Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 19: Januar/Februar 2013 | Welch eine Freude!

Mann am klettern

Thema der Ausgabe 19: Januar/Februar 2013 Herausforderungen für die Gewerkschaften

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Dienstag, 27. November 2012
Hauptartikel: „Der unheilvolle Pakt” von: Prof. Dr. Hartmut Rosa
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Montag, 18. Februar 2013

Welch eine Freude!

Wie Manager glücklich werden und Reichtum gerecht verteilt werden kann

von: Dr. Wolfgang Uellenberg-van Dawen

In der Gegenblende No. 18 vom November / Dezember des vergangenen Jahres hat der Jenaer Soziologe und Wachstumskritiker Hartmut Rosa die These vertreten: “dass die unheilvolle Konzentration der politischen Linken auf die Frage der Verteilungsgerechtigkeit niemandem anderen als dem neoliberalen Gegner in die Hände spielt und das unheilvolle Spiralsystem welches jener betreibt, in Gang hält.“ Abgesehen davon, dass er nicht bestimmt, was denn überhaupt die politische Linke ist, die für mich weit mehr als die Partei gleichen Namens darstellt, fußt seine These auf den „Leiden“ der Managerkaste Japans, Frankreichs und anderer kapitalistischer Länder. „Sehen so Sieger aus?“ fragt Rosa und klagt die sinkende Lebenserwartung, die zunehmenden Suizide und die vermehrten Fälle von Burn Out unter besagten Managern an.

Sein Plädoyer: Die Linke solle nicht das „Mensch ärgere dich nicht“- Spiel des modernen Kapitalismus mitmachen, in dem die Managerkaste naturgemäß die meisten Figuren im Spiel hat, gepaart mit den höchsten Zahlen auf den Würfeln. Die Linke solle deshalb aufhören Verteilungsgerechtigkeit zu fordern, um den wachsenden Unterschied von Managereinkommen und dem Durchschnittsentgelt der Beschäftigten abzubauen. Sie soll, so seine Forderung, den Stecker aus der Dose ziehen und das System lahmlegen, um Entfremdung zu überwinden. Damit sei der Weg zu einem besseren Leben frei.

Nun kann allerdings auch innerhalb des Systems die Managerkaste geheilt werden ohne den Stecker aus dem Kapitalismus ziehen zu müssen: Es reicht schon, wenn die Gehälter der Manager von den immer höheren Erwartungen an den Unternehmensgewinn abgekoppelt werden. Das geht, wenn Eigentümer und Investoren eine moderatere Rendite auf ihr Kapital verlangen. Es wäre schon allen geholfen, wenn der EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) nicht immer steiler ansteigen müsste und die Managergehälter nach oben treibt. Die Manager könnten auch mit weniger Geld ein gutes Leben führen und vor allem nützt es den Beschäftigten des Unternehmens, für die ein wachsender EBIT Leistungssteigerungen über die Grenze des erträglichen hinaus zur Folge hat mit den Konsequenzen der Rationalisierung und des Personalabbaus. Somit könnten Entscheidungen in den Aufsichtsräten und wenn nötig eine Änderung des Unternehmensrechts ausreichen, um den Stecker zu ziehen.

Freiheit oder Gleichheit?

Damit ist die Frage der Verteilungsgerechtigkeit aber noch nicht erledigt und dem Treiben des Neoliberalismus noch längst nicht Einhalt geboten. Denn Neoliberale spitzen den von den Liberalen betonten Gegensatz von Freiheit und Gleichheit soweit zu, dass sie die Freiheit der Menschen auf die „unbegrenzte“ Freiheit der Märkte reduzieren wollen nach dem Motto „Freiheit durch die Entfesselung der Märkte“. In diesem Konzept werden Gewinne privatisiert und die Kosten sozialisiert. Sozialstaaten werden zertrümmert und soziale Rechte demontiert. Wie das geht, erleben und erleiden viele Menschen in den USA und gegenwärtig vor allem die Menschen in Südeuropa.

Gesellschaft und Staat basieren in den USA und in Europa auf den Grundsätzen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (Letztere wurde in der französischen Revolution immer als Frau dargestellt). Den französischen Revolutionären war bewusst, dass Freiheit ohne Gleichheit nicht möglich sein würde. Ebenso steht es in der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789. Eine progressive Steuer soll die Lasten für die Allgemeinheit gerecht verteilen. Während sich Konservative und Neokonservative mit diesem in der Aufklärung begründeten Menschenbild bis heute nicht abgefunden haben und noch immer auf altertümliche, „vererbte und natürliche“ gesellschaftliche Hierarchien vertrauen, liegt die Wurzel der politischen Linken jeder Couleur in dem Anspruch: Freiheit durch soziale Gleichheit für alle zu verwirklichen. Ihr Programm blieb es, den Gegensatz zwischen „der Gleichheit aller vor dem Gesetz“ und „der materiellen sozialen Ungleichheit“ zu überwinden.

Das Spektrum linker Vorstellungen reicht dabei von der Bildung von Genossenschaften, der  Vergesellschaftung über die Verstaatlichung der Produktionsmittel bis hin zur Überwindung des Kapitalismus im marxschen Sinne und damit auch die Überwindung der Entfremdung der Menschen von sich selbst, auf die Hartmut Rosa zu Recht hinweist. Selbstkritisch muss die politische Linke allerdings eingestehen, dass sie den Zusammenhang von Gleichheit und Gerechtigkeit weitgehend aufgelöst hat. So wird heute primär unter Gleichheit die Gleichstellung der Geschlechter, der Lebensformen, der Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen verstanden. Gleichheit wird über die negative Funktion der Antidiskriminierung gewährleistet. Die Gerechtigkeitsbegriffe wabern zwischen „Generationengerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit, Chancengerechtigkeit und Teilhabegerechtigkeit“ - nach dem Motto „Jedem das seine und Gott für uns alle“.

Was meint Teilhabegerechtigkeit?

Die materielle Gleichheit im Sinne sozialer Gleichheit wird dabei oft ausgeklammert, obwohl sie die Grundlage eines guten Lebens für alle bleibt. Wenn Gewerkschaften von Teilhabegerechtigkeit sprechen, dann meinen sie die gleiche Teilhabe aller an den Gütern, die zu einem solchen Leben nötig sind: Bildung, Kultur, Wohnen, und vor allem eine gute Arbeit und eine gesunde Umwelt. Verteilungsgerechtigkeit durch Tarifpolitik meint daher die Eingrenzung der ungleichen Aneignung des durch lebendige Arbeit entstandenen Reichtums. Er muss so gerecht verteilt werden, dass er allen ein gutes und selbstbestimmtes Leben und soziale Sicherheit gewährleistet.

Verteilungsgerechtigkeit hat aber vor allem das Ziel die ungleiche Verteilung öffentlicher Güter aufzuheben. Der Gegensatz von privatem Reichtum und öffentlicher Armut, wie er sich zahlenmäßig etwa in Deutschland zwischen einer Schuldenlast von 2 Billionen Euro und einem Reichtumsberg von 8 Billionen Euro zeigt, muss überwunden werden. Nur dadurch können wir wieder öffentliche Güter im Sinne gesellschaftlich notwendiger Dienstleistungen finanzieren, die nicht mehr in ausreichendem Maße in guter Qualität und für alle zugänglich und bezahlbar erbracht werden. Öffentliche Armut meint die Verarmung von immer mehr Menschen, denen das Recht auf soziale Leistungen bei Krankheit, im Alter und in Not zunehmend abgesprochen wird.

Fazit

Hartmut Rosa hat Recht, wenn er darauf hinweist, dass damit der Kapitalismus immer noch unter Strom steht. Darum bedarf die Verteilungsgerechtigkeit einer weiteren Dimension: die der ökologischen Erneuerung von Produktion, Dienstleistungen und Lebensweise. In seinem schönen Bild des Kapitalismus, das einem Fahrrad gleich - immer in Bewegung bleiben muss, um nicht umzufallen, ließe sich der Abbau von Ungleichheit und einer anderen ökologisch verträglichen Produktions- und Lebensweise durch das Bild des Umlenkens, des Umsteuerns in eine nachhaltige Richtung darstellen. Das wäre dann ein Fahrrad an dessen Lenker das Volk sitzt und wo die Managerkaste vom Kindersitz aus glücklich winken kann.


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Kommentare zu diesem Artikel

KOMMENTARE

s.brusten schrieb am 21. Februar 2013 um 14:33 Uhr:

hallo Ülle,
deine Nachricht höhre ich gern, .....
Was mir bei solchen Ausführungen stinkt ist das GESABBEL von FREIHEIT, das GG sagt es in Art. 1 Abs.1 doch deutlich genug:
Die Würde des Menschen ...., du redest wie der Pastor aus Rostock, FREIHEIT, Freiheit ist in jedem Fall ein Teil des Art. 1 GG, aber nicht alles!!!
Beziehen wir uns doch eimal auf das GG, u. machen Art. 1 GG i.V. mit Art. 20 GG zuMaxime uinseres Handels, jedoch nicht ohne Art. 79 Abs. 3 GG !!!
Bei der IGM habe ich verinnerlicht, aus der Geschichte Lernen, d.H. nicht das ich mich immer auf Historische Texte beziehen muß, mir genügt bei der von dir angesprochenen Problematik unser GG!!!

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Dr. Wolfgang Uellenberg-van Dawen
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