Montag, 1. März 2010
Artikel
von:
Prof. Dr. Jörg Reitzig
Bis in die 1970er-Jahre galt die soziale Frage, die Frage der politischen und sozialen Teilhabe der besitzlosen Massen von Arbeitenden, in den entwickelten kapitalistischen Gesellschaften gemeinhin als gelöst. Die Lösung lag in der „Einhegung des Marktes“ (Castel 2005, 133) durch Schritte der gesellschaftlichen Demokratisierung, der Anerkennung von Gewerkschaften, von Tarifverträgen und den Aufbau der europäischen Wohlfahrtsstaaten.
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Erwiderung
von:
Selda Yilgin
Zweifellos, die Prekarisierung unserer Lebens- und Arbeitsverhältnisse ist längst nicht mehr nur eine Randerscheinung der Gesellschaft und kein unbeträchtliches „Unterschichtenphänomen“, sie hat inzwischen die Mitte erreicht.
Auch wenn das Gros der Bevölkerung in Deutschland, wie ebenfalls die wissenschaftlichen Zahlen von Jörg Reitzig zeigen, noch nicht direkt von Prekarität betroffen ist, ist es deutlich zu spüren. Spätestens seit dem Ausbruch der gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise, wissen wir, dass der bisherige „soziale Kompromiss des Kapitalismus“ (im Sinne des hier viel zitierten Soziologen Robert Castell) heute kaum noch gewährleistet wird bzw. keine Rolle mehr spielt.
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