Hans Janosch schrieb am 6. Januar 2010 um 10:05 Uhr:

Zielsetzung Fortbestand
Lieber Herr Professor Bosch, liebe KollegInnen.
Der Wettbewerb der Ideen ist die Triebfeder einer jeden Fortentwicklung. Entsprechend muss der Kreativität der nötige Entfaltungsfreiraum eingeräumt werden. Das marktwirtschaftliche System bietet hier das wahrscheinlich einzige praktikable Forum.
Auch auf Grundlage einer Überlegung, wie die gegenwärtig krisenrelevanten Parameter reguliert werden können, und auch sollten, kann konstatiert werden, die in diesem Sinne in Frage kommenden Ansatzhebel würden gut mit marktwirtschaftlichen Prinzipien korrelieren.
Interessant ist dabei die Frage, was denn die Kernaussagen marktwirtschaftlicher Prinzipien beinhalten. Ist die vollständig private Verwertung des aus der marktwirtschaftlichen Produktion heraus erwirtschafteten Mehrwertes ein Grundprinzip der Marktwirtschaft. Oder ist eine diesbezügliche Annahme doch eher eine Fehlkonstruktion neoklassischer Dogmatik – die, je nach Antrieb, der ungebührenden Vereinnahmung der Klassik anheimfällt um unterschiedliche Ausprägungen von Klientelpolitik als Grundprinzip eines dann wohl nur noch vermeintlich demokratischen Staates zu verankern?
Man könnte klassischen Aussagen durchaus entnehmen, auf Grundlage eines Anspruches auf die Vollkommenheit marktwirtschaftlicher Organisationsprinzipien herrsche ein völlige Wissenstransparenz vor. Dies würde beinhalten, Innovationen wären zwar Produkt kreativer Einzelleistung. Hinsichtlich des Rechts auf Verwendung hingegen allgemeines Gut. Der Weg zur von der heute noch gängigen Interpretation mit markwirtschaftlichen Prinzipien korrelierender Verwendungsarten von Mehrwert abweichenden Deutungsmöglichkeit ist hier nicht mehr weit.
Insgesamt erscheint mit Sicht auf die Weltkrise des Finanzmarktkapitalismus eine zeitlich und räumlich komplettere Ursache- und Wirkungsnachverfolgung angebracht. Die Möglichkeit einer sich vom realen Umfeld absondernden individuellen menschlichen Natur ist als eher niedrig einzustufen. Und tatsächlich. Das Ansinnen zur Verwirklichung der stets größtmöglichen Akkumulation scheint natürlich und aus dem menschlichen Grundantrieb zu Eigenerhaltung und Reproduktion heraus Speisung zu empfangen. Entsprechend sind wohl das Zusammenleben organisierende Normen notwendig, um die menschliche Eigennatur zu Gunsten gesellschaftlicher Stabilität zu regulieren. Denn eben das geschieht, werden das gesellschaftliche Miteinander aufrecht erhalten sollende Normen definiert. Es werden eigennaturelle, nicht mit dem Ziel des Erhalt eines gesellschaftlichen Ganzen zu vereinbarende Handlungsweisen unterbunden. Erst auf Grundlage einer enormen Liquiditätsschwemme hat sich die heute vorherrschende Perversität in der immer lebloseren Verwendung von Natur entwickeln können. Und nur auf Grundlage einer unverhältnismäßigen Verteilung von aus der Produktion heraus erwirtschafteten Werten konnte der Finanzmarktkapitalismus insgesamt entstehen.
Die Nichtvereinbarkeit von Finanzmarktkapitalismus und gesellschaftlicher Stabilität ist heute eindrucksvoll hinterlegt – die notwendige gesellschaftliche Antwort darauf ist natürlich und dem höheren gesellschaftlichen Organisations- und Erhaltungsmuster geschuldet. Schlussendlich geht es eben doch um den Erhalt der Menschheit als Gattung.
freundlichst
Hans Janosch

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