Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 19: Januar/Februar 2013 | Gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen

Mann am klettern

Thema der Ausgabe 19: Januar/Februar 2013 Herausforderungen für die Gewerkschaften

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Freitag, 11. Januar 2013

Gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen

von: Christoph Peters, Prof. Dr. Marco Leimeister
Cafetisch

Jock+Scott / photocase.de

Gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen sind zentral für die nachhaltig erfolgreiche Entwicklung der Gesellschaft. Bisher spielt das Konzept gesellschaftlich notwendiger Dienstleistungen jedoch eine (gemessen an ihrer Bedeutung) stark unterrepräsentierte Rolle.

 „Gesellschaftlich notwendig“ sind gemäß dem Arbeitskreis Dienstleistungen der Friedrich-Ebert-Stiftung jene Dienstleistungen, die „für die Lebensgestaltung, Entwicklung und das Gelingen einer Gesellschaft unverzichtbar sind“. Von ihnen hängt nicht nur ab, ob die Teilhabe aller Mitglieder der Gesellschaft gewährleistet ist, sondern auch, ob ihre Zukunftsfähigkeit nachhaltig gefördert wird. Gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen tragen hiernach zum sozialen Ausgleich und zu einem Funktionieren des Gemeinwesens, zu einem Gelingen der Gesellschaft bei.

Insgesamt lässt sich das Spektrum gesellschaftlich notwendiger Dienstleistungen in mindestens vier große Bereiche einteilen:

  1. Soziale Dienstleistungen, d.h. Dienstleistungen aus den Bereichen Gesundheit und Pflege, (Weiter-) Bildung oder auch der Betreuung (Kita, Jugendhilfe, Streetworker, etc.);

  2. Dienstleistungen der sozialen Sicherheit, d.h. überwiegend staatliche oder auch kommunale Leistungen, die Verteilungs- und Teilhabegerechtigkeit bedingen;

  3. Infrastrukturdienstleistungen, insbesondere das flächendeckende Vorhalten und Weiterentwickeln der Verkehrs-, Energie- und IKT-Netze, die Sicherstellung der Wasserversorgung oder auch Dienstleistungen rund ums Wohnen;

  4. Sicherheitsfördernde Dienstleistungen, dabei besonders in Bezug auf alle Maßnahmen, die die Bürgerinnen und Bürger schützen und proaktiv Gefahren vorbeugen, die man in den letzten Jahren in anderen europäischen Ländern beobachten konnte.

Dabei gibt es Dienstleistungen, die allen Bürgerinnen und Bürgern gleichermaßen zu Gute kommen (wie z.B. im Bereich der Verkehrsinfrastruktur). Hier spielt der (einfache) Zugang zur Dienstleistung eine entscheidende Rolle. Gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen sind manchmal nur für einen Teil der Gesellschaft unverzichtbar, sie müssen aber aus Gründen der Gerechtigkeit, der Gleichheit oder der Solidarität für alle vorgehalten werden. Hierzu gehören bspw. Sprachkurse für Menschen mit Migrationshintergrund, da sie so überhaupt erst befähigt werden sich gesellschaftlich zu integrieren, oder aber Dienstleistungen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, die z.B. auch in ihrem Haushalt Hilfsangebote benötigen. Bei der Unterstützung des Einzelnen kommt bei gesellschaftlich notwendigen Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung eine besondere Bedeutung zu.

Soziale Dienstleistungen stärken den Zusammenhalt und die Wirtschaft

Für alle bisher erwähnten Bereiche gilt, dass diese Dienstleistungen unerlässlich für den sozialen Zusammenhalt und eine funktionierende Wirtschaft sind. Deshalb werden sie vom Arbeitskreis Dienstleistungen als  gesellschaftlich notwendig eingestuft. Oftmals wird bei der Betrachtung solcher Dienstleistungen übersehen, dass diese auch erhebliche Wachstums- und Wohlstandspotenziale bergen, die systematisch entwickelt werden können (und sollten).

Das Entwickeln neuer, vielversprechender gesellschaftlich notwendiger Dienstleistungen kann auf vielfältige Arten befördert werden. Soziale Innovationen, d.h. Neuerungen, die mit sozialem Wandel einhergehen und die positive Beeinflussung der Möglichkeiten und Lebenssituationen einer Gesellschaft zum Ziel haben (Gillwald 2000), sind eine Quelle für vielfältige neue Dienstleistungsideen. Im Arbeitskreis Dienstleistungen wurde dabei insbesondere betont, dass derartige Neuerungen nachhaltig sind und zu einem höheren gesamtgesellschaftlichen Wohlstand beitragen.

In diesem Sinne hat soziale Innovation gleich zwei große Ziele: sie erfüllt  gesellschaftliche Bedarfe wie besseres, gerechteres, umweltschonenderes Leben und Miteinander auf der einen Seite; und sie bezieht auf der anderen Seite die Menschen (inter-) aktiv in Veränderungsprozesse mit ein. Das führt wiederum zu mehr Teilhabe und zukünftiger Teilhabebereitschaft – eine gute Grundlage für neue, gut durchdachte und gut durchgeführte soziale Innovationen.

Besonders vielversprechend gilt dies, wenn es gelingt, öffentliche und nicht-öffentliche Dienstleistungen durch intelligente soziale Innovationen so in neuen Dienstleistungsangeboten zu integrieren, dass die vielfältigen Potentiale gesellschaftlich notwendiger Dienstleistungen gehoben werden können. Zu diesen Potentialen gehören:

  • erhöhte Wachstumsfähigkeit,

  • Verbesserung der Teilhabe Aller am gesellschaftlichen Wohlstand,

  • das Erschließen neuer Felder und Möglichkeiten der Beschäftigung sowie

  • die nachhaltige Förderung eines innovationsfreundlichen Umfelds.

Soziale Innovationen

Hierfür ist ein innovationsfreundliches Umfeld von besonderer Bedeutung, denn die Realisierung der hier beschriebenen Potentiale hängt in der Praxis auch bzw. ganz besonders von solchen sozialen Innovationen ab.

Dabei bedeuten soziale Innovationen für gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen eine Chance, da sie ein wichtiges Instrument bereit stellen, um neue Dienstleistungen gesellschaftlicher Notwendigkeit hervorbringen (können). Dabei werden im Rahmen dieser sozialen Innovationen die Interaktionen aller Beteiligten eines Dienstleistungssystems betrachtet, z.B. von Beschäftigten und Kundinnen und Kunden eines Unternehmens sowie weiteren unternehmensnahen Anspruchsgruppen. Außerdem sind diese sozialen Innovationen in ihrer Ergebnisdimension „überall in gesellschaftlichen Systemen möglich, im Ergebnis Verhaltensänderungen und verwandt aber nicht gleich mit technischen Innovationen“ (Gillwald 2000). Somit haben sie einen nachhaltigen Effekt auf die Art und Weise, wie eine Gesellschaft Probleme angeht und gemeinsam löst. Dies und die Vorgabe, dass sie „die Bewältigung einer konkreten Problemstellung bzw. die Befriedigung eines in der Gesellschaft vorhandenen Bedürfnisses ermöglichen und Akzeptanz finden“ (ZSI - Centre for Social Innovation 2012), sind konstitutive Merkmale einer sozialen Innovation.

Die soziale Innovation ist somit auch ein gesellschaftliches Instrument, das Partizipation und Teilhabe fördert und auf Missstände reagiert. Aus einer normativen Sicht führt sie zu nachhaltigen und ganzheitlichen gesellschaftlich notwendigen Dienstleistungen und bildet die Grundlage für sozialen Ausgleich. Das spiegelt sich auch in der Art der Veränderungen wider, die soziale Innovationen mit sich bringen: erstens können sie die Herangehensweise der Menschen an Probleme ändern; zweitens beziehen sie bei der Planung und Durchführung soziale Netzwerke und weitere Anspruchsgruppen mit ein und erweitern damit die involvierten Akteure um bisher unberücksichtigte Personengruppen; drittens werden die Dienstleistungen als solche innoviert, bzw. es können neue, bedarfsgerechtere Dienstleistungen entstehen, was dann der Allgemeinheit zu Gute kommen kann.

Die Ergebnisse unserer Forschung beruhen u. a. auf vier Expertengesprächen, die die folgenden Punkte als bedeutend und im besprochenen Kontext relevant und beachtenswert hervorgebracht haben:

  • Soziale Innovationen bieten Chancen – für die (Weiter-) Entwicklung von gesellschaftlich notwendigen Dienstleistungen und darüber hinaus. Die Schaffung eines innovationsfreundlichen Umfelds ist hier ein erster, wichtiger Schritt.

  • Dienstleistungsarbeit ist auch Interaktionsarbeit, also „Arbeit am und mit Menschen“. Diese Arbeit ist anspruchsvoll und bedarf mehr Wertschätzung als ihr bisher zu Teil wird.

  • Für gute Dienstleistungen und gute Dienstleistungsarbeit muss die Professionalisierung von Dienstleistungen und Dienstleistungsarbeit weiter vorangetrieben werden. Dabei ist im Spannungsfeld zwischen Standardisierungs- und Individualisierungsbemühungen eine Balance zu finden.

  • Innovation braucht Innovationstreiber. Dabei ist die Einbindung aller Anspruchsgruppen des Dienstleistungssystems (z.B. Bürgerinnen und Bürger,  Kundinnen und Kunden, Beschäftigte, Unternehmen, Gewerkschaften, der Staat u.v.m.) und die Nutzung ihrer Innovationspotentiale wichtig. So können sowohl wichtige Bedürfnis- als auch Lösungsinformationen zur Verbesserung bestehender oder Schaffung gänzlich neuer gesellschaftlich notwendiger Dienstleistungen und Strukturen beigesteuert werden.

  • Die Diskussion über gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen ist auch eine Diskussion über Gerechtigkeit in der Gesellschaft. Diese Dienstleistungen sollen und müssen ihren potentiellen Nutzern zum einen bewusst, zum anderen einfach zugänglich sein.

  • Produktivitätsstrategien bei (personenbezogenen) Dienstleistungen können und sollten sowohl Qualität als auch Wertschätzung der Dienstleistungen steigern.

  • Für eine erfolgversprechende Einführung und Weiterentwicklung (personenbezogener) Dienstleistungen ist eine systematische Vorgehensweise unter Einbezug passender Methoden und Modelle erforderlich (Leimeister 2012).

  • Die Vernetzung der Akteure im Rahmen gesellschaftlich notwendiger Dienstleistungen ist von elementarer Bedeutung. So können Potentiale für Beschäftigung, Wohlstand, Lebensqualität und gesellschaftlichen Fortschritt gehoben und internationale Wettbewerbsfähigkeit erreicht werden. Um dies zu ermöglichen und zu gewährleisten bedarf es entsprechender politischer Unterstützung und Förderung.

Fazit

Als Fazit des Arbeitskreises Dienstleistungen der Friedrich Ebert Stiftung kann gezogen werden, dass gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen essentiell wichtig für eine gelingende Gesellschaft sind, für alle Menschen in unserer Gesellschaft. Gemessen an Ihrem Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unseres Landes und zum Gelingen der Gesellschaft unter Teilhabe aller, ist das Thema jedoch stark unterrepräsentiert. Das gilt sowohl für den politischen als auch gesellschaftlichen Diskurs, das gilt für Engagement bzgl. ihrer praktischen Umsetzung als auch für die entsprechende Forschung, die Verständnisgrundlage schafft und Anleitung für die Entwicklung und Durchführung solcher Dienstleistungen bietet. Gerade die Entwicklung und Umsetzung sowie die anschließende Weiterentwicklung gesellschaftlich notwendiger Dienstleistungen muss systematisch erfolgen und dafür bedarf es (noch zu etablierender) Rahmenbedingungen. Um die in diesem Artikel aufgezeigten Potentiale zu heben, ist jeder in unserer Gesellschaft aufgerufen seinen Teil zu den benötigten Rahmenbedingungen und dem Schaffen eines innovationsfreundlichen Umfelds beizutragen. Das verlangt der den gesellschaftlich notwendigen Dienstleistungen eigene Charakter, dass sie sowohl für als auch unter Mitwirkung von Menschen zu erbringen sind. Eingebunden werden können und sollten also alle: Bürgerinnen und Bürger, Länder und Kommunen, Unternehmen und Dienstleister, Kundinnen und Kunden der Dienstleistung, Gewerkschaften, Vereine, Kirchen, und viele Akteure mehr. Wichtig ist, dass es gelingt gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen und deren (breite) Umsetzung entsprechend zu unterstützen, um die nachhaltige Förderung der Zukunftsfähigkeit sowie ein Gelingen unserer Gesellschaft zu gewährleisten – denn nichts zu tun, das wäre fatal.

 

Der Artikel ist eine Zusammenfassung des Arbeitspapiers aus dem Arbeitskreis Dienstleistungen der Friedrich Ebert Stiftung: http://library.fes.de/pdf-files/wiso/09367.pdf

 

Literatur

Gillwald, K. (2000). Konzepte sozialer Innovation. Berlin, Germany, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung.

Leimeister, J. M. (2012). Dienstleistungsengineering und -management. Heidelberg, Germany, Springer Verlag.

Leimeister, J. M. and C. Peters (2012). Gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen - soziale Innovationen denken lernen. WISO-Diskurs - Expertisen und Dokumentationen zur Wirtschafts- und Sozialpolitik. Arbeitspapier des Arbeitskreises Dienstleistungen der Friedrich-Ebert-Stiftung. Bonn, Germany, Friedrich-Ebert-Stiftung, Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik.

ZSI - Centre for Social Innovation. (2012). "Definition sozialer Innovation."   Retrieved 27.08.2012, from https://www.zsi.at/about_us/mission_statement_and_vision.

 


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Kommentare zu diesem Artikel

KOMMENTARE

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Andreas Buntrock schrieb am 17. Februar 2013 um 10:15 Uhr:

Da ich jetzt zur Durchsicht aktueller Materialöien der Gewerkschaft der Krankenhausärzte namens Marburger Bund (www.marburger-bund.de) gekommen bin, muss ich jetzt ein weiteres Problem identifizieren, welches die angemessene und verlässliche Finanzierung öffendlicher Dienstleistungen erschwert.
Es ist traurig, aber wahr: Die Ärzte in kommunalen Krankenhäusern wollen schon wieder mehr Geld. Das Entgeltangebot des Verbandes kommunaler Arbeitgeber vom 5. 2. 2013 liegt zwischen 3921,14 € in der Stufe I 1 und 8 170,39 € in der Stufe IV 2 (www.vka.de/site/hiomes/vka/schwerpunkte/tarifrunden/tarifrunde_aerzte_2013/). In der Pressemitteilung vom 10. 2. 2013 "Tarifverhandlungen mit der VKA vertagt - neuer Termin am 22. Februar" bezeichnete der Marburger Bund das Angebot als nicht ausreichend (www.marburger-bund.de/presse/pressemitteilungen/pm2013/06.02.2013.php)!
Zustimmen muss ich dem Marburger Bund darin, dass er nicht mehr gewillt ist, überlange Arbeitszeiten durch den ekzessiven Gebrauch der mittlerweile von ihm gekündigten Oupt-out-Regelung für Bereitschaftsdienste hinzunehmen. Die beiden Hintergrundpapiere zur Arbeitszeit haben leider so lange Codes, dass diese nicht in die Adresszeile des Browsers passen und somit hier zitiert werden können, sie sind aber auf der Internetseite leicht zu finden.
Die maßlosen Gehaltsforderungen allerdings sind eine standesdünkelhafte Unverschämtheit und eine Verhöhnung von Arbeitslosen, Geringverdienern und Behinderten. In den Beschlüssen 1 und 12 der Hauptversammlung des Marburger Bundes am 2. und 3. 11. 2012 in Berlin wird ungeniert die Beibehaltung des Rechtes zur Liquidation, das heisst zur zusätzlichen Erstellung von Privatrechnungen gefordert, weil offensichtlich manchem nimmersatten Chefarzt ein Gehalt von über 8000 Euro immer noch nicht reicht. (www.marburger-bund.de/ueber-uns/hauptversammlungen/beschluesse/MB-HV_122-2012_Beschluesse.pdf) Wenn man bedenkt das ein "standesgemässer" Abend in Berlin mit Dinner, Champagner und Edelnutten schon einmal 3000 Euro verschlingen kann, sind solche Forderungen zumindest intelektuell nachvollziehbar, wenn sie auch von einer völligen moralischen Verkommenheit zeugen. Zu allem Überfluss muss man sich ohne einen in der Hackordnungselitengesellschaft als gleichwertig empfundenen sozialen Stand von so etwas oft auch noch dumm-frech kommen lassen. Als ich - aus grundsätzlichem Mißtrauen gegenüber solchen Sozialschmarotzern, bei denen oft auch der Sozialrassismus nicht weit ist - von meinem Recht als Patient Gebrauch machte, eine Befundkopie zu fordern, wurde ich des Hauses verwiesen! Im späteren Verfahren vor der Ärztekammer wurde das dann bestritten. Naturlich hat dort eine standesdünkelhafte Krähe der anderen kein Auge ausgehackt, diese Person durfte weiter als Arzt ihr Unwesen an kranken Menschen treiben. Allerdings wurde sie vom Krankenhausträger als Chefarzt abgelöst, vielleicht aber nur auf eine Stelle versetzt, von der ich nichts weis. Das gegen mich ausgesprochene unbegründete Hausverbot wurde aufgehoben. Trotzdem lege ich auf diese Klinik keinen Wert mehr, nicht nur wegen meines späteren Umzuges nach Berlin. Insgesamt scheint es so zu sein, das sich bei derartigen weißbekittelten Sozialschmarotzern Standesdünkel und Grössenwahn proportional zum Gehalt entwickeln.
Den Vogel abgeschossen hat ein Satz in der Pressemitteilung des Marburger Bundes vom 10. 2. 2013 "Kollekte bei den Ärzten hilft der Pflege nicht weiter" (www.marburger-bund.de/presse/pressemitteilungen/pm/2012/pm39_12.php). Die inhaltliche Grundaussage ist nicht zu beanstanden, falls der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Jens Spahn tatsächlich geäussert hat, was ihm da vorgehalten wird. Passend zum ärztlichen Standesdünkel ist keine nähere Quelle angegeben. Der letzte Satz allerdings hat mich fast aus dem Sessel kippen lassen: "Es ist weder in Ordnung, wenn Krankenschwestern weniger verdienen als Privatkundenberater in einer Bank, noch wenn Fachärzte schlechter abschneiden als Fondmanager..."! Mir ist nicht bekannt, was ein Privatkundenberater bei der Basnk verdient. Die Forderung allerdings, Fachärztegehälter an den sechs-und siebenstelligen Bezügen jener "Heuschrecken" zu orientieren, welche die Weltwirtschaft durch ihre Machenschaften an den Rand des Abgrunds brachten, ist an Maßlosigkeit und Unverschämtheit nicht mehr zu überbieten.
In der vergangenen Nacht habe ich geträumt, den Vorstand des Marburger Bundes mit ein paar Pflegern in Zwangsjacken und Gummizellen gesteckt zu haben. Leider musste ich beim Aufwachen realisieren, das die immer noch frei herumlaufen - genauso wie ihre Vorbilder, die "Heuscherecken".

Andreas Buntrock schrieb am 20. Januar 2013 um 19:36 Uhr:


Zum einen engagieren sich auch viele Arbeitslose freiwillig in gesellschaftlichen Zusammenhängen, auch Invalidenbrentner im Rahmen ihrer gesundheitlichen Möglichkeiten. Ich bin es allmählich leid, den Stammtisch darauf hinzuweisen, das ein menschenwürdiges Leben, auch für Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht arbeiten können, kein Gnadenrecht, sondern ein zivilisatorisches Erfordernis ist. Auch, wenn der Stammtisch Angst hat, beim Tanz ums goldene Kalb (3 Autos, Eigenherim, jedes Jahr auf die Malediven usw.) zu kurz zu kommen. Das meinen doch selbst ernannte nichtbehinderte Herrenmenschen, wenn sie nächstens wieder blöken: "Wir sind es wert". Dass Behinderte, die sich von diesem Staat über die Höhe der Grundsicherung nicht klein machen lassen, sich in dem von ihnen für notwendig gehaltenem Rahmen politisch engagieren, dafür auch Geld ausgeben und sich am Ende des Monats oft zu Brot und Butter nur durch die Mitnahme der von Party-jung-verdi stehen gelassenen Flaschen noch eine Tütensuppe leisten können, ist denen doch egal. Oder?
Franz Honegger schrieb:
"Teilhabe" setzt voraus, daß man Teilhaber ist.
Nur für meine persönliche Kultur, woraus folgt bitte die Teilhaberschaft der Berechtigten, z.B. um in den Genuß der Dienstleistungen der sozialen Sicherheit (Nr. 2) zu gelangen?

Franz Honegger schrieb am 19. Januar 2013 um 16:18 Uhr:

"Teilhabe" setzt voraus, daß man Teilhaber ist.
Nur für meine persönliche Kultur, woraus folgt bitte die Teilhaberschaft der Berechtigten, z.B. um in den Genuß der Dienstleistungen der sozialen Sicherheit (Nr. 2) zu gelangen?

Michael Dauderstädt schrieb am 16. Januar 2013 um 14:43 Uhr:

Entgelt - nicht Entgeld (auch wenn es meist um Geld geht)
Andreas Buntrock schrieb:
Noch ein kurzer Nachtrag zu meinem Beitrag vom 14. 1. 2013: Die weiterhin monatliche Erstellung der Entgeldabrechnung sollte natürlich unabhängig von der Einschränkung dieser Verordnung Gegenstand aller künftigen Tarifverhandlungen sein, um derartige Möglichkeiten, den Sozialstaat kalt zu stellen, auszubremsen. Wie ich die Politik kenne, ist sie in ihrem Grössenwahn, Elite zu sein (die wenigsten sind es von denen), viel zu arrogant, das schnell zu ändern. Vielleicht wird ja auch die Willkür bewusst angestrebt, damit man noch ein paar Millarden hat, die man Parteispendengebern wie nimmersatten Zockerbanken und anderen Heuschrecken in den Rachen schmeissen kann.

Andreas Buntrock schrieb am 16. Januar 2013 um 09:22 Uhr:

Noch ein kurzer Nachtrag zu meinem Beitrag vom 14. 1. 2013: Die weiterhin monatliche Erstellung der Entgeldabrechnung sollte natürlich unabhängig von der Einschränkung dieser Verordnung Gegenstand aller künftigen Tarifverhandlungen sein, um derartige Möglichkeiten, den Sozialstaat kalt zu stellen, auszubremsen. Wie ich die Politik kenne, ist sie in ihrem Grössenwahn, Elite zu sein (die wenigsten sind es von denen), viel zu arrogant, das schnell zu ändern. Vielleicht wird ja auch die Willkür bewusst angestrebt, damit man noch ein paar Millarden hat, die man Parteispendengebern wie nimmersatten Zockerbanken und anderen Heuschrecken in den Rachen schmeissen kann.

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