Gegenblende | Ausgabe 04: Juli/August 2010 | NACHGEFRAGT im Energieunternehmen

Thema der Ausgabe 04: Juli/August 2010 Zukünftige Perspektiven unserer Wirtschaftsordnung

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Mittwoch, 18. August 2010

NACHGEFRAGT im Energieunternehmen

bei Dr. Lutz Pscherer, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der 50 Hertz Transmission GmbH

von: Dr. Kai Lindemann

Die 50 Hertz Transmission GmbH ist für die Errichtung und den Betrieb von 380/220 kV-Übertragungsleitungen in den „neuen“ Bundesländern und Hamburg zuständig ist.

 

Lieber Kollege Pscherer, die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland hängt nicht unwesentlich von einer nachhaltigen Energieversorgung ab. Transmission wird sich in Zukunft um die Anbindung von Off-Shore-Parks in der Ostsee bemühen. Welchen Anteil wird die Windenergie zukünftig in eurem Stromnetz einnehmen?

Die 50Hertz Transmission GmbH (50HzT) ist von Gesetzes wegen verpflichtet ihr Netz allen Nutzern, Verbrauchern wie Erzeugern, diskriminierungsfrei zur Verfügung zu stellen. Dies gilt natürlich auch für die Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen. Hierbei spielt in Deutschland zur Zeit die Windenergie die wichtigste Rolle, im Moment überwiegend aus Onshore-Windparks und in Zukunft verstärkt aus Offshore-Windparks.

Gegenwärtig sind auf dem Gebiet von 50HzT Windenergieanlagen mit einer Erzeugungskapazität von 10.570 MW installiert. Das entspricht rund 41 % der Windstromerzeugungskapazität von Gesamtdeutschland. Im Oktober 2010 kommen ca. 50 MW in Offshore-Windparks dazu. Die Gesamtwindstromkapazität wird dann bis zum Jahre 2019 auf ca. 25.000 MW anwachsen. Davon sind ca. 3.500 MW in Offshore-Windparks geplant.

 

Welchen Anteil haben weitere CO2-neutrale Energien in eurem Netz?

CO²-freie Energieerzeugung entstammt im Gebiet von 50HzT überwiegend aus erneuerbaren Energiequellen.

Bei einer installierten Erzeugungskapazität von ca. 13.000 MW aus erneuerbaren Quellen im Jahre 2009 hat die Windenergie einen Anteil von 86 %, auf die übrigen erneuerbaren Quellen entfallen 14 %. Im Jahre 2019 werden von ca. 33.000 MW installierter Erzeugungskapazität aus erneuerbaren Quellen 77 % auf die Windenergie und 23 % auf die übrigen erneuerbaren Quellen entfallen.

 

Du warst lange Zeit auch Konzernbetriebsratsvorsitzender von Vattenfall, dem Stromkonzern für Ostdeutschland, der unter anderem den Braunkohleabbau in der Lausitz fördert und Kohlekraftwerke betreibt. Nun ist seit längerem die CCS – Methode kontrovers im Gespräch. Sie besagt, dass CO2 in unterirdischen Speichern abgeschieden werden kann. Ist CCS eine sichere und nachhaltige Methode, um CO2 in der Atmosphäre zu verringern?

Kohleverstromung ist mit den momentan möglichen Technologien immer mit der Erzeugung von CO² verbunden. Da wir in der nächsten Zukunft kaum auf die Kohleverstromung verzichten können, muss versucht werden, sie CO²-neutral, das heißt ohne CO² an die Atmosphäre abzugeben, zu gestalten. Dafür ist die unterirdische Speicherung von CO², in dafür geeigneten Gesteinsschichten, eine sichere und teilweise in anderen Ländern schon eine erprobte Methode CO² einzulagern und eventuell später wieder einer stofflichen Verwertung zuzuführen.

 

Transmission ist von Vattenfall ausgelagert worden und seit kurzem in Besitz von einem belgischen Netzbetreiber und einem Industriefonds. Hatte diese Auslagerung negative Folgen für die Beschäftigten?

Mit der Bildung von 50HzT als eigenständige Übertragungsnetzgesellschaft in Vattenfall Europe folgte der Konzern den europäischen Vorgaben einer Trennung von Erzeugung, Energieübertragung und Vertrieb.

Im Verkaufsprozess an Elia (belgischer Netzbetreiber) und IFM (australischer Infrastrukturfond) ist es uns gelungen, alle Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen zur Sicherung unserer sozialen Standards in einer entsprechenden Vereinbarung festzuschreiben. Damit sind mindestens für die nächsten fünf Jahre negative Folgen für die Belegschaft ausgeschlossen. Im Gegenteil, wir werden versuchen auf dieser Basis unsere sozialen Standards weiter auszubauen.

 

Vielen Dank für das Interview.


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Kurzprofil

Dr. Kai Lindemann
Verantwortlicher Redakteur des Debattenmagazins GEGENBLENDE

geboren 1968 in Bremen
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