Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 13: Januar/Februar 2012 | Von Politpop zu Hardcore

Thema der Ausgabe 13: Januar/Februar 2012 Fortschritt für Industrie und Dienstleistung

«
Diskutieren Sie mit.
Montag, 9. Januar 2012
Neuere politische Musik

Von Politpop zu Hardcore

von: Rhett Skai
lissitzky

Red Wedge

Tausende Menschen zwischen 20 und 60 stehen auf dem Festgelände. Der Sänger betritt die Bühne und sagt: „I wanna see your fists in the air!“ (Ich will Eure Fäuste nach oben gestreckt sehen!) Tausende Fäuste recken sich in den Himmel, nahezu alle folgen. Der Sänger heißt Tim McIlrath von der Band Rise Against aus Chicago. Der Ort ist Eschwege in Nordhessen. Der Anlass ist nicht der 1. Mai, sondern das Open Flair Festival im Juli 2011.

Das politische Lied, der politische Musiker – sie sind nicht tot oder die letzten Überlebenden einer aussterbenden Art. Politische Musik ist quicklebendig und findet in vielen Formen und mit tausenden Fans statt.

Von was reden wir eigentlich?

Es gibt weiterhin alle Formen des politischen Liedes: das Kampf- und Freiheitslied, die Hymne und das Protestlied. Eine klare Abgrenzung ist jedoch nicht immer möglich, weil alle Aspekte aus unterschiedlichen Formen des politischen Liedes oftmals zusammenkommen. Politische Lieder gibt es in allen politischen Lagern und nahezu allen Stilrichtungen – leider auch bei Neo-Nazis. Das sollte hinlänglich bekannt sein, spätestens jedoch nach dem Song der Dead Kennedys „Nazi-Punks fuck off“.

Schwerpunkt der Betrachtung ist hier jedoch das Arbeiterlied innerhalb des demokratischen Spektrums: Gegenstand des Arbeiterliedes sind die abhängig Beschäftigten - das-ArbeiterIn-sein[i], die Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen. Darüber hinaus sind oftmals Anklagen gegen Verelendung und Unterdrückung sowie (politische) Auseinandersetzung, u.a. mit ArbeitgeberInnen, in ArbeiterInnenliedern beschrieben.[ii]

Doch müssen politische KünstlerInnen immer nur von Politik singen? Oder dürfen sie zwischendurch auch Liebeslieder trällern? Muss man das ArbeiterInnenlied immer mitsingen können? Beweist sich ihr politisches Engagement nur im Lied oder auch in der Teilnahme an politischen Kampagnen oder politischen Aussagen auf ihren Internetseiten?

150 Jahre Arbeiter- und Freiheitslieder

So lautete der Untertitel des lobenswerten Unterfangens von Bear Familiy Records, im Jahre 2010 vier CD-Boxen mit insgesamt zwölf CDs herauszugeben.[iii] Unter dem programmatischen Titel „Dass nichts bleibt, wie es war!“ wird die Geschichte des ArbeiterInnenliedes in zeitlicher Abfolge bis in die Ausläufer der nach 68er Jahre des 20. Jahrhunderts dargestellt. Danach jedoch scheint sich die Tradition des politischen Liedes, des ArbeiterInnenliedes, zu verflüchtigen – jedenfalls in der Wahrnehmung der überwiegenden Mehrheit. Das gilt leider auch für diese sonst handwerklich fein gemachten CD-Boxen mit wunderbaren Booklets, die die Texte und Geschichte der Lieder enthalten.

Die 80er Jahre: Das Jahrzehnt der Kampagnen

In Deutschland begann das Jahrzehnt der Kampagnen mit der Fortsetzung des 1979 gestarteten Projekts „Rock gegen Rechts“. Der Anlass war damals das NPD-Treffen am 17. Juni in Frankfurt am Main. An der unerlaubten Demo, zu der auch der DGB aufgerufen hatte, nahmen mehrere zehntausend Menschen teil. Bei dem angeschlossenen Konzert traten die Schmetterlinge aus Österreich und Udo Lindenberg auf. Damit begann auch in Deutschland eine insgesamt europaweite Kampagne gegen Rechtsextremisten und Nazis, in Großbritannien als RAR (Rock Against Racism) bekannt. Immer engagierten sich gegen Rechts auch prominente Bands – zum Beispiel The Clash und Generation-X (Sänger: Billy Idol), Silbermond, Seeed, Klee, Sportfreunde Stiller, die Söhne Mannheims, Peter Maffay sowie die Toten Hosen – und immer wieder Udo Lindenberg. Neben diesen deutschlandweiten bekannten MusikerInnen existieren aber auch viele Projekte auf lokaler und regionaler Ebene, die in einer Reihe mit der ursprünglichen Rock gegen Rechts-Kampagne stehen. Das Konzert „Arsch huh, Zäng ussenander“ am 9. November 1992 mit 100.000 Zuhörern in Köln ist sicherlich das größte Beispiel. Dort traten regionale Größen mit teilweise weiterreichendem Bekanntheitsgrad auf - unter anderem BAP, Bläck Fööss, Höhner und Jürgen Zeltinger.

Andere Beispiele für die große Kampagnen in den 80er Jahren waren die legendären Konzerte zu Band Aid for Africa 1985 und das Nelson Mandela 70th Birthday Tribute Concert.

Bei dem von Bob Geldof und Midge Ure initiierten Projekt Band Aid for Africa gegen die Hungersnot in Äthiopien wirkten weltweit Musikstars mit wie Phil Collins, Paul Young, Duran Duran, Bananarama, Bono (U2), Paul Weller, Kool & The Gang, George Michael, Sting, David Bowie, Boy George und Holly Johnson (Frankie Goes to Hollywood) mit. Band Aid for Africa hatte Nachfolgeprojekte wie Band Aid II 1989 und Band Aid 20 im Jahr 2004. Letztere bestand unter anderem aus Paul McCartney, Bono, Sugababes, Robbie Williams, Dido, Katie Melua, Joss Stone, Dizzee Rascal sowie MusikerInnen der Bands The Darkness, Morcheeba, Coldplay, Travis, Supergrass, Moloko, Radiohead und Snow Patrol.

Beim ebenfalls weltweit beachteten Nelson Mandela 70th Birthday Tribute Concert im Jahr 1988 traten als MusikerInnen auf: Phil Collins, Simple Minds, Meat Loaf, Peter Gabriel, Bee Gees, Salt’N’Pepa, Eurythmics, Dire Straits featuring Eric Clapton, Whitney Houston, Wet Wet Wet, Fish, UB40, Miriam Makeba, George Michael, Bryan Adams, Youssou N’Dour, Jessye Norman, Sting, Midge Ure, Stevie Wonder und Paul Young. Ziel war die Freilassung Mandelas, der damals immer noch im Gefängnis des Apartheid-Staates saß.

Neben diesen politisch breit getragenen Kampagnen mit Kampf gegen Rassismus, Hunger und Rechtsextremismus organisierten Billy Bragg, Paul Weller und Jimmy Sommerville 1987 eine Kampagne von MusikerInnen gegen die Wiederwahl von Margaret Thatcher und für die Wahl der Labour Party[iv]. Inspiriert von der Lithographie des russischen Künstlers Lissitzky „Beat the Whites with the Red Wedge" (siehe oben) nannten sie ihre Kampage Red Wedge (dt. Roter Keil). Das Logo der Kampagne gestaltete Designpapst Neville Brody. Mit einer ganzen Gruppe von britischen MusikerInnen ging Red Wedge auf Tour durch das Vereinigte Königreich. An Red Wedge waren unter anderem beteiligt: The Style Council, Madness, The Communards, Lloyd Cole, Captain Sensible, The Smiths, Bananarama, The The sowie die Blow Monkeys. 1990 löste sich Red Wedge formal auf.[v]

Doch auch neben den großen Kampagnen existierten MusikerInnen, die sich gegen soziale Ungerechtigkeit einsetzten. Die 80er waren auch das Jahrzehnt des kometenhaften Aufstiegs der australischen Band Midnight Oil, die gegen Kolonialismus, Ausbeutung und für den Schutz der Natur sangen und kämpften. Legendär war ihr Konzert „Midnight Oil Makes You Dance, Exxon Oil Makes Us Sick“ 1990 nach dem Untergang der Exxon Valdez.

Die 90er Jahre: Härter und zersplitterter

Insgesamt zeichnet sich dieses Jahrzehnt dadurch aus, dass sich die Musik in zahllose Genres, Subgenres und Subsubgenres differenzierte – und: Sie wurde härter!

Anfang der 90er wurde der Rap (Hip-Hop) in deutscher Sprache hitparadenfähig. Vorreiter waren Advanced Chemistry, die politische Texte machten. Insbesondere Torch rappt  kapitalismuskritisch und zu Bürgerrechtsthemen. Weitere sozialkritische deutschsprachige Rapper sind Curse, Die Firma und Azad sowie Freundeskreis. Diese Art Rap nennt sich auch Conscious Rap. Ganz neue Formen entwickelten sich aus der Fusion des Rap mit anderen Musikstilen, vor allem mit Jazz und Rock.

Letzteres führte zu einer zunächst als Crossover klassifizierten Mischung aus Rap und Rock mit den Superstars des Genres, Rage Against The Machine. Gegründet 1991 äußerten diese immer ausgesprochen deutlich ihre Kritik an sozialen und politischen Missständen und spendeten teilweise ihre Gagen für soziale Organisationen. Bereits 1999 produzierten sie ihr Video zu dem auf dem Album Battle Of Los Angeles befindlichem „Sleep No In The Fire“ verbotener Weise in der Wall Street. Dabei handelt es sich um eine radikale Kritik des Finanzkapitalismus und den sozialen Auswirkungen.[vi]

In Frankreich mischte die Band Mano Negra Punkrock mit Rai, Ska und Chanson sowie Latinostilen; sie selbst nannten ihren Stil mestizo or patchanka. Bekannter wurde sie Anfang der 90er Jahre. Ihr Sänger Manu Chao konnte sich mit einer Solokariere nach der Auflösung der Band durchsetzen. Die Themen, - sowohl von Mano Negra als auch von Manu Chao-, waren stets auch soziale Gerechtigkeit und internationale Solidarität. 1998 begründete der Musiker Attac mit.

Die elektronische Musik etablierte sich ebenfalls. Die US-Industrialband Ministry wurde seit 1992 mehrfach für einen Grammy nominiert – eine Band, die sich insbesondere mit den Fehlentwicklungen in den USA äußerst kritisch auseinandersetzte. Beispielsweise werden die Bush-Regierungsjahre und sein Konzept der Neuen Weltordnung in dem Lied „N.W.O.“ (1992 auf dem Album Psalm 69) musikalisch völlig demontiert.

Die 90er Jahre waren außerdem die Zeit des Techno als Breitenphänomen, wobei die Frage der Politik doch eher eine untergeordnete Rolle spielte. Höchstens als Aushängeschild der Love-Parades, um Veranstaltungskosten der Allgemeinheit unter zu schieben.

Sehr deutlich können die Veränderungen in den 90er Jahren an der Band Killing Joke nachvollzogen werden. Machten sie in den 80er Jahren hitparadenfähige Musik mit ihrem Tophit „Love Like Blood“, wurde 1990 ein sehr hartes Album (Extremities, Dirt and Various Repressed Emotions) veröffentlich, das mit „Money Is Not Our God“ eine geradezu antikapitalistische Hymne enthält. 1992 zogen sie mit dem allerdings nur in interessierten Kreisen hoch gelobten Album Pandamomium nach – in ähnlicher Härte.

Ab 2000: Das Publikum wird härter

Zu Beginn des neuen Jahrtausends verschwand die Dominanz elektronischer Musik wieder. Politisch bemerkenswert war nur Christian Kreuz, der 2003 den Longplayer Diktatur des Kapitals veröffentlichte: harte Kritik an der kapitalistischen Gesellschaft mit ihrer Dekadenz („Koks & Prada“), aber auch mit Überwindungsperspektive („Freunde der Sonne“). Kreuz produzierte eine Mischung aus Elektronica, Funk, Dub und Rock.

Mitte der 90er Jahre wandelte sich der sogenannte Crossover-Rock mttels Funk und Hardcore zum Nu Metal. Um es älteren Semestern anschaulich zu machen: Daneben wirkt die ehemals lauteste und härteste Band Motörhead eher beschaulich. Anfang des neuen Jahrtausends bekam der Nu Metal dennoch immer mehr Fans, was an den hohen Chartplatzierungen ablesbar ist: Linkin’ Parks zweites Album Meteora im Jahr 2003 schaffte in den USA und im UK Platz 1 und Australien 2 sowie Platz 1 in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit Minutes to Minutes, dem dritten Studioalbum, äußerten sich Linkin’ Park auch politischer und kritisierten die US-Regierung wegen der Kriege, des Krisenmanagements beim Hurricane Katrina sowie wegen des Präsidenten im Allgemeinen. Dieses Album erreichte in Deutschland, Österreich, Schweiz, USA und UK ebenfalls Platz 1 der Albumcharts.

Ähnlich erfolgreich sind Nu Metal Bands wie Staind, Korn, Slipnot, die politisch eher eine untergeordnete Rolle spielen. Ganz anders jedoch Disturbed, die inzwischen 13 Millionen Alben verkauft haben. Mit ihrem dritten Album Ten Thousend Fists In The Air veröffentlichten sie 2005 eine Coverversion des Genesis-Hits „Land of Confusion“. Das dazugehörige Video hat eine klare Botschaft: Das unterdrückende Finanzkapital muss von den Menschen gestürzt werden.[vii]

Deutlich werden auch die Dropkick Murphys aus Boston, die 2003 eine Neuaufnahme des alten englischsprachigen "Worker’s Song" veröffentlicht haben. Der musikalische Stil der Murphys ist Folk-Punk, wie er dem einen oder der anderen von den Pogues bekannt sein müsste. Der Unterschied ist hier: Es ist 20 Jahre später und ein bißchen Hardcore kam dazu. Die Band ist bekannt für ihre Unterstützung der Arbeiterklasse und der Gewerkschaften – mit guten Verbindungen zum größten US-Gewerkschaftsdachverband American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations (AFL-CIO). Natürlich sangen auch sie gegen die Bush-Regierung an. Das letzte Murphys-Album Going Out In Style von 2011 schaffte es in Deutschland auf den 19. Platz der Albumcharts. 

Ihr Gitarrist Tom Morello wird noch deutlicher als Rage Against The Machine. Er unterstützt in seinem Soloprojekt, u.a. The Nightwatchman, die Gewerkschaften massiv. Ausdrückliche Beispiele sind die Lieder „Union Town“ und „Union Song“. Zusätzlich tritt er auf Gewerkschaftsveranstaltungen auf und unterstützt auch im Internet die Gewerkschaften. Die Dropkick Murphys veröffentlichten zu den Anti-Gewerkschaftsgesetzen in Wisconsin ein eigenes T-Shirt („Unite - Take ´Em Down“) mit starken Botschaften. Eine ähnliche Haltung wie Dropkick Murphys pflegen die Street Dogs - ebenfalls aus Boston.

Etwas folkiger als die Murphys ist der Stil von Flogging Molly. Sie besingen ebenfalls die Wirklichkeit der ArbeiterInnen und die Arbeitslosigkeit durch die Finanzmarktkrise („Revolution“ auf dem 2011er Longplayer Speed Of Darkness).

Anfang 2010er: Weiter für Gewerkschaften?

Auch deutschsprachige Musik entwickelte sich weiter. Zum Beispiel die Band Lex Barker Experience: Sie betreiben mit ihrem Album Warreggae Kapitalismuskritik („Money“) in einer Mischung aus Rock, Reggae und singen Englisch, Französisch und Spanisch.

Ebenfalls zur Finanzmarktkrise macht die Zeltinger Band auf der 2010 erschienenen CD "Die Rückkehr des Retters" zum Thema. Das Lied heißt „Betrug“, während sie sich in „Haute Vollée“ die Eliten vornehmen.

Neben neuen Liedern werden aber auch in Deutschland alte Lieder gecovert, das heißt in ein neues Gewand gesteckt. Als Beispiel soll hier die Version von „ Warschawjanka“, dem polnischen Freiheitslied, von der Potsdamer Band 44 Leningrad dienen.

Billy Bragg war immer ein explizit politischer Sänger – nicht nur als Mitinitiator von Red Wedge. Bis heute tritt er für Gewerkschaften auf und singt ArbeiterInnenlieder, wie „Which Side Are You On?“. Er nutzt sogar die neuen sozialen Medien, um für die ArbeiterInnen und die Gewerkschaften zu werben.

Bragg steht in der Tradition der LiedermacherInnen – auch Songwriter genannt. Dabei geht es oft um eine Neu-Interpretation traditioneller ArbeiterInnenlieder. Die neufundländische Gruppe Great Big Sea soll hier noch mit einer mitreißenden Version des „Chemical Workers Song“ Erwähnung finden, ebenso die US-Sängerin Natalie Merchant mit der anrührenden Interpretation von „Which Side Are You On?“ auf ihrer CD The House Carpenter's Daughter oder auf der Kompilation Coal Country Musik.

Nur eigene Lieder singt Funny van Dannen, der auch für die Toten Hosen textet. Auf seiner CD Grooverman besingt er sein mit dem gleichnamigen Song sein Verhältnis zum „Kapitalismus“  .

Musikalisch-politische Spurensuche

Die Frage, auf welcher Seite MusikerInnen stehen, ist gar nicht einfach zu beantworten, denn in vielen Medien werden sie nicht danach gefragt. Radio, Fernsehen, Musikmagazine – kaum jemand stellt MusikerInnen politische Fragen oder Fragen zur Politik.

Zu den wenigen Fernsehsendungen, die auch anders können, gehört Tracks. Das Kultur-Magazin auf Arte scheut sich nicht davor, über politische MusikerInnen zu berichten. Doch zum ständigen Fragenkatalog gehört auch hier die politische Haltung nicht.

Ganz anders zwei Musikzeitschriften, die Beispiel ablegen, wie politisch Interviews mit MusikerInnen sein können: OX und Wahrschauer. Beide haben sich aus Punk-Fanzines entwickelt. Zu den aktuellen Verdiensten von OX gehört es den Sänger der Band The Gaslight Anthem Brian Fallon als Kreatonisten entlarvt zu haben.[viii]

Wer sich in Wikipedia über MusikerInnen informieren will, sollte gewöhnlich die englischsprachige Ausgabe anwählen. Dort sind wesentlich mehr politische Inhalte der Musik dargestellt. Die deutschsprachigen Einträge wirken eher wie Promo-Happen der Plattenverlage, die natürlich politisch nicht anecken wollen.

Leider besitzen viele MusikerInnen weder eine politische Haltung noch Engagement, sie betreiben L’Art pour l’art – Kunst um der Kunstwillen und verlassen ihren Elfenbeinturm nicht.

Epilog

Eschwege im Juli: „Wir machen nicht Musik um der Musik willen, sondern um zu verändern!“, ruft Tim McIlrath ins Publikum.

 


[i] Das Wort ArbeiterIn wird hier für alle abhängig Beschäftigten verwandt, weil es den internationalen Geflogenheiten entspricht. Außerhalb Deutschlands, auch in internationalen Übereinkünften z.B. der Internationalen Arbeitsorganisation, wird selbstverständlich von „workers“ gesprochen, wenn auch in Deutschland Umschreibungen wie abhängig Beschäftigte oder ArbeitnehmerInnen benutzt werden.

[ii] vgl. Lammel, Inge: Arbeiterlied – Arbeitergesang. Hundert Jahre Arbeitermusikkultur in Deutschland, Teetz 2002, S. 35ff.

[iii] Auch bei der Büchergilde Gutenberg erhältlich.

[iv] Die britische Labour Party ist immer mehr mit den Gewerkschaften verbunden als die deutsche Sozialdemokratische Partei.

[v] vgl. Manzoor, Sarfraz: The year rock found the power to unite. in: The Observer vom 20. April 2008 auf: http://www.guardian.co.uk/music/2008/apr/20/popandrock.race

[vi] Kann auf www.myvideo.de angesehen werden.

[vii] Schaut unter: http://www.youtube.com/watch?v=u6KXgjLqSTg.

[viii] vgl. OX-Fanzine, Nr. 98, Oktober/November 2011, Solingen 2011, S. 5.

>
      
    </div>

    

    <br class= Nach oben
Kommentare zu diesem Artikel

KOMMENTARE

Rhett Skai schrieb am 13. Januar 2012 um 16:26 Uhr:

Danke für Eure Meinungen!
Ich wollte, so zu sagen, am Anfang erst einmal einen groben Überblick bieten - eher an einigen Beispielen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Das geht heute eh nicht mehr!
Die meisten werden westeuropäisch noch die 80er Jahre im Überblick haben und den dann in den 90ern verloren haben.
Ich bleibe aber bei der These, dass die Musik, auch die politische, in den 90er Jahren tendenziell härter geworden ist und sich in mehr Genres, Subgenres und Subsubgenres aufgeteilt hat. Daher haben viele Menschen den Überblick verloren.
Haltung (Habitus) ist ja auch wichtiger Bestandteil bei der Zugehörigkeit zu einer soziologischen Gruppe.
Eure Kritik verstehe ich als Anregungen für weitere Beiträge, z.B. zu der Entwicklung in der DDR und Politik in verschiedenen Musikszenen.
Ich hoffe, auf Eure weitere kritische Begleitung

Nordstern schrieb am 13. Januar 2012 um 09:21 Uhr:

Welch Freude, dass die alte Tante DGB sich daran erinnert, dass politisches Bewusstsein viele Facetten hat - und auch das Private politisch ist. Vielen Dank an Autor und Redaktion, hierauf Augenmerk zu legen
@calle: Ein Artikel dieser Länge doch kann keine erschöpfende Darstellung der Materie sein, der Schwerpunkt des Autors liegt doch erkennbar auf der Zeit 1990 plus. Von daher verstehe ich die Vorhaltung nicht.

Sebastian T schrieb am 12. Januar 2012 um 23:35 Uhr:

Ich finde das da zum Teil was durcheinandergeworfen wird: Sozial kritische Musik und eben Arbeiterlieder (oder was entfernt dahin geht).
Deshalb geht die Entwicklung, die hier aufzuzeigen versucht wird - in Richtung: mehr Härte - ehrlich gesagt fehl.
"Chaos A.D." von Sepultura, das 1993 erschien und sicher zu den Meilensteinen des härteren Genres zählen wird (in Sachen Beeinflussung), war sozial kritisch und hart. Die ganze Hardcore-Bewegung, die war von ihren Anfängen her immer schon nicht in Watte gepudert: Sick of It All und Yuppicide, um mal ein paar zu nennen (letztere textlich bis heute interessant: "Follow the leader", "Yellow Journalism", "A Fist Full of Credit Cards" usw. usf.).
In den 1990er traten dann eine Reihe jüngerer Bands auf die Bühne, die sozial kritisch UND laut waren: Snapcase oder Refused.
Die Sozialkritik gab's also schon immer und zwar laut. Was sich mit Blick auf heute vielleicht geändert hat, ist, dass eben diese Musik heute weit mehr akzeptiert ist und - das muss mensch auch selbstkritisch sagen - zum Teil ist sie auch kommerzieller geworden (mensch denke nur an die ganzen Open-Airs).
Ein weiterer Kritikpunkt: Es könnte gut sein, dass sich das, was früher vielleicht Inhalt des Arbeiterliedes war, heute eher in der Attitüde bzw. im Selbstverständnis der entsprechenden Szene(n) niederschlägt (was sich aber - Gott behüte - nicht über jede Szene sagen lässt!).
Eine Ausnahme könnte ggf. die "schwarze Szene" sein, wo das Arbeiterlied von "Rummelsnuff" elektronisch kultiviert wurde (wäre mal näher zu verfolgen, ob es in der Szene auch einen solchen Trend gibt).
Ein wichtiges Versäumnis hat Calle (Vorredner) schon angesprochen: Die ganze Ost-Geschichte fällt einfach unter den Tisch. Ich sage nur Feeling B, Freygang usw.
Damit's nicht zu kritisch endet: Die Hinweis auf OX und Wahrschauer sind prima!

Calle schrieb am 12. Januar 2012 um 18:38 Uhr:

Schade dass Du nur eine Seite in Deutschland betrachtet hast. Wie war es denn mit den Arbeiterliedern in der DDR, insbeondere in den 80 er Jahren und davor.
Lieder eine nur sehr unvollständige Betrachtung.

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit.


Nach oben

Kurzprofil

Rhett Skai
Geboren 1970 in einem ArbeiterInnenviertel

Arbeitet heute in Schaff-Enspausen
» Zum Kurzprofil

Beiträge dieser Ausgabe

Artikel von: Dr. Martin Beckmann
Montag, 9. Januar 2012
Gu­te Ar­beit und gu­te Dienst­leis­tun­gen
» Zum Beitrag

Artikel von: Dr. Astrid Ziegler
Montag, 9. Januar 2012
In­dus­trie­po­li­tik zur Ge­stal­tung des Struk­tur­wan­dels
» Zum Beitrag

Kolumne von: Tom Schimmeck
Montag, 9. Januar 2012
Die nack­ten Pro­phe­ten
» Zum Beitrag

Artikel von: Prof. Dr. Henning Kagermann
Montag, 16. Januar 2012
Mo­der­ne In­dus­trie­po­li­tik ist zu­al­ler­erst In­no­va­ti­ons­po­li­tik
» Zum Beitrag

Artikel von: Bernd Bienzeisler
Montag, 16. Januar 2012
Von der Dienst­leis­tungs­öko­no­mie zur Dienst­leis­tungs­po­li­tik
» Zum Beitrag

Artikel von: Dr. Christian Neugebauer
Mittwoch, 18. Januar 2012
Ei­ne nach­hal­ti­ge Ra­ting-­Agen­tur für die Ge­sell­schaft und das Ge­mein­wohl
» Zum Beitrag

Buchrezension von: Nikos Wallburger
Dienstag, 17. Januar 2012
Die Re­vo­lu­ti­onser­in­ne­rung im ku­ba­ni­schen All­tag
» Zum Beitrag

Artikel von: Herbert Hönigsberger
Montag, 23. Januar 2012
Die Ord­nung des Lob­by­is­mus
» Zum Beitrag

Artikel von: Michael Sommer
Donnerstag, 26. Januar 2012
In­dus­trie -und Dienst­leis­tungs­po­li­tik als in­te­grier­te Wirt­schafts­po­li­tik
» Zum Beitrag

Artikel von: Prof. Dr. Hagen Krämer
Freitag, 27. Januar 2012
Un­aus­ge­wo­ge­ne Wirt­schaftss­truk­tur
» Zum Beitrag

Artikel von: Prof. Dr. Boy Lüthje
Dienstag, 7. Februar 2012
Die Ar­beits­ver­hält­nis­se im chi­ne­si­schen Wachs­tums­mo­dell
» Zum Beitrag

Artikel von: Mechthild Kopel
Dienstag, 7. Februar 2012
Dienst­leis­tungs­me­tro­po­le Ber­lin – Chan­ce und Her­aus­for­de­rung
» Zum Beitrag

Filmkritik von: Jürgen Kiontke
Mittwoch, 8. Februar 2012
Die Ber­li­na­le 2012
» Zum Beitrag

Artikel von: Prof. Dr. Ulrich Hilpert
Donnerstag, 9. Februar 2012
Aus der Kri­se ler­nen: Von in­dus­tri­el­ler Ent­wick­lung zu viel­fäl­ti­gen In­dus­trie­stra­te­gie­po­li­ti­ken
» Zum Beitrag

Artikel von: Dietmar Hexel, Dr. Inge Lippert
Montag, 13. Februar 2012
Die Ener­gie­wen­de als He­bel für ei­ne ak­ti­ve In­dus­trie- und Dienst­leis­tungs­po­li­tik
» Zum Beitrag

Artikel von: Dr. Thomas Greven
Dienstag, 14. Februar 2012
So­zia­ler Ba­sis­schutz – ei­ne Vor­aus­set­zung für Wachs­tum und Ent­wick­lung?
» Zum Beitrag

Artikel von: Dr. Wolfgang Dunkel
Freitag, 17. Februar 2012
In­ter­ak­ti­ve Ar­beit – ein Kern­be­reich von Dienst­leis­tungs­po­li­tik
» Zum Beitrag

Artikel von: Prof. Dr. Martin Gornig
Dienstag, 21. Februar 2012
Mo­der­ne In­dus­trie­na­tio­nen brau­chen ei­ne ak­ti­ve In­dus­trie­po­li­tik
» Zum Beitrag

Artikel von: Dr. Dominik Haubner
Freitag, 24. Februar 2012
Dienst­leis­tun­gen im Zeit­al­ter des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels
» Zum Beitrag

Artikel von: Dr. Anne Karrass
Montag, 27. Februar 2012
Der Fis­kal­ver­trag – Sturm im Was­ser­glas oder Ge­fahr für De­mo­kra­tie und So­zi­al­staat­lich­keit?
» Zum Beitrag

RSS-Feed

Subscribe to RSS feed
Hier können Sie unseren GEGENBLENDE RSS Feed abonnieren