Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 19: Januar/Februar 2013 | Spektakel der Unvernunft?

Mann am klettern

Thema der Ausgabe 19: Januar/Februar 2013 Herausforderungen für die Gewerkschaften

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Mittwoch, 30. Januar 2013

Spektakel der Unvernunft?

von: Dr. Wolfgang Hetzer
Wundertütenfabrik

***jojo / photocase.com

Die Situation der Euro-Zone erinnert an Zeiten, in denen man einen unmittelbar bevorstehenden militärischen Angriff auf ein Territorium befürchtete. Staaten waren dann stets zur Abgabe von Souveränität im großen Stil bereit gewesen. Nicht nur der Westen steht vor harten Zeiten. Die Zerstörung des Geldes hat den Geist der säkularen Gesellschaften beschädigt. Die zwischenmenschlichen und zwischenstaatlichen Beziehungen wurden vergiftet. Es ist eine extreme Konstellation mit einem zerstörerischen Potential entstanden. Ein Scheitern des Euro dürfte gewaltige wirtschaftliche Turbulenzen auslösen und die Integration Europas massiv gefährden. Die Rettungsschirme haben vielleicht schon eine moderne Art der Feudalherrschaft begründet. Sie war in der Geschichte bekanntlich immer wieder der Ausgangspunkt gewaltsamer Neuorientierung nach innen und außen. Europa hat im zwanzigsten Jahrhundert zwei verheerende Bürgerkriege erlebt, nichts anderes waren nämlich aus europäischer Perspektive der Erste und der Zweite Weltkrieg. Historiker werden vielleicht die Euro-Krise als dritten europäischen Bürgerkrieg interpretieren. Es ist noch nicht entschieden, ob er nur mit „friedlichen“ Mitteln geführt wird. Der Preis, den nicht nur Deutsche bei einem Auseinanderbrechen der Währungsunion zahlen müssten, wird in jedem Fall nicht so sehr in den Bereichen Jobs und Renten, sondern vor allem auf den Gebieten Stabilität, Frieden und Sicherheit anfallen.

Die Vernunft der Märkte

Solche Risiken waren in der Geschichte immer die Folgen umfassenden Politikversagens. Die Abdankung der Politik ist neben den wirtschaftlichen Folgen schon jetzt eine der schlimmsten Konsequenzen der Finanzkrise. Sie war wohl auch eine Voraussetzung der Entwicklung, die zu den größten schadenstiftenden Ereignissen der neueren Wirtschaftsgeschichte geführt hat. Mit Rattenfängerformeln („Leistung muss sich wieder lohnen“) haben Politiker zum Aufbau einer infamen Täuschungskultur beigetragen, in der Märkte auf einmal zum Ort sozialer Gerechtigkeit wurden. Man brauchte ihnen angeblich nur möglichst viele Entscheidungen überlassen. Auf den Märkten schienen sich fast schon schicksalsmächtige Autoritäten zu versammeln, die mit ihrem Sachverstand dafür sorgen, dass Leistung belohnt und Versagen bestraft werden. Eine beinahe gottgewollte Gleichgewichtstendenz ließ kaum Kritik aufkommen. Die behauptete Vernünftigkeit von Marktprozessen schien eine Auseinandersetzung über die Sinnhaftigkeit bestimmter Marktprozesse überflüssig gemacht zu haben. Die vergangenen Jahre der Finanzkrise haben jedoch den illusorischen, wenn nicht betrügerischen Charakter dieser Philosophie  enthüllt. Heute steht fest, dass sich die Finanzmärkte ausgerechnet durch ihr eigenes Versagen die Staaten unterworfen haben. Das Versagen wird belohnt, die Leistungen der Staaten in der Krise werden bestraft. Aber niemand war bis jetzt bereit, die Lebenslüge neoliberaler Wirtschaftskreise und dazu passender Politzirkel zu enttarnen. Dabei geht es um die Behauptung, dass die Märkte umso segensreicher wirken könnten, je weniger sich der Staat einmischt.

Selbst Gaukler und Politiker werden jedoch irgendwann mit der Realität konfrontiert. Jedermann kann jetzt schon erkennen, dass sich Märkte nicht von selbst regulieren. Sie sind nicht darauf programmiert, dem Gemeinwohl zu dienen. Angeblich hochprofessionelle Banker mussten einräumen, dass sie die Papiere, die sie für Milliardenbeträge gekauft hatten, selbst nicht verstanden hatten. Noch schlimmer: Sie mussten davon ausgehen, dass fast alle Mitbewerber sich ebenfalls mit diesen toxischen Abfällen eingedeckt hatten und deshalb noch nicht einmal mehr kreditwürdig waren. Daher sollte es auf einmal keinen Kredit mehr ohne Staatsgarantie geben. Das war die Geburtsstunde einer paradoxen Welt: Die Staaten mussten die Banken retten, nicht umgekehrt. Allzu viele Politiker haben den marktradikalen Unsinn geglaubt, dass sich die Steuersenkungen selbst finanzieren. Es kam, was kommen musste: Die Zinsen für Staatsanleihen stiegen ins Unbezahlbare. Und dort, wo der Euro als Währung gilt, hat sich die Lage der Volkswirtschaften zum Teil massiv verschlechtert. Die kapitalistische Wirtschaftsordnung hat sich für die Mehrheit der Menschen in vielen Staaten in ein existenzbedrohendes Milieu verwandelt. Die objektiven Gründe, die individuellen Veranlasser und die Profiteure dieser Entwicklung blieben bis jetzt aber zumeist im Dunkeln.

Geld und Devianz

In der Finanzkrise stellt sich unterdessen nicht nur die Frage nach dem Wesen des Geldes neu. Das Ausmaß der schon eingetretenen Schäden und das Handeln der Akteure in der Finanzwelt und in der Politik provoziert auch die Frage nach dem Unterschied zwischen Geschäftstüchtigkeit und krimineller Energie. In der Geldwirtschaft moderner Prägung scheinen aber die Grundsätze moralisch-ethischer Orientierung genauso zu versagen wie die Kategorien des Strafrechts. Die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und der Verfassungsmäßigkeit sind herausgefordert. Eine klientilistische Vorteilskultur gefährdet den inneren Zusammenhalt ganzer Gesellschaften. Vermeintlicher Sachverstand wird durch politische und wirtschaftliche Kalküle neutralisiert oder funktionalisiert, also in einen Modus der Verschleierung und Legitimierung eingepasst. Dessen Wirkungsweise ist jedoch nicht zuletzt wegen der Ausfaserung des Geldbegriffs schwer zu bestimmen.

Koalitionen von „Experten“ und Politikern bewirken letztlich eine Korrumpierung der demokratischen „res publica“. In immer mehr Städten Europas gibt es Zeichen von Gegenwehr. Die Proteste werden aber verpuffen, wenn  die Zielansprache durch Aggression, Wut, Angst und Verzweiflung weiter so ungenau bleibt. Man scheint noch nicht ganz verstanden zu haben, dass Geld Spielball der Exekutive geworden ist. Sie hat unter den Bedingungen eines Ausnahmezustands im Illusionstheater angemaßter Staatskunst das Lebenselixier der Realwirtschaft in ein Medium systematischen und autoritären Betrugs verwandelt. Lässt man die Gewohnheitstäter aus Politik und Wirtschaft weiter ungestört, wird es zu grundlegenden gesellschaftlichen Verwerfungen kommen. Immer mehr Menschen werden begreifen, dass es nicht nur um individuelle und konkrete Rechtsgutsverletzungen geht, sondern um einen gut koordinierten Angriff bestimmter Netzwerke auf ihre existenziellen Grundlagen. Dazu gehört auch die Geldwertstabilität.

System und Krise

Die Zustimmungsraten für den Kapitalismus sind überall auf der Welt, selbst in seinen westlichen Ursprungsländern, dramatisch gesunken. Die Frage nach dem Weg aus dem Kapitalismus scheint noch nie so aktuell gewesen zu sein wie heute. Sie stellt sich in der Tat in radikal neuer Weise und Dringlichkeit. Insbesondere die Finanzialisierung dieser Wirtschaftsordnung hat eine innere wie äußere Grenze erreicht. Dieses System hat bislang nur mit Hilfe von Tricks die Krise seiner grundlegenden Kategorien überlebt: Arbeit, Wert, Kapital.

Die Kritik kommt nicht nur aus der Ecke der „üblichen Verdächtigen“, also der politischen Linken. Es besteht vielmehr eine umfassende Einigkeit darüber, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Verfassung zu einer Bedrohung geworden ist. Mittlerweile rufen manche sogar zur Rettung des Kapitalismus vor den Kapitalisten auf. Auf dem „World Economic Forum“ in Davos kann man gar den Eindruck gewinnen, dass die Weltelite des Kapitals schon schmerzlich an diesem System leidet. Manager und Banker scheinen die kapitalistische Wirtschaftsordnung nur zu ertragen, weil keine bessere verfügbar ist. Darin erkennt man Heuchelei ausgerechnet von jenen, denen das Marktsystem zu besonderem Wohlstand und Macht verholfen hat. Es wird sogar Feigheit diagnostiziert, gerade in einer Krise, die mehr mit den Schwächen der Politik, als mit jenen des Marktes zu tun hat. Unverzagt wird dem Kapitalismus aber bescheinigt, dass es ihm ziemlich gut geht, habe seine zentrale Idee doch nichts von ihrer Überzeugungskraft verloren.

Sprachlosigkeit und Spektakel

Es ist jedoch kaum mehr zu bestreiten, dass der Markt in Europa heute nicht das alleinige Heilmittel gegen die Fehlentwicklungen in der Wirtschaft ist. Der Kapitalismus hat nicht per se eine selbstreinigende Wirkung. Der Konflikt um die richtige Ausgestaltung der freien Marktwirtschaft trifft das System im Mark. Er trägt große politische Sprengkraft in sich. Zwischen den „Bastionen der Weltökonomie“ herrscht Sprachlosigkeit. Der Zustand der Höchstspannung wird mit jedem weiteren Tag der Finanz- und Schuldenkrise unerträglicher. Zumindest Handelskriege haben früher so begonnen. Die Demokratie wird herausgefordert. Sie erweckt in der Krise den Anschein, als habe sie den Auswüchsen der Märkte nichts entgegenzusetzen. Es braucht nicht viel Phantasie, um etwa aus der skandalös hohen Jugendarbeitslosigkeit in manchem südeuropäischen Land ein Thema von Zorn und Gewalt auf den Straßen zu machen. Eine nicht zu unterschätzende Gefahr liegt auch darin, dass die Regulierungen für die Finanzmärkte und das Bankensystem immer noch unzureichend sind.  Wer  das Donnergrollen heute ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn ihm morgen die Ohren dröhnen. Dabei ist doch klar, dass mehr Regeln für die potentiell gefährlichen Finanzinstitute und weniger Regeln für andere gewerbliche Bereiche Teil eines neuen Kapitalismus sein müssten.

Die Dialektik der Krise zeichnet sich unterdessen dadurch aus, dass die Staaten zu ihrer Bekämpfung die Fehler der Vergangenheit oftmals noch vergrößern. Ein stabiler Kapitalismus kann nur entstehen, wenn die Staaten einen Weg zu ausgeglichenen Haushalten finden. Stattdessen werden weiter ungeheure Mengen „frischen“ Geldes in die Weltwirtschaft gepumpt. Sie können eine gigantische Inflationswelle auslösen. Es stellt sich mithin deutlicher denn je die Frage, ob die gegenwärtige Krise groß genug ist, um trotzdem zu einem anderen Kapitalismus zu kommen und ob Regierungen doch eine Katastrophe brauchen, um das Gebotene zu tun. Gleichzeitig ist man mit einer paradoxen Situation konfrontiert: Eine Finanz- und Wirtschaftskrise historischen Ausmaßes, die noch keine nachhaltigen Spuren im Alltagsbewusstsein der Bevölkerung in Deutschland hinterlassen hat. In der Tat wird die Krise trotz vereinzelter Bewegungen des Widerstands nach wie vor überwiegend wirtschafts- fiskal- und arbeitsmarktpolitisch bearbeitet, ohne Zentrum öffentlicher größerer sozialer Konflikte zu sein. Es gibt (noch) keine Gleichzeitigkeit von Krise und Konflikt. In Griechenland, Spanien und Portugal scheint sich das allerdings zu verändern. Vielleicht hat man dort schon verstanden, dass  sich auf den Schauplätzen der internationalen Finanzwirtschaft kein effizientes Zusammenspiel vernünftiger Akteure, sondern ein „Spektakel reiner Unvernunft“ (Vogl) vollzieht.

Geld und Religion

Es ist höchste Zeit für die Klärung der Frage, ob der  „kapitalistische Geist“ verlässlich und rational oder schlicht verrückt operiert. Das ist nicht leicht. Beim Nachdenken über Geld und Märkte entsteht früher oder später ein Gefühl der Hilflosigkeit. Das ist ein beunruhigender Befund, bestimmt Geld doch wie nichts sonst unsere Existenz. Gleichwohl kann keiner wirklich hinreichend genau sagen, wie Geldaustausch vor sich geht und was er bewirkt. Diese Undurchschaubarkeit kann Aggressivität verursachen und ein Gefühl der Leere und der Lähmung verursachen. Geld löst häufig irrationales Verhalten aus. Auch die Ökonomen haben nicht alles im Griff. Sie können das Kommende nicht prognostizieren, den Markt nicht steuern und seine „Logik“ nicht verstehen. Der Markt denkt nicht daran, sich vernünftig zu verhalten. Er reguliert sich auch nicht selber, schon gar nicht nach den Gesetzen irgendeiner „ökonomischen Vernunft“. Das wird durch die ökonomisch Handelnden selbst ausgeschlossen, mit ihrer Gier, ihrer Machtlust und ihrer Hoffnung, einen größeren Happen von der Beute zu kriegen als die anderen. Der Markt verhält sich irrational, weil seine Akteure sich irrational verhalten. Im Umgang mit Geld gibt es keine Objektivität. Es fehlt auch an einer sinnlichen Vorstellung für das, was unser Handeln mit Geld bewirkt. Mit der zunehmenden Abstraktion des Tauschprozesses ging offensichtlich der Bezug zu den Dingen verloren, die das Geld eigentlich repräsentieren sollte. Das System hat sich verselbständigt. Es ist für die „sinnliche Vernunft“ undurchschaubar geworden. Möglicherweise ist man in „magische Muster“ zurückgefallen. Immer mehr Menschen verhalten sich als Gläubige und Ungläubige wie trunkene aber skeptische Teilnehmer eines Kults. Vielleicht sind wir sogar alle freiwillig-unfreiwillig Mitglieder einer weltumspannenden Religion geworden. Als solche könnten wir gezwungen sein, zu glauben oder wenigstens hinzunehmen, was uns  „Hohepriester“  (Experten und Politiker) verkünden, weil uns die rationale Erkenntnis verwehrt bleibt. Wie auch immer: Die Geldgier lässt sich nicht in Dienst nehmen, solange das Geld weiter als Illusion regieren kann. Alle Reformbemühungen bleiben nur erfolglose Versuche der Symptombekämpfung, wenn wir nicht erkennen, dass es nur dazu dient, unsere Beziehungen unter dem Mantel eines illusionären Wertes abzuwickeln. Deshalb ist auch eine moralische Neuorientierung unabdingbar. In einer vernünftigen Ordnung  menschlicher Gesellschaften darf  Moral ihre Begriffe nicht aus der Buchführung als Bilanzierung von Vor- und Nachteilen importieren.

Angesichts der Tatsache, dass Sachverstand und gemeinwohlorientierte Charaktere in Politik und Wirtschaft knappe Ressourcen sind, ist nicht zu erwarten, dass die diversen Führungscliquen aus dieser Einsicht rechtzeitig die richtigen Konsequenzen ziehen werden. Es bleibt abzuwarten, ob sich stattdessen Verstand und Vernunft unter den Menschen durchsetzen, die immer häufiger mehr Hoffnung auf die Straße setzen als auf schallgedämpfte Konferenzsäle in Brüssel oder in anderen Hauptstädten.  


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Kommentare zu diesem Artikel

KOMMENTARE

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Richard Huber schrieb am 19. Mai 2013 um 18:39 Uhr:

Mit der Alltagsvernunft ist relativ einfach zu begreifen, dass der Verursacher
für den Schaden im wesentlichen verantwordlich ist, vgl. siehe Verkehrsrecht, Strafrecht u.ä. . Offentsichtlich gibt diese Vernunftslogik nicht für die sogen. Investorenkreise, Banken und Trusts, die mit ihrer Tätigkeit im Wirtschaftskreislauf gigatische Schäden in nationalen, internationalen Zusammenhalt der Staaten verursachten und weiter verursachen. Ohne ausgleichende Regularien und deren Kontrolle kommen heute weder Mikro - noch Makrosysteme im Wirtschafts-
prozess aus, da sich sonst über jahrzehnte Risiken durch Disparitäten auftürmen.
Werden diese Finanzkreise mit ihren Manipulationsmöglichkeiten nicht in diese " Vernunftslogik " oder in das Verursacherprinzip durch Zwang in die Verantwortung genohmen - diese nicht baldigst politisch wirksam durchgesetzt wird- bleibt der große " Big Bang " nicht aus d.h. das o.g. Spektakel wäre eher eine Verharmlosung. Die treffende Diagnose der Verursachung ist nicht nur in der Medizin die
Voraussetzung für die passende Therapie!

Kretschmer schrieb am 12. Februar 2013 um 20:27 Uhr:

Der Neoliberalismus eine pathologische Ideologie?
Was tun dagegen? Wir alle sind gefordert, auch die Gewerkschaften!

Arnold Stecheisen, DGB Moers schrieb am 1. Februar 2013 um 12:46 Uhr:

Ich kann Ihrer und Herrn Wendls Kommentar folgen. Der Autor analysiert teilweise tiefgreifend, bietet aber keine Überzeugende Lösung an, und ween, wo bleibt dann die Lösung sozialer Ungleichheit bei einer rigerosen Sanierung von Staatshaushalten? Die Lösung liegt sicherlich weder bei Rot-Grün oder Schwarz gelb, sondern in einem historischen Generationenvertrag unter Beteiligung aller relevanten Bürger- und Sozialschichten und deren Vertreter.
Jascha Jaworski schrieb:
Ich stimme meinem Vorkommentator Michael Wendl zu, viele Passagen klingen doch recht neoklassisch. Was mich besonders misstrauisch macht, ist, dass an keiner Stelle auf die Ungleichheit eingegangen wird. Gerade diese ist ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der allgemeinen Krisenhaftigkeit. Eine neoliberale Umverteilung über Deregulierung, Arbeitsprekarisierung, Privatisierung etc. hat zur Ungleichheitsexplosion auf multiplen Ebenen geführt:
1. Verteilung des Volkseinkommens (Lohnquotensenkung)
2. Außenhandel (massive Exportüberschüsse Deutschlands, entsprechend Defizite anderer)
3. Einkommensverteilung (allein in Deutschland massive Zunahme der Ungleichheit)
4. Vermögensverteilung (die "oberen" 10% halten hierzulande 66% des Vermögens, Tendenz: steigend)
5. Privat vs. Staat (privater Reichtum und öffentliche Armut nehmen zu)
Selbst die OECD haben hierbei anerkannt, dass die zunehmende Ungleichheit eine grundlegende Ursache der Finanzkrise ist. Kritik ist mittlerweile sogar in Artikeln des IWF zu lesen.
Über die Ursachen dieser Umverteilung und die politisch-medialen Transmissionkanäle, über die Erzeugung eines neoliberalen Konsenses, über die Ideologisierung der Wirtschaftswissenschaft etc. wäre doch besser zu sprechen, wenn man konkrete Handlungsziele zu bestimmen versucht.

Andreas Jordan schrieb am 31. Januar 2013 um 14:57 Uhr:

Meinen beiden Vorrednern ist doch wohl eines entgangen; es geht weniger um die Frage eines wie auch immer zu klassifizierenden ökonomischen Modells. Der Autor hat auch keine Klagemauer errichtet. Glasklar beschreibt er, dass das Primat der Politik leichtfertig aus den Händen gegeben wurde und dass man es wieder an sich reißen muss- nicht durch irgendwelche Seifenblasen von rot-grünen Projekten. Denn merke: wer hat uns mit der Agenda verraten- Sozialdemokraten. Ganz im Leninschen/Schmittchen Sinne wird die erforderliche Revolution oder Gegenrevolution sehr gewalttätig. auch darauf verweist der Autor. Ergo: den TEext richtig lesen!

Jascha Jaworski schrieb am 31. Januar 2013 um 12:43 Uhr:

Ich stimme meinem Vorkommentator Michael Wendl zu, viele Passagen klingen doch recht neoklassisch. Was mich besonders misstrauisch macht, ist, dass an keiner Stelle auf die Ungleichheit eingegangen wird. Gerade diese ist ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der allgemeinen Krisenhaftigkeit. Eine neoliberale Umverteilung über Deregulierung, Arbeitsprekarisierung, Privatisierung etc. hat zur Ungleichheitsexplosion auf multiplen Ebenen geführt:
1. Verteilung des Volkseinkommens (Lohnquotensenkung)
2. Außenhandel (massive Exportüberschüsse Deutschlands, entsprechend Defizite anderer)
3. Einkommensverteilung (allein in Deutschland massive Zunahme der Ungleichheit)
4. Vermögensverteilung (die "oberen" 10% halten hierzulande 66% des Vermögens, Tendenz: steigend)
5. Privat vs. Staat (privater Reichtum und öffentliche Armut nehmen zu)
Selbst die OECD haben hierbei anerkannt, dass die zunehmende Ungleichheit eine grundlegende Ursache der Finanzkrise ist. Kritik ist mittlerweile sogar in Artikeln des IWF zu lesen.
Über die Ursachen dieser Umverteilung und die politisch-medialen Transmissionkanäle, über die Erzeugung eines neoliberalen Konsenses, über die Ideologisierung der Wirtschaftswissenschaft etc. wäre doch besser zu sprechen, wenn man konkrete Handlungsziele zu bestimmen versucht.

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