Da ich jetzt zur Durchsicht aktueller Materialöien der Gewerkschaft der Krankenhausärzte namens Marburger Bund (www.marburger-bund.de) gekommen bin, muss ich jetzt ein weiteres Problem identifizieren, welches die angemessene und verlässliche Finanzierung öffendlicher Dienstleistungen erschwert.
Es ist traurig, aber wahr: Die Ärzte in kommunalen Krankenhäusern wollen schon wieder mehr Geld. Das Entgeltangebot des Verbandes kommunaler Arbeitgeber vom 5. 2. 2013 liegt zwischen 3921,14 € in der Stufe I 1 und 8 170,39 € in der Stufe IV 2 (www.vka.de/site/hiomes/vka/schwerpunkte/tarifrunden/tarifrunde_aerzte_2013/). In der Pressemitteilung vom 10. 2. 2013 "Tarifverhandlungen mit der VKA vertagt - neuer Termin am 22. Februar" bezeichnete der Marburger Bund das Angebot als nicht ausreichend (www.marburger-bund.de/presse/pressemitteilungen/pm2013/06.02.2013.php)!
Zustimmen muss ich dem Marburger Bund darin, dass er nicht mehr gewillt ist, überlange Arbeitszeiten durch den ekzessiven Gebrauch der mittlerweile von ihm gekündigten Oupt-out-Regelung für Bereitschaftsdienste hinzunehmen. Die beiden Hintergrundpapiere zur Arbeitszeit haben leider so lange Codes, dass diese nicht in die Adresszeile des Browsers passen und somit hier zitiert werden können, sie sind aber auf der Internetseite leicht zu finden.
Die maßlosen Gehaltsforderungen allerdings sind eine standesdünkelhafte Unverschämtheit und eine Verhöhnung von Arbeitslosen, Geringverdienern und Behinderten. In den Beschlüssen 1 und 12 der Hauptversammlung des Marburger Bundes am 2. und 3. 11. 2012 in Berlin wird ungeniert die Beibehaltung des Rechtes zur Liquidation, das heisst zur zusätzlichen Erstellung von Privatrechnungen gefordert, weil offensichtlich manchem nimmersatten Chefarzt ein Gehalt von über 8000 Euro immer noch nicht reicht. (www.marburger-bund.de/ueber-uns/hauptversammlungen/beschluesse/MB-HV_122-2012_Beschluesse.pdf) Wenn man bedenkt das ein "standesgemässer" Abend in Berlin mit Dinner, Champagner und Edelnutten schon einmal 3000 Euro verschlingen kann, sind solche Forderungen zumindest intelektuell nachvollziehbar, wenn sie auch von einer völligen moralischen Verkommenheit zeugen. Zu allem Überfluss muss man sich ohne einen in der Hackordnungselitengesellschaft als gleichwertig empfundenen sozialen Stand von so etwas oft auch noch dumm-frech kommen lassen. Als ich - aus grundsätzlichem Mißtrauen gegenüber solchen Sozialschmarotzern, bei denen oft auch der Sozialrassismus nicht weit ist - von meinem Recht als Patient Gebrauch machte, eine Befundkopie zu fordern, wurde ich des Hauses verwiesen! Im späteren Verfahren vor der Ärztekammer wurde das dann bestritten. Naturlich hat dort eine standesdünkelhafte Krähe der anderen kein Auge ausgehackt, diese Person durfte weiter als Arzt ihr Unwesen an kranken Menschen treiben. Allerdings wurde sie vom Krankenhausträger als Chefarzt abgelöst, vielleicht aber nur auf eine Stelle versetzt, von der ich nichts weis. Das gegen mich ausgesprochene unbegründete Hausverbot wurde aufgehoben. Trotzdem lege ich auf diese Klinik keinen Wert mehr, nicht nur wegen meines späteren Umzuges nach Berlin. Insgesamt scheint es so zu sein, das sich bei derartigen weißbekittelten Sozialschmarotzern Standesdünkel und Grössenwahn proportional zum Gehalt entwickeln.
Den Vogel abgeschossen hat ein Satz in der Pressemitteilung des Marburger Bundes vom 10. 2. 2013 "Kollekte bei den Ärzten hilft der Pflege nicht weiter" (www.marburger-bund.de/presse/pressemitteilungen/pm/2012/pm39_12.php). Die inhaltliche Grundaussage ist nicht zu beanstanden, falls der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Jens Spahn tatsächlich geäussert hat, was ihm da vorgehalten wird. Passend zum ärztlichen Standesdünkel ist keine nähere Quelle angegeben. Der letzte Satz allerdings hat mich fast aus dem Sessel kippen lassen: "Es ist weder in Ordnung, wenn Krankenschwestern weniger verdienen als Privatkundenberater in einer Bank, noch wenn Fachärzte schlechter abschneiden als Fondmanager..."! Mir ist nicht bekannt, was ein Privatkundenberater bei der Basnk verdient. Die Forderung allerdings, Fachärztegehälter an den sechs-und siebenstelligen Bezügen jener "Heuschrecken" zu orientieren, welche die Weltwirtschaft durch ihre Machenschaften an den Rand des Abgrunds brachten, ist an Maßlosigkeit und Unverschämtheit nicht mehr zu überbieten.
In der vergangenen Nacht habe ich geträumt, den Vorstand des Marburger Bundes mit ein paar Pflegern in Zwangsjacken und Gummizellen gesteckt zu haben. Leider musste ich beim Aufwachen realisieren, das die immer noch frei herumlaufen - genauso wie ihre Vorbilder, die "Heuscherecken".
Zum einen engagieren sich auch viele Arbeitslose freiwillig in gesellschaftlichen Zusammenhängen, auch Invalidenbrentner im Rahmen ihrer gesundheitlichen Möglichkeiten. Ich bin es allmählich leid, den Stammtisch darauf hinzuweisen, das ein menschenwürdiges Leben, auch für Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht arbeiten können, kein Gnadenrecht, sondern ein zivilisatorisches Erfordernis ist. Auch, wenn der Stammtisch Angst hat, beim Tanz ums goldene Kalb (3 Autos, Eigenherim, jedes Jahr auf die Malediven usw.) zu kurz zu kommen. Das meinen doch selbst ernannte nichtbehinderte Herrenmenschen, wenn sie nächstens wieder blöken: "Wir sind es wert". Dass Behinderte, die sich von diesem Staat über die Höhe der Grundsicherung nicht klein machen lassen, sich in dem von ihnen für notwendig gehaltenem Rahmen politisch engagieren, dafür auch Geld ausgeben und sich am Ende des Monats oft zu Brot und Butter nur durch die Mitnahme der von Party-jung-verdi stehen gelassenen Flaschen noch eine Tütensuppe leisten können, ist denen doch egal. Oder?
Franz Honegger schrieb:
"Teilhabe" setzt voraus, daß man Teilhaber ist.
Nur für meine persönliche Kultur, woraus folgt bitte die Teilhaberschaft der Berechtigten, z.B. um in den Genuß der Dienstleistungen der sozialen Sicherheit (Nr. 2) zu gelangen?
"Teilhabe" setzt voraus, daß man Teilhaber ist.
Nur für meine persönliche Kultur, woraus folgt bitte die Teilhaberschaft der Berechtigten, z.B. um in den Genuß der Dienstleistungen der sozialen Sicherheit (Nr. 2) zu gelangen?
Entgelt - nicht Entgeld (auch wenn es meist um Geld geht)
Andreas Buntrock schrieb:
Noch ein kurzer Nachtrag zu meinem Beitrag vom 14. 1. 2013: Die weiterhin monatliche Erstellung der Entgeldabrechnung sollte natürlich unabhängig von der Einschränkung dieser Verordnung Gegenstand aller künftigen Tarifverhandlungen sein, um derartige Möglichkeiten, den Sozialstaat kalt zu stellen, auszubremsen. Wie ich die Politik kenne, ist sie in ihrem Grössenwahn, Elite zu sein (die wenigsten sind es von denen), viel zu arrogant, das schnell zu ändern. Vielleicht wird ja auch die Willkür bewusst angestrebt, damit man noch ein paar Millarden hat, die man Parteispendengebern wie nimmersatten Zockerbanken und anderen Heuschrecken in den Rachen schmeissen kann.
Noch ein kurzer Nachtrag zu meinem Beitrag vom 14. 1. 2013: Die weiterhin monatliche Erstellung der Entgeldabrechnung sollte natürlich unabhängig von der Einschränkung dieser Verordnung Gegenstand aller künftigen Tarifverhandlungen sein, um derartige Möglichkeiten, den Sozialstaat kalt zu stellen, auszubremsen. Wie ich die Politik kenne, ist sie in ihrem Grössenwahn, Elite zu sein (die wenigsten sind es von denen), viel zu arrogant, das schnell zu ändern. Vielleicht wird ja auch die Willkür bewusst angestrebt, damit man noch ein paar Millarden hat, die man Parteispendengebern wie nimmersatten Zockerbanken und anderen Heuschrecken in den Rachen schmeissen kann.