Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 27: Mai/Juni 2014 | Das Ende der Mittelstandsgesellschaft

Europa

Thema der Ausgabe 27: Mai/Juni 2014 Europa vor neuen Herausforderungen

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Montag, 2. Juni 2014

Das Ende der Mittelstandsgesellschaft

Über Thomas Pikettys „Das Kapital im 21. Jahrhundert“

von: Fabian Lindner

Der französische Ökonom Thomas Piketty hat ein wichtiges Buch zur Einkommens- und Vermögensverteilung geschrieben, das weltweit heiß diskutiert wird. Zurecht! Denn während die meisten über die Ungleichheit der Einkommen reden, stellt Piketty die Ungleichheit der Vermögen in den Mittelpunkt. Letztere ist schließlich die Quelle für die Ungleichheit der Einkommen. Denn je ungleicher die Vermögen verteilt sind, desto ungleicher sind auch Zins-, Miet-, oder Dividendeneinkommen verteilt, die zumindest in Deutschland einen immer größeren Teil des Gesamteinkommens ausmachen.

Darüber hinaus führen Erbschaftsrecht und Zinseszins dazu, dass die Ungleichheit der Vermögen immer größer wird – wenn nicht Krieg, Steuern oder Demographie dazwischenfunken. Wenn sich aber Vermögen ungehindert vermehren dürfen, dann steigt auch das leistungslose Einkommen und der Wert der Arbeit schwindet. Zudem steigern große Vermögen die politische Macht der Vermögenden, was wiederum die Demokratie aushöhlt. Kurz: Die große Konzentration der Vermögen in den Händen Weniger stellt die Mittelschichtsgesellschaft in Frage und beeinträchtigt damit die fundamentale Basis der westlichen Demokratien.

Das alles zeigt Piketty anhand einer Unmenge an Daten über die Einkommens- und Vermögensungleichheit in verschiedenen Ländern. Er und seine Kollegen haben die Daten in über dreißig Jahren Arbeit erhoben. Sie sind frei zugänglich unter: http://piketty.pse.ens.fr/en/capital21c2 . Am Beispiel von Deutschland kann man hier äußerst gut den Aufstieg und Fall der Mittelschichtsgesellschaft nachvollziehen.

Abbildung 1

Abbildung 1: Vermögen Deutschlands in % des Volkseinkommens

Abbildung 1 zeigt, wie sich das Vermögen als Teil des Volkseinkommens in Deutschland seit 1870 entwickelt hat. 1950 hatte sich das gesamte Vermögen Deutschlands durch die Zerstörung von Immobilien und Fabriken im Vergleich zu 1910 halbiert. Darüber hinaus hatten Inflation und Wirtschaftskrisen auch die Finanzvermögen nach dem Krieg stark reduziert. Das bedeutete, dass die Nachkriegsgenerationen von ihren Eltern viel weniger erbten als diese wiederum von ihren Eltern. Sie mussten für ihr Vermögen selbst arbeiten und sparen.

Abbildung 2

Abbildung 2: Erbschaften in % des Volkseinkommens

Wie sich die Erbschaften entwickelten, zeigt Abbildung 2: 1960 lag der Gesamtwert der Erbschaften in Deutschland bei nur knapp 2 % der Einkommen. 1910 machten die Erbschaften noch 16 % der Einkommen aus. In Frankreich und Großbritannien lag die Sache ähnlich. Dabei hatte nicht nur der Krieg die Höhe der Erbschaften verringert, sondern auch die Steuerpolitik.

Im 19. Jahrhundert gab es so gut wie keine Einkommen- und Erbschaftsteuern. Wie Abbildung 3 und Abbildung 4 zeigen, hat sich das im frühen 20. Jahrhundert und vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg stark geändert. Nicht nur durch den Krieg konnte weniger Vermögen vererbt werden, auch die Politik verhinderte damals eine zu starke Vermögenskonzentration, weil sie Vermögensungleichheit als Mitursache für die Katastrophen des 20. Jahrhunderts betrachtete. Interessant ist, dass vor allem die angelsächsischen Länder ihre Einkommen und Erbschaften stark besteuerten. Sowohl in den USA als auch in Großbritannien lagen die Spitzensteuersätze nach dem Zweiten Weltkrieg bei über 90 %. So hoch waren die Steuern in Deutschland nie. Zwischen 1946 und 1948 lag der Spitzensatz hierzulande nur bei 90 % (und die Erbschaftssteuer bei 60 %), weil damals die Besatzungsmacht USA die deutsche Steuerpolitik bestimmte. Als die Deutschen 1950 die Souveränität über ihre Steuerpolitik wiedererlangten, sanken die Steuersätze wieder – allerdings nie wieder auf das Niveau des 19. Jahrhunderts.

Abbildung 3

Abbildung 3: Spitzensteuersätze

Abbildung 4

Abbildung 4: Erbschaftssteuersätze

Weniger Erbschaften, höhere Spitzensteuersätze und der Wirtschaftsboom der Nachkriegszeit führten zu insgesamt steigenden Einkommen und größerer Einkommensgleichheit. Die moderne Mittelschicht war geboren. Arbeit lohnte sich mehr als je zuvor, erben immer weniger. Das galt aber nur, bis die Nachkriegsgeneration ab den 1970er Jahren begann, selbst ihre ersparten Vermögen zu vererben (Abbildung 2). Ab 1980 stieg der Wert der Erbschaften als Anteil der Einkommen wieder deutlich. 2010 wurden in Deutschland Vermögen im Wert von 11 % der Einkommen vererbt, höher als in Großbritannien. In Frankreich wird mittlerweile wieder so viel vererbt wie 1920.

An sich müssen höhere Erbschaften kein Problem sein. Wären die Vermögen einigermaßen gleichmäßig verteilt, so wären das auch die Erbschaften. Das ist aber nicht so. Die Vermögensverteilung ist um einiges ungleicher als die Einkommensverteilung: Die reichsten 1 % der Deutschen halten knapp 30 % des privaten Vermögens, erhalten aber „nur“ etwa 11 % aller Einkommen. Damit ist die Vermögensungleichheit in Deutschland die höchste im Euroraum, wie die Vermögenserhebung der Europäischen Zentralbank ergeben hat. In den USA sind die Vermögen allerdings noch ungleicher verteilt. Dort halten die reichsten 1 % der Bevölkerung 35 % der Vermögen.

Mit leistungslosen Erbschaften als Einkommen sinkt auch die Leistungsbereitschaft. Für Frankreich (für Deutschland gibt es solche Daten leider nicht) hat Piketty ausgerechnet, wie groß der Anteil einer Generation ist, die nach ihrer Erbschaft im Prinzip nicht mehr arbeiten müsste, weil der Wert der Erbschaft so groß ist wie ein ganzes Lebenseinkommen durch Arbeit (Abbildung 5).

Von den ab 1880 geborenen Generationen konnten immer weniger ein Leben allein aus der Erbschaft bestreiten. Einen Tiefpunkt hat die Generation der im Jahr 1900 Geborenen erreicht, die von ihren Eltern kaum mehr etwas geerbt haben. Sie mussten sich ihr Leben durch eigene Arbeit finanzieren und selbst ein Vermögen aufbauen. Die ab 1970 geborenen Generationen können sich aber wieder über Erbschaften wie im 19. Jahrhundert freuen. Sie erben das Vermögen der Nachkriegsgeneration, so dass mittlerweile an die 12 % einer Generation in Frankreich im Prinzip auf Arbeit verzichten kann. Für Deutschland gibt es zwar keine Zahlen, das Bild dürfte allerdings ähnlich ausfallen.

Abbildung 5

Abbildung 5: Anteil einer Generation in Frankreich, die Erbschaften erhalten, mit der sie nicht mehr arbeiten müssen

Die Ungleichheit der Vermögen setzt sich nicht nur durch Erbschaften fort, sie verstärkt sich durch den Zinseszinsmechanismus von selbst. Piketty zeigt, dass die Vermögen relativ zum Einkommen immer stärker steigen, wenn die Ertragsrate des Vermögens (z.B. der Zins) höher als das Wirtschaftswachstum ist, und das ist in der Geschichte der Menschheit fast immer der Fall gewesen.

Abbildung 6

Abbildung 6: Profitrate vor und nach Steuern und Wirtschaftswachstum

Abbildung 6 zeigt, dass die Kapitalverzinsung vor Steuern seit Christi Geburt immer bei um die 4,5 bis 5 % lag, die Wirtschaft aber erst mit der Industrialisierung seit dem 18. Jahrhundert gewachsen ist.

Piketty führt leider nicht aus, warum diese tausend Jahre währende Zins-Wachstumsdifferenz nicht zu einer unendlichen Ungleichheit geführt hat. Ich denke, der folgende Mechanismus dürfte dafür ursächlich gewesen sein: Der ewigen Konzentration der Vermögen haben bis ins 18. Jahrhundert die physischen Ressourcen Grenzen gesetzt. Es gab im Mittelalter kaum Finanzvermögen und spiegelbildlich kaum Schulden, sondern nur Land (das, wie Abbildung 1 zeigt, auch im 19. Jahrhundert noch eine wichtige Rolle spielte). Fruchtbares Agrarland, das Erträge abwirft, ist aber per Definition begrenzt. Darüber hinaus wurden die Erträge der Landwirtschaft regelmäßig konsumiert, schließlich konnten sie als Naturalien nicht als Wertanlage gehortet werden. Beides hat der Konzentration der Vermögen starre Grenzen gesetzt.

Die Entwicklung des Finanzsystems und damit des Kredits ab dem 18. Jahrhundert hat nun aber die physischen Grenzen der Vermögensmehrung gesprengt. Finanzvermögen (Bankkonten, Anleihen, Aktien etc.) – und die entsprechenden Schulden – lassen sich theoretisch unendlich steigern. Im Gegensatz zu den Erträgen der Landwirtschaft verrotten Zinsen auf dem Konto nicht. So konnte ab dem 18. Jahrhundert das Vermögen einiger weniger immer mehr steigen. Und weil Finanzvermögen Geldforderungen gegenüber Schuldnern sind, haben Schuldenkrisen regelmäßig die Gesellschaften erschüttert – von der Staatsschuldenkrise Frankreichs, die zur Französischen Revolution geführt hat, bis zur heutigen Eurokrise.

Erst in der Nachkriegszeit lag laut Pikettys Daten die Profitrate das erste Mal in der Geschichte der Menschheit unter dem Wirtschaftswachstum, weil die Kapitalerträge zu großen Teilen wegbesteuert wurden. Hohes Wirtschaftswachstum gepaart mit hohen Steuern haben dem Wachstum der Vermögen Grenzen gesetzt. Dabei betont Piketty, dass dieser Zusammenhang, der die Grundlage für eine gutsituierte Mittelschicht ist, eine krasse historische Ausnahme bildet. Heutzutage gibt es offensichtlich wieder Tendenzen, in diese alten Zeiten zu verfallen. Wenn die Entwicklung der letzten 30 Jahre fortgesetzt wird (in Abbildung 6 ist das die Prognose für die Jahre 2012 bis 2100) und die Steuern auf Vermögen und seine Erträge weiter gesenkt werden und darüber hinaus das Wirtschaftswachstum abnehmen wird, wären der Explosion der Vermögen und der Ungleichheit keine Grenzen mehr gesetzt.

Es gibt aber weder eine ökonomische noch eine historische Notwendigkeit, den Weg in die neue alte Welt der über alles erhabenen Superreichen fortzusetzen. Aus seiner Analyse zieht Piketty klare politische Forderungen. Er plädiert für eine weltweit geltende Vermögenssteuer, die umso höher ausfällt, je höher die Vermögen sind. Technisch ließe sich das einfach umsetzen, schreibt er. Banken müssten automatisch die Erträge aus Kapital an das Finanzamt überweisen. Da es immer mehr Vereinbarungen zwischen den Staaten gibt, auch die Kapitalerträge von Ausländern automatisch an die nationalen Finanzämter zu übermitteln, gäbe es auch von dieser Seite kaum Probleme. Warum sollten Kapitalerträge nicht automatisch und personalisiert dem Finanzamt mitgeteilt werden, wenn das auch für alle Arbeitseinkommen geschieht? Auch wenn die weltweite Vermögenssteuer erst mal utopisch klingt, könnten sich wenigstens die Mitgliedsländer der Europäischen Union auf eine solche progressive Vermögenssteuer einigen.

Aus Pikettys Buch lassen sich auch Forderungen für Deutschland ableiten. Hierzulande wird gar keine Vermögenssteuer mehr erhoben und die leistungslosen Kapitalerträge werden mit einer Flat Rate von 25 % besteuert, vollkommen unabhängig, wie hoch ihre Zinserträge sind. Das mag in eine Zeit passen, in der Vermögen durch eigene Arbeit geschaffen werden, aber nicht in eine Zeit, in der zunehmend Menschen ohne eigene Leistungen große Erbschaften antreten. In Deutschland – und leider auch in vielen anderen EU-Ländern – lohnt sich das Handaufhalten und Zinsen empfangen mehr als arbeiten.

Es wäre also schon mal ein erster Schritt, wenn das größte Land der EU die Vermögenden wieder in die Pflicht nähme. Das würde verhindern, dass einige Wenige immer mehr und am Ende alles haben und alle anderen nichts. In der Nachkriegszeit war den meisten Politikern klar, dass das der Stoff ist, aus dem immer wieder Revolution und Krieg hervorgegangen sind. Piketty zeigt, dass wir aus der Geschichte lernen müssen, wenn wir Demokratie, Frieden und Wohlstand nicht gefährden wollen.

Thomas Piketty, Capital in the Twenty-First Century, Harvard University Press 2014

Die deutsche Übersetzung wird voraussichtlich im November 2014 erscheinen.


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Kommentare zu diesem Artikel

KOMMENTARE

Michael Logies, Wallenhorst schrieb am 8. Juni 2014 um 12:08 Uhr:

Herr Lindner, schönen Dank für Ihre Darstellung!
1. Was mich an Abb. 1 irritiert, ist die angebliche Abnahme der "Ausrüstungen etc." in Deutschland von 1930-1950. Was ich aus der Wirtschaftsgeschichte gelernt habe, ist, daß der deutsche Kapitalstock dank der NS-Aufrüstung und Massenproduktion nach dem 2. Weltkrieg höher war als vor seinem Beginn (s. W. Abelshauser, Deutsche Wirtschaftsgeschichte. Von 1945 bis zur Gegenwart, Beck, 2. Aufl. 2011).
Ausgeraubt waren von uns hingegen unsere europäischen Nachbarn, so daß der Lebensstandard in Deutschland während des Krieges bis kurz vor seinem Ende in Deutschland viel höher war als bei unseren Opfern (s. G. Aly, Hitlers Volksstaat: Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, Fischer, 2. Aufl. 2011), was sich z. B. im deutschen Geburtenboom um 1940 zeigt, der dann knapp 25 Jahre später den nächsten Geburtenboom mit Höhepunkt um 1964 ermöglichte:
http://www.bpb.de/politik/grundfragen/deutsche-verhaeltnisse-eine-sozialkunde/138003/historischer-rueckblick?p=all
Zerstört waren in Deutschland primär Verkehrswege und -knotenpunkte. Nachdem diese wieder liefen, konnte die industrielle Produktion auf hohem Niveau weiter gehen (s. Abelshauser, a. a. O.). Insofern waren auch US-Hilfsprogramme für Deutschland, wie Piketty in einem Interview gerade fälschlich behauptet hat, keineswegs wichtig für die Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Produktion in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg:
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/wirtschaft/3651361/ungleichheit-muss-man-begrenzen.story
(Der Koreakrieg 1950-1953 bedeutete dann für Deutschlands Stahl- und Rüstungsindustrie eine Sonderkonjunktur.)
Wissen Sie, ob Piketty die Entwicklung des Kapitalstocks in Deutschland irgendwie für die Gebietsverluste an die DDR bzw. Reparationen an die Sowjetunion korrigiert hat? Ich kann mir obigen Kurvenverlauf zunächst nur so erklären, daß am Anfang Gesamtdeutschland, nach dem 2. Weltkrieg aber nur die BRD berücksichtigt wurde.
2. Was mir in der Diskussion bislang fehlt, ist die Überlegung, daß die höheren Kapitalrenditen gegenüber dem Wirtschaftswachstum sicher auch spiegeln, was wir in der Medizin "Survivorship Bias" nennen. Ein Begriff, der auch bei Kapitalanlagen Eingang gefunden hat:
http://www.boersen-lexikon.com/index.php?aid=286
D. h., wer Kapital investiert, geht ein Risiko ein, dieses Kapital zu verlieren und entschädigt sich dafür mit einer kalkulatorischen Risikoprämie, die das Verlustrisiko widerspiegelt. Die Kapitalanlagen, die überleben (und z. B. über Einkommsstatistiken gemessen werden), tragen dann tatsächlich diese hohen Renditen. Aber es gibt eben sehr viele Kapitalanlagen, die scheitern und daher nicht gemessen werden.
D. h., die sichtbaren, hohen Kapitalrenditen stellen nur einen Ausschnitt aus dem Gesamtgeschehen niedriger wie hoher Kapitalrenditen, unterschiedlicher Volatilitäten an Vermögensmärkten, unterschiedlicher Steuersystematiken etc. dar. Was mich bislang in der ganzen, öffentlichen Diskussion unserer "Qualitätspresse" enttäuscht, ist, daß Versuche, dieses Gesamtgeschehen in den Blick zu bekommen, fehlen. Daß neoklassische Theorie hier nichts beitragen kann, ist klar (s. Steve Keen, Debunking Economics). Aber ich hätte erwartet, daß neuere Wirtschaftstheorie, also vor allem Agent Based Modelling, doch wenigstens erwähnt würde. Für mich der Augenöffner war folgender Artikel des Wissenschaftsjournalisten und -autors Buchanan:
http://www.newstatesman.com/node/143696
Essay - The science of inequality
Vor kurzem hat Buchanan das Thema nochmals aufgegriffen, in der Diskussion sind die Originalquellen nebst neueren genannt:
http://physicsoffinance.blogspot.de/2014/02/is-inequality-approaching-tipping-point.html
Is inequality approaching a tipping point?
Buchanan hat das Thema später ausgebaut, mit vielen weiteren Primärquellen:
http://physicsoffinance.blogspot.de/2014/04/dsge-sinking-titanic-of-economic.html
DSGE: the sinking Titanic of economic methodology
3. Die zahlreichen Kriege und Finanzkrisen in der Geschichte erklären m. E. zwanglos, warum die Vermögensakkumulation immer wieder abgebrochen ist. Es gibt Autoren, die das für einen Zyklus halten (Heribert Genreith auf der Tagung der heterodoxen Ökonomen 2012 in Göttingen, http://www.real-world-economics.de/index.php?id=108). D. h., Vermögensakkumulation destabilisiert Gesellschaften, löst Kriege aus, die die Akkumulation zerstören, die nach Kriegsende wieder beginnt. Ein ständiger Kreislauf.

Dr. Werner Sengenberger schrieb am 4. Juni 2014 um 15:29 Uhr:

Ein sehr guter und wichtiger Beitrag!
Könnt Ihr mich bitte auf die Versenderliste der Gegenblende setzen?
Adresse:
385 chemin de l'Ovellas
F-01170 Gex
e-mail: sengenberger.w@wanadoo.fr

Michael Wendl schrieb am 3. Juni 2014 um 18:59 Uhr:

Leider unterscheidet Piketty nicht zwischen verschiedenen Formen der Anlage von Kapital, z.B. reproduktiven Kapital und reinen Geldkapital und damit auch nicht zwischen der Profitrate des reproduktiven Kapitals und dem Zins, so dass eine präzise Begründung der zunehmenden Ungleichheit, ebenso wie die Differenzierung von Vermögenssteuern nur schwer möglich ist. Faktisch läuft sein "Gesetz", dass r (Kapitalrendite) größer ist als g (Wachstum des GDP/BIP) auch auf ein Gesetz einer sinkenden Lohnquote am BIP hinaus, erinnert also an das alte "eherne Lohngesetz". Piketty sieht diese Tendenz aber nicht als zwingendes Gesetz, sondern als veränderbaren Prozess. Aus dieser Sicht geht es dann nicht nur um Steuern, sondern auch um höhere Löhne und damit eine Korrektur der Lohnquote.

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