Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 26: März/April 2014 | Die verunsicherte Mitte

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Dienstag, 4. März 2014

Die verunsicherte Mitte

Vom Fahrstuhl zur Wagenburg

von: Prof. Dr. Cornelia Koppetsch
Bauzaun

time./photocase.com

Im öffentlichen Diskurs ist seit einigen Jahren von der Gefährdung der Mittelschicht die Rede. Im Vordergrund steht dabei meist ein Opfer-Narrativ: Die Mittelschicht wird von gesellschaftlichen Umwälzungen erfasst und muss Verluste an Sicherheit, Wohlstand und Einflussmöglichkeiten hinnehmen. Dieser Diskurs hat mit der Finanzmarktkrise im September 2008 einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Hier zeigten sich erstmals die Abgründe eines durch Finanzmärkte gesteuerten Kapitalismus. Die zum Fetisch erhobene Vorstellung, Geldkapital könnte sich in Gestalt von Wertpapieren abgelöst von der Realwirtschaft vermehren, erzeugte Blasen und deren Platzen führte zu Dominoeffekten in allen Volkswirtschaften.

Es scheint zunächst sehr einleuchtend, die „Globalisierung“, vor allem die Akteure aus der Finanzwelt, wie z.B. Unternehmensvorstände, Ratingagenturen oder Investmentbanker, für aktuelle Krisenerscheinungen verantwortlich zu machen. Dieser moderne Geldadel eignet sich gut als Projektionsfläche und Gegner in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Doch ist dies nur die halbe Wahrheit. Die Angehörigen der Mittelschicht sind unbeabsichtigt zu zentralen Akteuren einer Gesellschaftsordnung geworden, die sie doch eigentlich kritisieren und als deren Opfer sie sich fühlen. Sie sind zu Mittätern geworden – etwa als Pioniere neuer, „flexibler“ Arbeitsformen, als spekulierende Kleinanleger, als auf Steuersenkungen pochende Wähler, als Teilnehmer im Bildungswettbewerb und vor allem als Träger einer neuen Mentalität der Exklusivität. Interessanterweise ist es nun ausgerechnet das Streben nach Sicherheiten und der Wunsch nach Stabilität, der die Mittelschicht unfreiwillig zur Vollstreckerin problematischer Entwicklungen werden lässt.

Die Mittäterschaft der Mittelschicht soll zunächst an zwei Beispielen, am Beispiel des Bildungswettbewerbs und am Beispiel der Finanzmarktkrise, aufgezeigt werden. Darüber hinaus wird gezeigt, auf welche Weise unterschiedliche Milieus der Mittelschicht zur sozialen Schließung und Ausgrenzung beitragen.

Bumerang-Effekte – Bildungswettlauf und Vermögensvorsorge

Betrachten wir zunächst die Aktivitäten rund um das Bildungsthema. "Die Signalfunktion des Bildungsthemas", wie Heinz Bude es 2010 in einem gleichlautenden Fachartikel nannte, besteht darin, dass Bildung ein Positionsgut ist, ein solches also, welches Vorteile allein aufgrund seiner relativen Exklusivität verschafft. Eltern sorgen sich um den richtigen Platz für ihr Kind im Bildungssystem. Wer das öffentliche Schulsystem in Anspruch nimmt, fragt sich, was zu Hause getan werden muss, um die Schwächen der schulischen Bildung auszugleichen. Häufig werden die nicht unerheblichen Kosten für Privatschulen, Auslandsaufenthalte oder Exzellenzuniversitäten von den Großeltern übernommen. Darin steckt die Logik des Überbietungswettbewerbs, denn neue, höhere Bildungsabschlüsse stufen automatisch die Qualifikationen der anderen herab. Bildungszertifikate werden durch die Bildungsexpansion entwertet. Damit wächst die Gefahr, dass für die Teilnehmer am Bildungswettbewerb lediglich die individuellen Bildungsausgaben, nicht aber die Erwerbschancen steigen.

Noch deutlicher wird die Mittäterschaft der Mittelschicht im Bereich der Vermögens- und Finanzvorsorge. Viele Mittelschichtsbürger fragen sich, wie das eigene Vermögen oder das Ersparte optimal gesichert werden kann, denn schließlich soll es als Altersvorsorge dienen oder an die Kinder weitervererbt werden. Die jüngsten Eurokrisen um Griechenland, Zypern, Spanien und Portugal erschütterten den Glauben in die Geldwertstabilität zusätzlich. Hektisch werden Eigentumswohnungen und Inflationsanleihen erworben. Die Immobilienpreise explodieren und besonders versierte Anleger ziehen auch Silber, Gold und Platin als Wertaufbewahrungsspeicher in Betracht.

Die gegenwärtig angebrochene Ära des Finanzmarktkapitalismus wird also wesentlich auch durch die Mittelschicht getragen und schlägt auf ebendiese zurück. Finanzmarktkapitalismus bedeutet ja zunächst, dass sich die Finanzierung großer Unternehmen von den Kredite gebenden Banken auf Aktienbeteiligungen durch Fonds (auch Renten- und Immobilienfonds) verlagert hat. Unternehmen, die für ihre Geschäfte und ihre weitere Expansion zusätzliches Kapital benötigen, beschaffen sich dies nicht mehr als Kredit von ihrer Hausbank, sondern durch die Ausschüttung von Aktien. Die Voraussetzung dafür, ist die vermehrte Verfügbarkeit von Kapital durch Wachstum auch der Privatvermögen. Und hier kommt die Mittelschicht ins Spiel: Ohne den beträchtlichen intergenerationellen Aufstieg, wie ihn die Mittelschicht in der Bundesrepublik und in anderen hochentwickelten Industrieländern nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte, wäre dieses Wachstum der Vermögen nicht zustande gekommen. Durch den wachsenden Reichtum breiter Bevölkerungsschichten stieg die Nachfrage nach neuen Anlagemöglichkeiten.

Denn wie verhalten sich Personen, die zu Geldreichtum gekommen sind, welche Kalküle verfolgen sie? Rein theoretisch wäre denkbar, dass die Vermögenden mit ihrem Einkommen zufrieden sind, ihre Konsumausgaben erhöhen und Überschüsse spenden. Doch gerade in Deutschland sind die konsumtiven Verhaltensmuster eher nicht verbreitet. Vor allem die Gruppe der sozialen Aufsteiger verspürt nur geringe Neigung, finanzielle Überschüsse zu verausgaben. Gerade sie haben das Muster der aufgeschobenen Belohnung verinnerlicht und sind daher bestrebt, ihr Geld so einzusetzen, dass es ihrem weiteren Aufstieg und der Weitergabe ihres Status in der Generationenfolge dient.

Deshalb übertragen immer mehr Mittelschichtsbürger ihr Geld den Fondsgesellschaften, die bekanntlich höhere Renditen als das klassische Sparbuch bieten, und beteiligen sich so an der Aushöhlung des Wohlfahrtskapitalismus. Das im Überfluss vorhandene Kapital weicht mangels realer Investitionsobjekte auf Anlagen aus, die keine echten Renditen erbringen, sondern in denen das Geld selbst zum Anlageobjekt wird. Falls die Unternehmen die vereinbarten Renditeziele nicht erfüllen, werden sie verkauft oder geschlossen, Arbeitsplätze werden abgebaut oder ins Ausland verlagert. Somit kommt es, wie Christoph Deutschmann dies 2008 in einem Beitrag für die Zeitschrift Leviathan 36 ausdrückt, zu einem "kollektiven Buddenbrooks-Effekt". Im Klartext: Das in Aktien investierte Vermögen der Mittelschicht führt zur Prekarisierung von Arbeit und Arbeitnehmern und damit zur Aushöhlung der Mittelschicht selbst. Die Vorteile der einen sind die Nachteile der anderen.

Szenen der sozialen Ausgrenzung

Aber auch in anderen Hinsichten beteiligen sich Mittelschichtsbürger an problematischen Entwicklungen, z.B. bei der Vertiefung sozialer Spaltungen und Klassengegensätze. Betrachten wir das besonders abstiegsgefährdete Milieu der Facharbeiter. Viele festangestellte Facharbeiter sind der Ansicht, dass der gesellschaftliche Wohlstand besser verteilt werden müsse und dass es momentan in der Gesellschaft nur noch ein Oben und ein Unten gibt. Auch glauben etwa die Hälfte der Befragten, dass die heutige Wirtschaftsweise auf Dauer nicht überlebensfähig sei, und sind der Auffassung, dass Gewerkschaften eine „notwendige Gegenmacht gegenüber Kapital- und Finanzmarktinteressen“ darstellen (Dörre et al 2011: 38).

Merkwürdigerweise bleiben aber das eigene Selbstverständnis und vor allem das eigene Handeln von diesen gesellschaftskritischen Ansichten unberührt. Denn in der konkreten Alltagspraxis lässt sich bei den festangestellten Facharbeitern eher ein Trend zur Entsolidarisierung beobachten. Leiharbeiter werden von dem Club der Festangestellten ausgeschlossen, sie werden als Arbeitnehmer zweiter Klasse behandelt. Als Feindbilder sind unter Facharbeitern auch die Arbeitslosen beliebt. Obwohl Hartz IV als klare Bedrohung auch des eigenen sozialen Status wahrgenommen wird, bleibt die eigene Betroffenheit doch eher hypothetisch. Rund 50 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, „auf Arbeitslose solle größerer Druck ausgeübt“ werden. Hieran zeigt sich, dass trotz starker Gesellschaftskritik eine Wagenburgmentalität vorherrscht, die keine Solidarisierung mit Leiharbeitern oder Arbeitslosen, sondern eine klare Abgrenzung vornimmt.

Weniger offensichtliche, aber ebenso wirksame Formen der Abgrenzung, zeigen sich auch in den großstädtisch-bürgerlichen Milieus der Mittelschicht, die in jeder Hinsicht zu den Gewinnern gesellschaftlicher Entwicklungen gezählt werden können. Seit den 1990er Jahren vollzog die gebildete Mittelschicht einen Gesinnungswandel weg von alternativen Einstellungen hin zu einer klassischen bürgerlichen Mentalität. Das zeigt sich u.a. an dem Wandel vieler städtischer Quartiere. Oberflächlich betrachtet handelt es sich um ehemals „linke“ Stadtteile, also um Stadtteile, in denen viele Personen leben, die für sich beanspruchen, über die richtige linksliberale Gesinnung, Toleranz gegenüber anderen und Sinn für gesellschaftliche Solidarität und das Allgemeinwohl zu verfügen. Sie werden von Personengruppen bevölkert, die sich für Werte wie Gleichheit und Gerechtigkeit, für Ökologie und gesellschaftliche Integration einsetzen.

Vor allem Berlin gilt als Eldorado toleranter Lebensformen. Doch zeigt sich in den urbanen Stadtteilen wie Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Kreuzberg oder Schöneberg, dass die gesellschaftliche Spaltung auch die Linken erfasst hat, zumal die Wohlhabenden unter den „Linken“ längst ins bürgerliche Lager abgedriftet sind. Die ehemalige Linke wird zum Schauplatz neuer Kulturkämpfe um die richtigen Lebensentwürfe innerhalb der eigenen Reihen: Linke Aufsteiger mit Geld und gutem Gewissen stehen linken Aussteigern gegenüber, die an dem Modell festhalten wollen, aktuell jedoch aus ihren urbanen Lebensräumen verdrängt werden. So hat sich Berlin-Friedrichshain in den 1990er Jahren sehr schnell vom Arbeiterviertel zum Szenequartier mit hohem Akademikeranteil entwickelt, mindestens zwei Drittel der Bewohner rund um den S-Bahnhof Ostkreuz sind in den vergangenen Jahren zugezogen. Das Ende der Metamorphose der In-Stadtteile von einer linken Hausbesetzerszene zur urbanen Öko-Enklave wird mit den Touristenströmen besiegelt. Auch deshalb reagierten die Autonomen Linken verstärkt mit Krawallen.

In Berlin-Prenzlauer Berg, einer weiteren Hochburg der jungen, urbanen Dienstleistungseliten, ist die Hälfte der Bevölkerung zwischen 25 und 45 Jahre alt, der Anteil der Akademiker verdoppelte sich seit 1995. Kosmopolitisches Denken und Toleranz findet hier scheinbar eine materiale Grundlage: So liegt der Anteil der Ausländer bei 11 Prozent und damit nur geringfügig unter dem Berliner Durchschnitt. Doch die Zusammensetzung ist eine völlig andere. Die größte Gruppe bilden Franzosen, gefolgt von Italienern, Amerikanern, Briten, Spaniern und Dänen. Eine G8-Bevölkerung, hoch gebildet und in qualifizierter Arbeit. Es gibt zehnmal mehr Japaner als Ägypter und der Anteil der Türken beläuft sich auf 0,3 Prozent. Weder türkische Migranten noch Telecafés prägen das Straßenbild. Man kann sich im Prenzlauer Berg achso tolerant fühlen, weil Toleranz nicht herausgefordert wird. Und Toleranz kann man sich leisten, nicht zuletzt deshalb, weil man sicher ist, dass die eigenen Kinder hier in die richtigen Schulen gehen - nämlich auf Schulen ohne "Migrationsprobleme". Die Zuwanderung wird über den Preis pro Quadratmeter Wohnraum gesteuert. Oder, wie es Henning Sußebach in seiner für das ZEITmagazin LEBEN vom 08.11.2007 vielzitierten Glosse "Bionade-Biedermeier" formulierte: "Prenzlauer Berg ist ein Ghetto, das ohne Zaun auskommt - weil es auch ohne diesen zunehmend hermetisch wirkt."

Beide Beispiele zeugen von einer klaren Selbstabschließungstendenz. Das darunter liegende Handlungsskript lautet: Selbstschutz durch Selbstabschließung, Statuserhalt durch die Herausbildung exklusiver Clubs. Dabei zeigen sich durchaus Milieuunterschiede: Im Milieu der Facharbeiter wird die Abgrenzung nach unten, häufig offensiv, z.B. durch die Denunziation von Arbeitslosen betrieben, wogegen Ausschließungsmechanismen im Prenzlauer Berg, das für das moderne Bürgertum steht, weitaus subtiler aber umso effizienter vollzogen werden. Explizite Abgrenzung und Hetze gegen sozial Schwächere ist tabu. Sie wird über Mieten, Preise und häufig auch den subtilen Rassismus der kulturellen Überlegenheit (ggü. vermeintlich unfortschrittlichen Religionen etc.) betrieben.

Zweitens zeugen beide Beispiele von einem gespaltenen Bewusstsein nach dem Prinzip – gute Moral/schlechte Gesellschaft. Man selbst zählt sich zu den Guten, Toleranten und weiß sich erfüllt vom kritischen Bewusstsein, während es in der „Gesellschaft da draußen“ immer rauer zugeht. Deshalb muss jeder schauen, wo er bleibt – das sind nun mal die Spielregeln. Mittelstandsbürger agieren häufig als Alltagskritiker des Finanzmarktkapitalismus („da draußen“) und seiner Verwerfungen, ohne dass ihr eigenes Selbstverständnis davon berührt wird. Diese Bewusstseinsspaltung kann sich jedoch als trügerisch erweisen. Sie funktioniert nur so lange, wie die „schlechte Gesellschaft“ eben tatsächlich auch draußen bleibt und nicht auf einen selbst zurückschlägt.

Drittens zeigen die Beispiele, dass das "Alternative" nicht mehr als Ort des Widerstandes taugt. Werte wie "Kreativität", "Selbstverwirklichung", "Autonomie" und Expressivität" sind heute den gesellschaftlichen Strukturen in Produktion, Arbeit und Konsum längst einverleibt worden. Sie sind selbst zu Herrschaftsinstrumenten geronnen. So bedienen sich Arbeitsagenturen und Wohlfahrtsinstitutionen zunehmend der Rhetorik der "Selbstverantwortung", um sozialstaatliche Ansprüche abzuweisen. Ob Arbeitslose oder Hartz IV-Empfänger, ob alleinerziehende Mütter oder verarmte Rentner, sie alle werden unter dem Vorzeichen des aktivierenden Sozialstaates (Lessenich 2008) dazu angehalten, sich in erster Linie selbst zu helfen. Vielleicht gelingt es in Zukunft einer nachfolgenden Generation die Widersprüche dieser Mittelstandslogik zu überwinden.

Zuletzt erschienen von Cornelia Koppetsch: "Die Wiederkehr der Konformität" Campus-Verlag 2013


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Kommentare zu diesem Artikel

KOMMENTARE

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blaublütiger hochadel schrieb am 19. März 2014 um 08:08 Uhr:

Zurichtungsmaschine des Menschenmaterials?
Zitat: “Merkwürdigerweise bleiben aber das eigene Selbstverständnis und vor allem das eigene Handeln von diesen gesellschaftskritischen Ansichten unberührt. Denn in der konkreten Alltagspraxis lässt sich bei den festangestellten Facharbeitern eher ein Trend zur Entsolidarisierung beobachten.“
“Merk-würdig” mag das sein, aber keinesfalls ungewöhnlich und deshalb durchaus normal. Nennen wir diesen Vorgang Projektion, die - ja - etwa durch bestehende Sozialgesetze eine strukturierte Verfasstheit findet, dann lassen sich entsprechende Meinungs- und Einstellungsmuster - unter Voraussetzung bestimmter materieller Verhältnisse - nicht nur entwickeln, sondern auch steuern.
Derartige einem Konfliktmanagement zuzuordnende Sozialtechniken sind aus der Organisationstheorie und -praxis durchaus bekannt. So könnte angenommen werden, dass hier nicht nur zufällige Nebenwirkungen, sondern vorläufige Resultate einer bewussten Planung vorliegen. Und da eine solche Zurichtungsmaschine des Menschenmaterials eine Vielzahl an Stellschrauben aufweisen kann, gäbe es entsprechend Möglichkeiten über Möglichkeiten, so zielorientiert in die Denk- und Verhaltensweisen der Menschen einzudringen. Wäre ich der böse König von Deutschland, würde ich mir eine solche Maschine anschaffen.

RH schrieb am 12. März 2014 um 08:19 Uhr:

Die Aufzählung bekannter Fakten, Beispiele aus der Grossstadt, Bildungsproblematik als zentraler Faktor der "Ungerechtigkeit" . . .
Alles gut und schoen - und als Theorien bekannt.
Was sind denn mögliche Lösungsansätze ?
An welchen Stellschrauben ist denn zu drehen um Verbesserungen einzuleiten?
Antwort auf diese Fragen hätte ich mir dann schon zum Ende dieses "Artikels" gewünscht. . . .

Alex Schmitt schrieb am 9. März 2014 um 14:17 Uhr:

Wie üblich ist der "Finanzkapitalismus" an der täglichen Misere schuld und die Menschen machen sich zu Mitschuldigen, weil sie sich dem System unterordnen.
Was hat aber Finanzkapitalismus mit der Bildung zu tun? Nichts. Die Menschen wissen, daß mit einem Berufsabschluß kein sicheres Einkommen mehr zu erwarten ist. Und schon versuchen alle ihre Kinder auf höheres Bildungsniveau zu befördern, in Erwartung eines gutes Einkommens logischerweise. Was ist da eigentlich falsch gelaufen? Die Lohnpolitik der letzten 20-30 Jahre hat versagt, die unteren Lohngruppen wurden abgehängt, die oberen haben sich aber gut versorgt. Von Leiharbeit und Werkverträgen brauchen wir gar nicht zu reden. Ein Berufsanfänger nach 3-jähriger Ausbildung beginnt in öffentlichem Dienst in der untersten Lohnstufe1, ein Einsteiger mit Bachelor nach 3-jahrigem Studium fängt in der Lohnstufe 3, womit läßt sich das begründen? Der Dumme zahlt die Zeche, oder wie?
Die Produktivität in Deutschland lag 2012 nominal bei 45 € pro Stunde, soviel haben die Deutschen pro Stunde alle gemeinsam produziert. Und wie haben sich dementsprechend die Löhne verhalten? Ein Altenpfleger verdient im Schnitt 16 € pro Stunde, die Differenz - 29 € - ist die Rendite des Unternehmers. Ein Werkvertragsarbeiter bei deutschen Automobilhersteller verdient 9 €, die Rendite für das Unternehmen - 36 € pro Stunde. Ein Manager verdiente 14,5 Millionen im Jahr, bei einer 84 Stunden Woche und ohne einen freien Tag hat er pro Stunde 3596 € verdient(?). Dafür sind eben jene 1000 Werkvertragsarbeiter nötig gewesen. Wo bleibt die Rendite?
Der Bruch geht tiefer als bloß Finanzkapitalismus und die Blasen an Börsen, die gerechte Beteiligung am wirtschaftlicher Entwicklung ist für die Mittelschicht verloren gegangen, es gibt nur noch die Oberschicht und den Abgrund.

SH schrieb am 7. März 2014 um 12:37 Uhr:

Sprechen Sie hier wirklich noch von der Mittelschicht? Beziehen sich Ihre Aussagen nicht vielmehr auf Groß- und Spitzenverdiener sowie auf die finanzielle Oberschicht? Die Mittelschicht versucht sich höchstens noch an dem Fehlverhalten der Oberen zu orientieren, ist aber längst unter die skizzierten Räder gekommen.

Heinz der Leiharbeiter schrieb am 7. März 2014 um 09:30 Uhr:

der Passus mit den Leiharbeitern im Text kann man nur zu stimmen es noch viel mehr da zu hinzufügen das fängt ja schon bei Begrüßung am Morgen an oder beim Schichtwechsel an sporadisch wird man angesprochen meistens übergangen. Auch wird man nach der beruflichen Bildung ( habe Facharbeiter Ausbildung Elektro/Elektronik mit allen Pipapo) gefragt oder was so gemacht hatte als Kommentar kommt ist" ja interessant". Noch besser wird es wie viel Kohle bekommst du wenn man darauf Antwortet mit 8,93€ plus 20cent IGZ Zuschlag bist du dabei bekommt als Kommentar ist gar nicht schlecht dabei wird dann überlegen gegrinst.
Als Leiharbeiter kennt nur Ausgrenzung und Herabsetzung von den Festeingestellten da outen die sich als wahre Sklaventreiber. Bei Überstunden hat keine Wahl, ach ja Übernahme am Arbeitsort schöner Träume weiter nichts.

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Prof. Dr. Cornelia Koppetsch
Geboren am 13. 3. 1967 in Werdohl

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