Ich habe am 14. 7. 2012, 21.02 Uhr im Blog zum Artukel "Thesen zu einer europäischen Kultur des Widerstandes" von Bern hardt Pfitzner (www.gegenblende.de/15-2012/++co++a28742f4-a339-11e1-54dc-5240066f352) einen Beitrag veröffendlicht, der eigendlich für diesen Blog vorgesehen war. Aber es ist letztlich kein Fehler, er passt zu dem einen wie dem anderen Thema. So bleibt mir an dieser Stelle nur, auf diese Veröffendlichung hinzuweisen.
Soviel ich weiß, ist die Aktion Mensch Initiatoren der Kampagne www.die-gesellschafter.de. Von einer Beteiligung der Bertelsmann-Stiftung ist mir nichts bekannt. Die Aktion Mensch hat diese Kampagne inzwischen beendet, führt aber Teile davon als Förderprogramme weiter.
Hans Adler schrieb:
Kann es sein, dass die ZDF-Kampagne www.die-gesellschafter.de ein Vorläufer des "Bürgerdialogs" war ?
Von der Struktur war diese sehr ähnlich; sie war noch an die Beschränkungen des Internets der 90er gebunden. Die BERTELSMANN-Stiftung soll sich bei den Gesellschaftern auch sehr eingebracht haben ?
Amsonsten: Danke für den Beitrag, Fr. Dr. Nehls
Kann es sein, dass die ZDF-Kampagne www.die-gesellschafter.de ein Vorläufer des "Bürgerdialogs" war ?
Von der Struktur war diese sehr ähnlich; sie war noch an die Beschränkungen des Internets der 90er gebunden. Die BERTELSMANN-Stiftung soll sich bei den Gesellschaftern auch sehr eingebracht haben ?
Amsonsten: Danke für den Beitrag, Fr. Dr. Nehls
Die Informationsflut und das politische Desintresse der breiten Bevölkerung sind Probleme, die ich auch sehe. Ich habe aber die Hoffnung, dass eine Umsetzung meiner Forderungen zur Verwaltungsverfahrens-und Transparenzreform dem entgegenwirken können. Bei einem datenschutzgerechten Quellenzitierzwang bei politischen Behauptungen für juristische Personen wird es sich hoffendlich jeder Politiker und Beamte zweimal überlegen, ob er öffendlich Lügen verbreitet, Phrasen drischt oder Politik nach dem Grundsatz "Was interessiert mich schon mein Geschwätz von gestern" betreibt. Das könnte die Informationsflut wesendlich eindämmen und auf substanzielle Diskussionen fokussieren, auch die Verbitterung vieler Menschen heilen( zumindest einen Beitrag dazu leisten), die sich so oft in anonymen Beschimpfungen äussert. Ich hatte politische Texte auf dem Schreibtisch, dessen Verfasser es fertig brachten, auf 50 Seiten Phrasen zu dreschen. Zum Abbau von Verbitterung könnten auch die Forderungen zur Verwaltungsverfahrensreform (jeweils antragsunabhängige Empfangsbestätigungspflicht für eingereichte Antragsunterlagen und Begründungspflicht für Verwaltungs-und Gerichtsentscheidungen anhand der Quellen in Gesetz-und Verordnungsblättern und im Internet, Fristen, Sanktionsbewehrung) zumindest einen kleinen Beitrag leisten. Ich kann natürlich nicht garantieren, dass mein Konzept die erhofften Wirkungen hat. Aber ein Versuch ist es wert. Wenn sich Politiker weiter benehmen wie in einem Kindergarten, kommt die Demokratie in kurzer Zeit endgültig auf den Hund.
Direkte Demokratie nur zu ausgewählten Fragen halte ich in hohem Maße parteipolitisch-poupolistischen Beweggründen für verdächtig. Auch deshalb ist es notwendig, dafür nicht nur einen gesetzlichen Grundrechtsschutz und die verfassungsgerichtliche Überprüfbarkeit vorzusehen, sondern auch die Pflicht für die Iniatoren, einen Finanzierungsvorschlag vorzulegen.
In meinem Beitrag vom 21. 5. 2012 habe ich noch eine Anmerkung zum Ausgangsartikel vergessen. Die Autorin schreibt, der Abschlussbericht zum "Dialog über Deutschland" an die Bundeskanzlerin soll im September vorgelegt werde. Wie ich der Internetseite www.dialog-ueber-deutschland.de entnehmen konnte, soll der Bericht am 28. 8. 2012 vorgelegt werden und die Diskussion ausgewählter Teilnehmer mit Frau Merkel im September stattfinden. Vermutlich wurde das verwechselt. Ich halte es für diejenigen für wichtig, die Zeit und Interesse haben, sich über das Internet und den Politiksender Phoenix TV zu informieren und dementsprechend planen wollen.
"ich wil ja nur spielen" könnte die Überschrift über gegenwärtige Versuche, Bürgerdialoge online durch- und eine Meinungsbildung "liquid" herbeizuführen, lauten. Um neue Techniken und Kommunikationswege auszuprobieren, ist das auch legitim. Aber bisher ist noch niemand über das Versuchsstadium hinausgekommen.
Selbst bei den doch angeblich ach so internetaffinen Piraten ist nur eine Minderheit "liquid".
Und diese Abstimmungs- oder Meinungsäußerungsverweigerer/-innen befinden sich in allerbester Gesellschaft mit dem weitüberwiegenden Großteil des onlinefähigen Teils der Gesellschaft.
Warum? Vielleicht weil der Strauß der Themen häufig allzu bunt aufgebunden wird. Der Geruch der Beliebigkeit ist der Tot jeder breiten Beteiligung. Nicht ohne Grund treffen Nachrichtenredaktionen etablierter Medien eine Auswahl, welches Thema sie für relevant und berichtenswert halten. Damit erbringen sie eine dankenswerte Dienstleistung; denn jeder Bürger hat das Recht, sich die Frage zu stellen, warum soll ich mich mit dem Thema überhaupt beschäftigen? Je unstrukturierter die Informationsflut, desto häufiger klatscht sie in eine Wüste.
Aber diese journalistische Vorauswahl kann natürlich auch (hoffentlich ungewollt) Themen "unterdrücken", die vielen Menschen auf den Nägeln brennen. Ja, das kann passieren. Hier kann "das Netz" durchaus als Seismograph wirken. Aber es schafft nicht die Notwendigkeit eines eigenen Urteils, der eigenen Urteilsfähigkeit ab.
Und deshalb ist es auch kein Zufall, dass sich die Kanzlerin, wenn sie denn ihr Wort hält, auch mit recht exotischen Themen wird beschäftigten müssen. Themen, die von mehr oder weniger kleinen Pressuregroups online nach oben gevotet wurden. Gelegentlich gestützt von einer aureichenden Zahl an Mitläufern.
Und hier offenbart sich eine andere problematische Seite der online-votings. Die relative Anonymität fördert Enthemmung und Entgrenzung, den schnellen Klick, der nichts kostet. Noch nicht einmal das Verlassen des Hauses, das Zeigen des Gesichts oder das öffentliche Ergreifen des Wortes vor den Augen anderer. Verantwortung?Fehlanzeige. Aber vielen Bürgerdialogen im Netz fehlt es auch am Dialogischen. Häufig haben sie her den Charakter und Wert von schlecht verkorkter Flaschenpost.
Bürgerbeteiligung braucht die Atmosphäre der Freiheit, den Respekt, sich auf Augenhöhe zu begnen und die Bereitschaft aller Beteiligten Veranwortung zu übernehmen. Das geht aber nur bei einer Fokussierung des Dialogs auf ein(!) Thema und mit dem Versprechen, dass die Beteiligung auch eine Mitbestimmung eröffnet.
Nicht zu Unrecht wurden deshalb die Bürger- und Volksentscheide als "der Schlussstein in dem schillernden Gewölbe der Bürgerbeteiligung" bezeichnet. Die Option des Entscheids als der wesentlich gesetzte Stein, der einem wackeligen Gebilde vielfältiger Beteiligungsformen den Halt gibt. Der Stein der Würde und des Respekts.
Wird dieser Stein nicht wohl gesetzt, bleibt alles Gerede folgenloses Rauschen, von dem sich der geneigte Hörer enttäuscht abwendet.