rest... Man lernt da nix Dolles.

Dieter Staudt schrieb am 6. Mai 2014 um 13:02 Uhr:

Ich finde die Ausführungen insgesamt gesehen sehr gut. Was aber völlig fehlt ist die Anerkennung formal, nonformal und informell vor einem Studium erworbener Qualifikationen und Kompetenzenin dem Studium selbst. Bsp.: Ein Meister oder ein Techniker fängt im Studium bei Semester 1 also Null an, obwohl eine Menge von in den Ausbildungen erworbenen Wissensbeständen und Kompetenzen angerechnet werden könnten. Erste zaghafte Versuche gibt es, aber nur sehr vereinzelt.

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Elke Hannack
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