Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 19: Januar/Februar 2013 | Mach meinen Kumpel nicht an!

Mann am klettern

Thema der Ausgabe 19: Januar/Februar 2013 Herausforderungen für die Gewerkschaften

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Donnerstag, 17. Januar 2013

Mach meinen Kumpel nicht an!

von: Giovanni Pollice
Kumpellogo

IG BCE

Der Verein „Mach meinen Kumpel nicht an!“ wurde 1986 von der DGB-Jugend und dem Jugendmagazin „ran“ gegründet und ist Teil des gewerkschaftlichen Engagements gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Rechtspopulismus und setzt sich für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Menschen ein, nicht nur in der Arbeitswelt. Er ist der Verein aller Gewerkschaften im DGB.

Die gewerkschaftlichen Aktivitäten gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit richten sich nicht allein nach „Außen“, sondern auch an die Mitglieder der DGB-Gewerkschaften, denn sie sind nicht immun gegenüber den weit in die Mitte der Gesellschaft reichenden rassistischen und antisemitischen Einstellungen. Die Handlungsfelder gewerkschaftlicher Antirassismusarbeit sind daher neben der Einflussnahme auf Gesellschaft und Politik, insbesondere der Betrieb und die Arbeitswelt.

Der Kumpelverein ist nicht nur einer der ältesten anti-rassistischen Initiativen in Deutschland, sondern auch die EINZIGE, die sich überwiegend auf den betrieblichen Kontext fokussiert hat. Er richtet sich an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus der Arbeitswelt und unterstützt diese in ihrem Engagement. Zu den wichtigsten Aktivitäten gehören insbesondere der Newsletter „Aktiv + Gleichberechtigt“, der u. a. Aktivitäten der Gewerkschaften gegen Rassismus bekannt gibt und inzwischen als Print- und Online-Version mehrere Tausend Leserinnen und Leser erreicht.

Die Initiative schreibt jedes Jahr den Wettbewerb „Die Gelbe Hand“ aus, der sich an Schülerinnen und Schüler, an AZUBIS und Ausbilder richtet. Damit sollen Jugendliche motiviert werden, sich mit Rassismus in der Arbeitswelt zu beschäftigen. Die Preisverleihung wird als wichtige politisch-inhaltliche Veranstaltung durchgeführt. Schirmherr für den diesjährigen Wettbewerb sind der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann und der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner.

Einsendeschluss ist der 31. Januar 2013

Außerdem betreibt der Verein auf der Webseite www.gelbehand.de eine Datenbank „Gute Beispiele aus der Praxis für die Praxis“. Sie informiert über vorbildhafte Aktivitäten aus der Arbeitswelt und dokumentiert das gewerkschaftliche Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus.

Vor etwa 5 Jahre wurde die Möglichkeit der Fördermitgliedschaft geschaffen. Heute hat der Verein mehr als 500 Fördermitglieder; Tendenz steigend. Der jährliche Mindestbeitrag, den man von der Steuer absetzen kann, beläuft sich auf 36 €. Insgesamt wollen wir in den kommenden Jahren die eben erläuterten Aktivitäten des Vereins ausbauen und verstetigen. Neben der inhaltlichen Fortentwicklung ist das zweite Ziel, die Arbeit des Kumpelvereins als Unterstützer der Gewerkschaften in den oben genannten Themenfeldern weiter auszubauen.

Wir alle wissen um die Wichtigkeit beispielhaften Engagements gegen Rassismus, Antisemitismus und Islamophobie. Gleichwohl gilt es, dieses Engagement einzubinden in eine politische und gesellschaftliche Strategie, die den gleichberechtigten Zugang zu Arbeit, Ausbildung und Wohlstand ermöglicht, die Gleichbehandlung fördert und ein Klima schafft, in dem kulturelle Unterschiede nicht mehr als eine Gefahr, sondern als eine Bereicherung wahrgenommen werden. Mit den deutschen Gewerkschaften bekämpfen wir zusammen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Rechtsextremismus und treten für Menschlichkeit und Akzeptanz ein.

Die Morde und Anschläge des so genannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) weisen auf eine neue Gefahr durch rechtsterroristische Gruppierungen und ihre Netzwerke hin. Rechtsextreme Organisationen, Gruppen und Parteien setzen bei der Verbreitung ihrer rassistischen und nationalistischen Propaganda seit längerem auf das Internet. Sie verstärken ihre Hetze im Social Web. YouTube, Facebook und Twitter sind für die Rechtsextremen wichtige Instrumente zur Verbreitung ihrer menschenverachtenden Ideologie und zur Werbung für Aktionen. Entgegen der weit verbreiteten Auffassung, werden rechtsextreme Inhalte zu einem großen Teil über Server in Deutschland verbreitet

Rassistische Einstellungen und diskriminierende Verhaltensweisen beeinträchtigen den Zusammenhalt in einer vielfältigen Gesellschaft. Untersuchungen weisen nach, dass rassistische Einstellungen in allen Schichten der Bevölkerung und auch bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vorhanden sind, deshalb muss Rassismus und Rechtsextremismus von unserem Staat entschlossen und mit der notwendigen Härte bekämpft werden. Wir fordern das Verbot der NPD. Außerdem muss die Zivilcourage der Menschen gefördert werden.

Sich gegen Rassismus, Antisemitismus, Rechtsextremismus und Gewalt und für Minderheiten einzusetzen – dafür braucht es einen langen Atem. Erfolge, sofern diese überhaupt messbar und darstellbar sind, stellen sich nur spärlich ein. Gerade die kleinen, alltäglichen Schritte, die vielleicht wenig spektakulär und wenig öffentlichkeitswirksam, aber nicht weniger wichtig sind, bleiben unbeachtet. Sie sind aber notwendig. Rassismus und Rechtsextremismus sind in jeder Erscheinungsform eine Gefahr für unsere Gesellschaft. Deshalb ist es notwendiger denn je sich dagegen zur Wehr zu setzen. Der Verein "Mach meinen Kumpel nicht an!" unterstützt alle, die bereit sind das zu tun. Im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus werden wir nur dann Erfolg haben, wenn wir in unserem Engagement nicht nachlassen. Wenn wir in einer weltoffenen und von Akzeptanz geprägten Gesellschaft leben wollen, dürfen wir uns nicht nur auf den Staat verlassen, sondern müssen selbst aktiv werden. Hierzu gibt es keine Alternative.

 

www.gelbehand.de und www.facebook.de/gelbehand


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Giovanni Pollice
Geboren am 20.06.1954 in Capracotta/Italien

Leiter der Abteilung Migration/Integration beim Hauptvorstand der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie in Hannover.
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