Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 11: September/Oktober 2011 | “We are the 99 Percent!” oder “Wir sind das Volk!”

Thema der Ausgabe 11: September/Oktober 2011 Soziale Ungleichheit: Alter Wein in neuen Schläuchen?

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Donnerstag, 20. Oktober 2011

“We are the 99 Percent!” oder “Wir sind das Volk!”

von: Dr. Erich Vogt
social

steffne / photocase.com

Zunächst waren es einige, wenige Schüler und Studenten, Lehrer und Akademiker, Krankenschwestern und Priester, Künstler, arbeitslose Anwälte, Ingenieure und Banker, die Mitte September im Zuccotti Park, am Rande der Wall Street Zelte aufschlugen und in Schlafsäcken unter freiem Himmel schliefen. Sie kamen mit Bussen, Zügen und Autos aus Boston, Philadelphia und Washington, D.C., aus der Nachbarschaft also. Sie kamen aber auch per Anhalter aus Indianapolis, Chicago und Kansas City, der Mitte des Landes. Und sie flogen ein aus San Francisco, Portland und Seattle, von der fernen Westküste. Sie kamen, um im Zentrum der Finanzwelt, der Wall Street, gegen den Einfluss der Banken und die Folgen der weltweiten Finanzkrise zu protestieren. Befeuert und belächelt zugleich von New Yorker Anwohnern, marschierten sie, tagaus und tagein, mit ihren handbeschriebenen Pappkartons durch die Wall Street. Sie nannten sich, mit typisch New Yorker Understatement, die ‘Occupy Wall Street’-Bewegung.

Aber sie trafen mit ihren Protestmärschen und ihrem Slogan «Wir sind die 99 Prozent » die Stimmungslage des Volkes. Und so unterschiedlich ihre Lebensgeschichten und ihre Forderungen auch sind (einige fordern Steuererhöhungen für die Reichen, andere die Zerschlagung der Finanzkonzerne), sie vereint der Wunsch nach einem gerechteren Amerika und die Sorge um ihre Existenz; die Angst, ihr Heim zu verlieren, weil sie ihre Hypothekenzahlungen einstellen mussten; sowie die Furcht, ihre Schulden nicht mehr bezahlen zu können oder weil sie ihr Studium abbrechen mussten, aus Geldmangel.

Wir begehren auf

Heute, gut vier Wochen später, hat diese Regenbogentruppe einen weltweiten Flächenbrand gegen das Finanzkapital und die Auswüchse von Arbeitslosigkeit und Armut losgetreten. Inzwischen haben sich zehntausende ihren täglichen Demonstrationen durch die Wall Street angeschlossen. Unter ihnen auch der AFL-CIO Gewerkschaftsboss Richard Trumka, der Milliardär und Investmentbanker George Soros sowie der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz. Hunderttausende haben das letzte Wochenende das New Yorker Vergnügungsviertel “Times Square” lahmgelegt und Zehntausende haben in allen Grosstädten des Landes gegen den Einfluss des Finanzkapitals auf die große Politik und für grundlegende Reformen in der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik des Landes demonstriert.

Die von der Wall Street ausgehenden und inzwischen landesweit stattfindenden Demonstrationen und der Ruf der Protestierenden “Wir sind die 99 Prozent” weckt bei manchen Demonstranten Erinnerungen an die Leipziger Montagsdemonstrationen vor gut 20 Jahren, als die Menschen auf der Straße die Maechtigen mit ihrem Ruf “Wir sind das Volk” daran erinnerten, dass die aktuellen Lebensumstände sich immer mehr von den Verheißungen und Versprechen der Mächtigen entfernten. Und wie einst in Leipzig, als sich der “Wir sind das Volk”-Ruf wie ein Flächenbrand ausbreitete und zum Fall der Mauer und kurz darauf zum Systemsturz führte, erschüttert heute der von der Wall Street ausgehende Ruf “Wir sind die 99 Prozent” die Grundfesten des Finanzkapitals. Aber anders als damals in Leipzig haben die von der New Yorker Wall Street ausgehenden Proteste gegen Unrecht und Ungleichheit, Arbeitslosigkeit und Armut eine weltweite Reaktion ausgelöst. Hunderttausende Demonstranten in Kanada, Argentinien, Mexiko, Chile, Australien, Hongkong, Polen, Deutschland, England, Frankreich, Spanien, und vielen anderen Ländern fordern von ihren Regierungen ein Ende der Finanzmacht und dessen Einfluss auf die Politik. Joseph Stiglitz sprach auf der Kundgebung an der Wall Street von einem Krieg des Finanzkapitals gegen die Mittelklasse und davon, dass ‘wir unsere Demokratie demokratisieren’ müssen.

Der demokratische Mob

Die Forderung nach einer Demokratisierung des Systems wird vom Finanzkapital rundweg ablehnt. Wohlwissend, dass sie beim Volk angesichts der von ihnen verursachten weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2008 derzeit über wenig Vertrauenskapital verfügen, haben ihre führenden Repräsentanten ihnen wohlgesonnene Politiker in die Öffentlichkeit vorgeschickt. Allen voran, der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney, der noch auf seinen Wahlkampfveranstaltungen die Demonstranten des Klassenkampfes bezichtigte. Sein Mitbewerber um das Präsidentenamt, der Afro-Amerikaner Herman Cain ließ mitteilen, dass der Protest gegen die Wall Street ‘unamerikanisch’ sei, und der Fraktionsvorsitzende der Republikaner im Abgeordnetenhaus Eric Cantor denunzierte die Demonstranten gar als ‘Mob’.

In der Tat findet in Amerika seit Jahrzehnten ein unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsgrenze ablaufender Klassenkampf statt; es ist allerdings ein Kampf der Mittelklasse und der Armen ums Überleben und um das Erbe des Landes. Die Nomenklatura in den USA hat es über Jahrzehnte versäumt, die um ihren ‘American dream’ Kämpfenden einzubinden in die sich verändernden politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen. Der subtile, von den Mächtigen in Wirtschaft und Politik geführte Klassenkampf gegen die Mittelklasse und die Armen läßt sich heute jedoch nicht mehr in gewohnter Manier kaschieren oder gar zukleistern. Die Bruchstellen in der Gesellschaft werden immer sichtbarer, und die um ihren ‘American dream’ Gebrachten lassen sich heute nicht mehr mit Verheißungen abspeisen.

Mehr als Individuen

Im Amerika des Jahres 2011 geht die Angst um. Und diese Angst ist mehr als nur die Befindlichkeit von Individuen. Es ist eine kollektive Angst, die sich in allen Bevölkerungsschichten breitmacht. Damit beschleunigen sie die zur Zeit in der Öffentlichkeit ausgetragenen politischen und gesellschaftlichen Konflikte geradezu dramatisch. Die Angst um ihr Hab und Gut ist heute jedoch bei denen besonders groß, die seit Jahrzehnten vom Kapitalismus amerikanischer Prägung und der ihm zuarbeitenden Politik profitiert haben: den 1 Prozent der Menschen, die 24 Prozent des Nationaleinkommens auf sich vereinigen (1980 waren es noch 10 Prozent); und den Banken, die inzwischen 41 Prozent der gesamten erwirtschafteten Profite aller amerikanischen Unternehmen auf ihre Konten verbuchen (vor 20 Jahren waren es lediglich 15 Prozent).

Die Angst geht auch deshalb um, weil – anders als alle Wirtschaftskrisen nach dem Zweiten Weltkrieg – die Weltfinanzkrise von 2008 nach ihrer Überwindung keine deutlichen Einkommens- und Einstellungsschübe gebracht hat (außer in Deutschland). Zwei Jahre nach ihrem Ausbruch stellt das ‘Wall Street Journal’ eine Produktivitätssteigerung von 5,2 Prozent fest, die Einkommen der Arbeitnehmer stiegen jedoch lediglich um 0,3 Prozent. Das bedeutet, dass gerade 6 Prozent der Produktivitätssteigerungen an die Arbeitnehmer weitergegeben wurden. Die restlichen 94 Prozent mit einem Buchwert von zwei Billionen Dollar wurden an Unternehmenseigentümer, an das Management und die Shareholder (Aktienhalter) verteilt, sowie in großangelegte Aktienrückkäufe gesteckt - bei gleichzeitigem Abbau von Arbeitsplätzen, dem Aushöhlen kollektiver Interessenvertretungen und bestehender Tarifvereinbarungen. Je mehr sich diese Entwicklungen und Zahlen im Bewusstsein der Menschen verankern, desto gespannter wird die Atmosphäre in den Vorstandsetagen der Wall Street und auf den Strassen im Finanzzentrum der Stadt.

Die Krisendiskussion ist bei den Leuten angekommen

Dass diese Entwicklungen draußen im Lande ankommen und eine breitgefächerte Diskussion über die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Missstände auslösen, dafür sorgen primär die Social Networks, allen voran Facebook. Die Demonstranten haben - wie ihre Vorbilder in Tunesien, Ägypten, Libyen, Jordanien und Syrien auch - die Social Medias als ihre Platform of choice gewählt; u.a. auch, weil die etablierten Medien die Bedeutung der “Wir sind die 99 Prozent”-Bewegung nicht frühzeitig erkannt und durch eine entsprechende Berichterstattung ins Bewusstsein ihrer Zuschauer und Zuhörer gebracht haben. Dem Nachrichtenchef des öffentlich-rechtlichen Senders National Public Radio zufolge mangelte es den Demonstranten an Masse und Störpotential, und die am Ort des Geschehens ansässige ‘New York Times’ mokierte sich über die noble, aber äußerst zersplitterte Veranstaltung, der der nötige ‘Sauerstoff’ fehle, um zu einer Bewegung zu reifen. Und für die nationalen Rundfunkanstalten waren die Demonstranten über Wochen kaum mehr als eine Pflichtnachricht wert.

Aufgeschlossener und neugieriger als die etablierten Medien waren die amerikanischen Gewerkschaften. Die Lehrer- und Krankenschwestergewerkschaften gehörten zu den Organisatoren der ersten Stunde. Inzwischen hat sich auch der Chef der Dachorganisation  AFL/CIO Richard Trumka, der eher Gespräche mit Präsident Obama, Kongressabgeordneten und Unternehmern führt, und sich als Gewerkschafter gegenwärtig um die 14 Millionen Arbeitslosen sowie fast 10 Millionen Teilzeitbeschäftigten kümmert, am Zuccotti Park gezeigt.

Trumka machte keinen Hehl daraus, dass er nicht wisse, ob die Demonstranten überhaupt die Unterstützung der Gewerkschaften wollten. Zwar sagte er, dass er gekommen sei, um zu signalisieren, dass die Arbeiter und Arbeiterinnen Amerikas auf der Seite der Demonstranten stünden; er fügte aber hinzu, dass er um die Sorge der Protestierenden wisse, dass sich die Gewerkschaften der Bewegung bemächtigen und sie damit kontrollieren könnten. Um dieser Sorge die Spitze zu nehmen, hat Trumka signalisiert, dass die Gewerkschaften bisher wenig erfolgreich waren beim organisieren von Grass-roots-Bewegungen. Trumka sieht aber durchaus Synergien, die sowohl für die Bewegung wie für die Gewerkschaften beim gemeinsamen Kampf gegen das Finanzkapital nützlich sein könnten. Gleichwohl verabschiedete sich der Gewerkschaftsboss von den Demonstranten ohne Zusagen über zukünftige, gemeinsame Aktionen. Er beließ es bei dem Hinweis, dass er weiterhin bereit zur Zusammenarbeit sei.

Trumka unterstrich an der Wallstreet auch, dass es ihm momentan darum gehe, die Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Nicht weniger als 17 Millionen Jobs müsste die amerikanische Wirtschaft schaffen, um die Arbeitslosenzahlen in fünf Jahren von derzeit 9,1 Prozent auf 5 Prozent zu drücken. Das bedeutet, dass der amerikanische Arbeitsmarkt im Durchschnitt jeden Monat 282.000 Arbeiternehmer aufnehmen müsse. Zur Zeit bietet die Wirtschaft jedoch lediglich 105.000 Jobs an; selbst in den Jahren 1993 bis 2000, als die Wirtschaft brummte, wurden monatlich nicht mehr als 240.000 Stellen angeboten.

Warren Buffet, Agent Provocateur oder neuer Robin Hood?

Warren Buffett, der legendäre Investor aus Omaha im Bundesstaat Nebraska, weiß sehr wohl um den Zustand der Gesellschaft und die besondere Verantwortung der Reichen. Ihm ist sehr wohl bewußt, dass die fast 9 Millionen Jobs, die der Crash 2008 auf den Finanzmärkten vernichtet hat, nur sehr langsam wieder zurückkommen. Er weiß auch, dass dieses Dilemma die jüngere Generation am härtesten trifft. Deren Arbeitslosenquote liegt bei über 18 Prozent, also doppelt so hoch wie die Arbeitslosenquote für das gesamte Land. Armut und Hunger werden im ganzen Land immer sichtbarer. Allein in der Finanzmetropole New York leben fast 2 von 8 Millionen Menschen von Lebensmittelkarten.

Die Reichen müssen ihren Beitrag zur Erholung der Wirtschaft und Gesellschaft leisten. Warren Buffett forderte in einem vielbeachteten Meinungskommentar der ‘New York Times’ unter der Überschrift “Hört auf, die Superreichen weiter zu streicheln” höhere Steuersätze für Millionäre. “Es sei ein Unding”, so der ‘Weise aus Omaha’, dass ich lediglich knapp 17 Prozent meines Einkommens versteuern müsse, während meine Sekretärin mehr als doppelt so viel von ihrem Gehalt an den Fiskus abführen müsse”. Mit seinen Milliardärsfreunden sei er sich einig, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt nichts zu tun habe mit den Steuersätzen. “Wir investieren”, so Warren, “um Geld zu verdienen, und Steuersätze, egal wie hoch, haben uns noch nie davon abgehalten, das zu tun. Und all die, die das Gegenteil behaupten, sei ins Stammbuch geschrieben: Die amerikanische Wirtschaft hat zwischen 1980 und 2000 fast 40 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen. Und seit 2000 sind die Steuersätze ebenso schlagartig gefallen wie die Arbeitsplätze”.

Auf wenig Applaus stieß Buffets Ruf nach einer gerechteren Besteuerung der Reichen beim Chefökonom der Citigroup Ajay Kapur. Kapur und dessen Analysten schwärmen ungeachtet der Demonstrationen vor ihrer Haustür weiterhin von einer “Wirtschaft der Reichen”. Auf die 1 Prozent, so der Chefökonom, die 90 Prozent aller Vermögen in den USA kontrollierten, komme es an. Der Rest, die 99 Prozent, seien eine ‘quantité négligeable‘; wirtschaftliches Wachstum werde angetrieben und weitgehend konsumiert von den vermögenden Wenigen, und die Erde werde getragen von den muskulösen Armen dieser Unternehmens-Plutokraten.

Obama will oder soll oder könnte handeln

Dass Warren Buffett mit seinem Vorstoß einen empfindlichen Nerv seiner Milliardärskollegen getroffen hat, zeigt die Reaktion von 200 Millionären (von insgesamt 3.1 Millionen), die sich als ‘Patriotic Millionaires’ organisiert haben und für höhere Steuersätze werben. Sie plädieren dafür, dass Millionäre mindestens so viel Steuern zahlen wie Mittelklasse-Familien und dass die seinerzeit von Präsident George W. Bush eingeführten Steuergeschenke für Reiche Ende 2012 ersatzlos gestrichen werden.

Präsident Obama hat die Steilvorlage von Warren Buffet und den ‘Patriotic Millionaires’ dankend angenommen und dem Kongress inzwischen eine entsprechende Gesetzesvorlage, die sogenannte ‘Buffett Tax’, zugeleitet. Danach sollen Millionäre und Milliardäre ab sofort eine fünfprozentige Zusatzsteuer bezahlen und dem Fiskus in 10 Jahren damit $445 Millarden Dollar zusätzlich in die Kassen spülen; also genau den Betrag, den die von Obama vom Kongress geforderten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen kosten werden. Ob Steuererhöhungen bei den derzeitigen Mehrheitsverhältnissen im Kongress durchsetzbar sind, wird u.a. auch davon abhängen, ob die “Wir sind die 99 Prozent”-Bewegung weiter an Zuwachs und Zuspruch gewinnen wird. Dann nämlich könnte eine bisher heilige politische Faustregel, dass vor Kongress- und Präsidentschaftswahlen Steuererhöhungen eine ‘no go zone’ sind, auf dem Müllhaufen der amerikanischen Politikgeschichte landet.

Die Systemfrage der „Wir sind…“-Bewegungen

Der Amerikakenner und Umweltexperte Paul Gildung aus Australien sieht in der “Wir sind die 99 Prozent”-Bewegung ein nicht mehr übersehbares Indiz für das nahende Ende des einseitig auf Produktion und Konsum ausgerichteten kapitalistischen Systems. Es hat, sagt Gildung, seine finanziellen und ökologischen Limits erreicht. Für ihn sind die Demonstrationen in New York und in anderen Grosstädten der Welt, die Wirtschafts- und Schuldenkrise, die wachsende Ungleichheit, aber auch der Klimawandel keine singulären Entwicklungen; sie sind vielmehr Teil des Zerfallsprozesses des Systems schlechthin. “Unsere auf Wachstum und Verbrauch fokussierte Politik und Wirtschaft”, so Gilding, “und unsere gnadenlose Ausbeutung begrenzter natürlicher Ressourcen führen dazu, dass sich das System am lebendigen Leibe selbst auffrisst.

Gildungs Fazit lautet: “Das System ist kaputt, wir wollen es nur noch nicht wahrhaben. All seine Versprechungen, dass, wenn wir den Unternehmen freien Lauf lassen und sie nicht durch wachstumshemmende Regulierungen im Umweltbereich und überzogenen Gewerkschaftsforderungen in ihrer Kreativität und ihrem Tun beschränken, zwar nicht alle gleich profitieren werden, aber die Armen weniger arm sein werden und die Fleißigen bessere Arbeit und mehr Geld verdienen werden, wurden nicht erfüllt”. Gehalten und übererfüllt wurden lediglich die Versprechen an die Reichen, stellt Gilding fest.

Die ‘Reichen und der Rest’ leben auf zwei verschiedenen Planeten unter diesem System. Und egal ob die 99 Prozent am Ende mit ihren Forderungen durchkommen oder nicht, klar bleibt, dass nichts mehr so sein wird, wie es vorher war. In Zukunft werden nicht mehr nur die Umweltschützer demonstrieren, oder die Armen, oder die Arbeitslosen. Es werden auch verstärkt die gut Ausgebildeten der Mittelklasse auf die Straße gehen und ihre Forderungen nach einem gerechteren Verteilungssystem in Massendemonstrationen artikulieren, weil auch sie realisiert haben, dass das System lediglich für die 1 Prozent funktioniert. So wie damals in der DDR nur 1 Prozent gesellschaftliche Privilegien (Konsum, Reisefreiheit etc.) genießen konnten.


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Kommentare zu diesem Artikel

KOMMENTARE

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Willi schrieb am 25. Oktober 2011 um 14:52 Uhr:

Endlich mal keine dieser mainstreamigen Verunglimpfung der Occupy-Bewegung, wie man sie dieser Tage in vielen Medien lesen kann: Da werfen sog. Journalisten, die selber zu bequem sind, um sich für ihre Sache einzusetzen, den Demonstranten wahlweise Beliebigkeit oder Dogmatismus vor; stören sich daran, dass die Demonstranten zu schick oder zu verwahrlost gekleidet sind, dass sie nicht oder auch von Sekten geführt werden usw. usf. Eigentlich kann man daran schon sehr gut das schlechte Gewissen ablesen, selbst nicht dabei gewesen zu sein. Schade nur, dass der Beitrag hier wieder mal nicht den Mainstream erreicht...

Matthias schrieb am 23. Oktober 2011 um 13:46 Uhr:


Frank Firsching schrieb:
Ein sehr interessanter udn aufschlussreicher Artikel. Leider ist die Frage die mich beschäftigt nicht thematisiert: Wie hält es der DGB mit der inländischen Occupy- Bewegung. Mitmachen oder zuschauen?

Die von Frank völlig zu Recht gestellte Frage beschäftigt auch mich als Gewerkschaftsmitglied. Angesichts der Vielzahl an thematischen Schnittmengen der Occupy-Bewegung zu Anliegen der Gewerkschaften kann es eigentlich nur eine Antwort geben: mitmachen und unterstützen!

LennStar schrieb am 21. Oktober 2011 um 15:50 Uhr:

Die Occupy-Bewegung hat nicht in der Wallstreet angefangen, sondern in Spanien, wo vor einem Jahr der 15.10. als weltweiter Protesttag angesagt wurde. New York hat allerdings viel dazu beigetragen.
Es ist nur schade, dass so wenig los war abseits Frankfurt und Berlin. Es muss viel mehr passieren. Nicht nur bei Occupy, auch bei anderen Aktionen/Bewegungen. Egal ob Umweltschutz, Verbraucherschutz, Genpatente, Entwicklungshilfe, transparente Politik oder Korruption. Aber dazu müssen die Leute aufstehen und selbst was tun. Dazu habe ich auch in meiner Rede in Magdeburg am 15. aufgerufen.

Andreas Bade schrieb am 21. Oktober 2011 um 14:33 Uhr:

Endlich mal ein Artikel, der sich dem eigentlichen Problem nähert. Nicht die Banken sind verantwortlich für die derzeitigen Verhältnisse, - auch wenn sich das surfen auf diesem Zeitgeist scheinbar gut macht -sondern die Politiker, die die Banken und andere Großkonzerne nicht durch entsprechende Gesetze in die Schranken gewiesen hat. Solange die Politiker sich nicht dem Souverän - dem Volk - verpflichtet fühlt, solange wird sich nichts ändern.

Martina schrieb am 21. Oktober 2011 um 14:33 Uhr:

@Frank Firsching
Weitere Informationen z. B. hier:
http://hessen-thueringen.dgb.de/themen/++co++3a853146-f8c0-11e0-502f-00188b4dc422

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Dr. Erich Vogt
Lehrt Internationale Entwicklungspolitik, Klimawandel und Nachhaltige Entwicklung, derzeit an der Universität Toronto, Kanada
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