Kurzarbeit als Allheilmittel?
Viele Analysten befassen sich mit den segensreichen Auswirkungen der "Kurzarbeiterlösung". Hierbei wird viel zu wenig auf die Auswirkungen im Arbeitsmarkt geachtet. Natürlich, die Industrie wurde mit Hilfe der Zeitarbeiter wesentlich flexibler. Daß dies auf Kosten der abhängig Beschäftigten geht, wird meist nicht beachtet.
Auch der DGB hält sich bei diesem Thema sehr zurück. So ist der Eindruck entstanden, daß die DGB-Spitze im Verein mit starken Gewerkschaften (z.B. der IG-Metall) und der Bundesregierung ein konzertiertes Verhältnis entwickelt hat, das sich gegen die Schwächsten der Schwachen richtet.
Ich habe in dem Artikel auch kein Wort über den neuesten Trick der Finanzämter gelesen, der sich "Progressionsvorbehalt" nennt und ganz klar gegen die Empfänger von Kurzarbeitergeld gerichtet ist. Gehört das auch zu der "erfolgreichen Geschäftspolitik der Industrie"?
Wenn das in der Industrie schon so geht, wer hilft dann den Zeitarbeitern, den Arbeitslosen und Rentnern? Auch der DGB scheint vergessen zu haben, wes Brot seine Funktionäre essen.
Wissenschaftliche Untersuchungen über Industriepolitik sind sicher notwendig, so lange sie den Boden unter den Füßen nicht verlieren. Aber es darf nicht vergessen werden, daß diese Sparte nicht nur aus Machinen, Immobilien und Managern besteht, sondern nur durch einen funktionierenden Körper lebendiger Arbeitskraft am Leben erhalten werden kann. Dem ist gebührende Aufmerksamkeit zu widmen, ohne in leblose Kostenfaktoren abzugleiten.
Wenn Gegenblende wirklich mit dem DGB zusammen arbeiten will, hat dieser Artikel zumindest teilweise den Ton verfehlt.