Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 27: Mai/Juni 2014 | Neuseeland – alles andere als ein Wohlstandsparadies

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Sonntag, 18. Mai 2014

Neuseeland – alles andere als ein Wohlstandsparadies

von: Helen Kelly

In Europa gibt es wieder Forderungen nach einer stärkeren Liberalisierung der Wirtschaft, z.B. in Form einer Deregulierung der Arbeitsmärkte oder einer Privatisierung staatlicher Aufgaben. Welche Folgen dies für die Beschäftigten haben könnte, lässt sich abschätzen, wenn man einen Blick auf die Folgen ähnlicher Politiken in Neuseeland wirft. Hierzu zählte unter anderem ein in den 1980er Jahren gestartetes umfassendes Programm, das in diesem Jahr seinen Höhepunkt in der Privatisierung der meisten Stromerzeuger fand. Von der Weltbank wird Neuseeland seit diesen Maßnahmen regelmäßig als eine der „unternehmensfreundlichsten Ökonomien“ der Welt eingestuft.

Die Auswirkungen der Arbeitsmarktderegulierung sind ein Teil der über die letzten Jahrzehnte voran schreitenden und umfassenden Liberalisierungspolitik. Andere Beispiele betreffen die Deregulierung der Bauindustrie in den 1990er Jahren. Danach bestanden für die Bauunternehmen nur noch wenige Restriktionen hinsichtlich des für Neubauten verwendeten Baumaterials. Als Resultat dessen müssen nun Tausende Häuser aufgrund von Feuchtigkeitsschäden grundsaniert werden. Die Kosten hierfür werden auf über 11 Mrd. neuseeländische Dollar geschätzt (1 € = 1,58 NZD). Von 1994 an wurde die Stromindustrie privatisiert und dereguliert und alleine in den letzten Jahren sind die Strompreise für die Verbraucher um 22 Prozent gestiegen. Grundlegende Versorgungsleistungen, wie das Luftverkehrs- und Eisenbahnwesen, wurden privatisiert und ausgeschlachtet. Schließlich musste der Staat die Unternehmen zurückkaufen und sanieren, um zu retten, was noch zu retten war.

Der Arbeitsmarkt

Bis in die 1980er Jahre besaß Neuseeland ein System industrieller Beziehungen, das auf Branchenverhandlungen sowie starken Industriegewerkschaften und Arbeitgeberverbänden basierte. Zudem genoss das Tarifverhandlungssystem einen starken staatlichen Rückhalt. Dieses System wurde durch eine Reihe von Maßnahmen aufgelöst, insbesondere im Jahr 1991, als praktisch alle Beschäftigungsverhältnisse quasi ‚über Nacht’ dereguliert wurden. Das Ergebnis war, dass nahezu 80% aller Beschäftigten in ein System direkter, individueller Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wechselten. Das bewirkte einen dramatischen Niedergang der Mitgliedszahlen der Gewerkschaften und der Kollektivverhandlungen. Während dieser Zeit beruhten die meisten Beschäftigungsverhältnisse auf individuellen Verträgen ohne jeglichen Einfluss der Gewerkschaften. Es gab keine gesetzlichen Mittel zur Anerkennung von Gewerkschaften und auch das Streikrecht war hochgradig reguliert. Im Jahr 2000 wurde zwar ein neues Gesetz erlassen, das auf vertrauensvolle Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern abstellte, in der Realität blieben Kollektivverhandlungen für die meisten Beschäftigten jedoch weiterhin nur auf Unternehmensebene möglich. Das Gesetz reichte nicht aus, um das Kollektivverhandlungssystem wieder herzustellen und die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften liegen im Privatsektor heute auf einem Rekordtief von nur 12%.

Kollektivverhandlungen sind der einzige Weg, der den Beschäftigten zur Verfügung steht, um auf die Einkommensverteilung Einfluss zu nehmen. Im letzten Jahr erhielten 46% der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Neuseelands überhaupt keinen Lohnzuwachs. Nahezu ein Drittel der Beschäftigten erhält gerade oder annähernd den Mindestlohn und zwei Drittel verdienen weniger als den Durchschnittslohn. Die Lohnquote ist im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte dramatisch gefallen und ist nun eine der niedrigsten in der OECD, lediglich unterboten von Mexiko, der Türkei und der Slowakei. Zugleich wächst die Ungleichheit schneller als in den meisten anderen OECD-Ländern. Über 265.000 Kinder leben unterhalb der Armutsgrenze, wobei eines von drei dieser Kinder in einem Haushalt mit einer vollzeitbeschäftigten Person lebt.

Das ist aber noch nicht alles. Die Deregulierung des Arbeitsmarkts hatte dramatische Auswirkungen auf die Arbeitssicherheit. Die Rate der Arbeitsunfälle ist in Neuseeland sechsmal so hoch wie in Großbritannien, denn mit dem Arbeitsrecht wurde zugleich auch der Arbeits- und Gesundheitsschutz dereguliert. Zusammen mit dem Mangel an gewerkschaftlicher Vertretung und unzureichenden Arbeiterrechten hatte diese Entwicklung verheerende Folgen. So gab es eine Reihe aufsehenerregender Unfälle. Im Jahr 2010 kam es in einem Minenbergwerk nach nur einem Jahr im Betrieb zu mehreren Explosionen, bei denen 29 Bergleute ums Leben kamen. Die Bergbausicherheit war in den 1980er Jahren mit dem Abbau von Regulierungen für den Bergbau und der Einschränkung des Inspektorats auf nur einen Bergbauinspektor pro Mine dereguliert worden. Obwohl von den Bergleuten über 200 Beinahe-Unfälle und Sicherheitsvermerke gemeldet worden waren, wurde nichts unternommen, um die Sicherheit der Mine zu gewährleisten. Als sich die Explosion ereignete, existierte weder ein zweiter Ausgang, über den die Bergleute hätten entkommen können, noch gab es Sicherheitsbereiche mit Frischluft, in die sie sich hätten retten können. Es gab auch kein angemessenes Gasfrühwarnsystem, obwohl die Mine allgemein als gashaltig galt. Von den verantwortlichen Minenbetreibern wurde niemand zur Rechenschaft gezogen.

Beispiel Forstwirtschaft

Die Forstwirtschaft Neuseelands stellt ein weiteres, allerdings weitaus weniger offenkundiges Beispiel dafür dar, wie sich die Deregulierung auf die Beschäftigten auswirkt. Nach der Deregulierung in den 1980er Jahren wurden die vormals staatlichen Wälder privatisiert und dann weiterverkauft. Infolge der damit verbundenen Fragmentierung wird diese Industrie – die hinsichtlich der Exporteinkünfte Neuseelands an dritter Stelle liegt – nun von neun großen und überwiegend in ausländischem Besitz befindlichen Investmentgesellschaften kontrolliert. Darunter beschäftigen über 300 kleine Vertragsunternehmen die rund 6.500 Holzarbeiter. Die Deregulierung hatte zur Folge, dass diejenigen, die die Arbeit machen, nun zwei Subebenen von denen entfernt sind, die von der geleisteten Arbeit profitieren. Die beschäftigenden Vertragsfirmen wiederum werden in einem Preiswettbewerb gegeneinander ausgespielt. Die Konsequenz sind sehr schlechte Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen.

Die Holzarbeiter hatten eine gewerkschaftliche Vertretung, die allerdings im Zuge der Deregulierung und Privatisierung verschwand. In einer solchen Industrie und im Kontext eines Beschäftigungssystems, das auf unternehmensbezogenen Verhandlungen basiert, wurde die Aufrechterhaltung einer Industriegewerkschaft unmöglich. Die Gewerkschaft brach dann auch zwangsläufig zusammen und existiert nun nicht mehr. Der Lohnanteil in der Forstindustrie ging währenddessen von 70% in den späten 1980er Jahren auf gerade einmal 19% heute zurück. Forstarbeiter haben nun extrem lange Arbeitszeiten bei sehr niedrigen Löhnen. Die anschaulichste Art zu beschreiben, wie das Leben eines Forstarbeiters heutzutage aussieht, ist anhand der Geschichte eines der zehn Arbeiter, die im letzten Jahr in unseren Wäldern ums Leben kamen. Charles Finlay arbeitete 27 Jahre im Wald. Am Abend bevor er ums Leben kam, war er um 18 Uhr nach Hause gekommen. Um 3 Uhr morgens stand er wieder auf, um gegen 4 Uhr mit der Arbeit zu beginnen. Um 5:30 Uhr, noch bevor es hell war, war er tot. Es war mitten im Winter an einem dunklen Ort zu Beginn seines 11-Stunden-Tages. Charles verdiente nach all den Jahren 16 Dollar (9,90€) die Stunde. Seine Geschichte ist kein Einzelfall. Charles hinterlässt Zwillinge im Alter von 10 Jahren und einen 22 Jahre alten Sohn.

Forstarbeiter arbeiten unter extremem Produktionsdruck. In der Regel werden sie weder für die Fahrtzeiten (oft benötigen sie über eine Stunde pro Fahrt zur Arbeit) noch für schlechtwetterbedingte Arbeitsausfälle entlohnt. Für die meisten Arbeiterinnen und Arbeiter in Neuseeland gibt es – solange keine Tarifvereinbarung besteht – keine Begrenzung der maximalen Arbeitszeit. Die Arbeit wird pauschal und nicht nach geleisteten Stunden entlohnt. Es besteht ein deutlicher Anreiz, Arbeitskräfte mit sehr langen Arbeitszeiten und sehr geringen Löhnen zu beschäftigen. Neuseeland verfügt über eines der weltweit führenden Systeme der Unfallentschädigung für Beschäftigte. Im Gegenzug zu einer verschuldensunabhängigen Versicherung, die über den ganzen Tag sowohl bei der Arbeit als auch zu Hause besteht, gibt es in Neuseeland kein Recht, wegen eines Unfalls zu klagen. Solange die Beschäftigten keinen Anlass zu einer Klage haben, ist dies grundsätzlich vorteilhaft. Das Gegenstück zu dieser Regelung sollte allerdings eine rigorose Überwachung der Sicherheits- und Gesundheitsstandards sein, die gemeinsam mit Durchsetzungsmechanismen eine strafrechtliche Verfolgung von Arbeitgebern, die ihren Pflichten nicht nachkommen, ermöglicht. Wie oben jedoch dargestellt, wurde dieses System ebenfalls nieder gerissen bzw. „modernisiert“, so dass sich Arbeitgeber „selbstregulierend“ verhalten und der Staat nur geringfügig eingreifen sollte. Dies hatte zur Folge, dass nur sehr wenige Arbeitgeber in der Forstwirtschaft strafrechtlich verfolgt wurden und nicht ein Waldbesitzer angeklagt wurde.

Von den insgesamt relativ wenigen Forstarbeitern kamen seit 2009 28 ums Leben und über 900 wurden schwer verletzt. Zwar ist die Forstindustrie bei weitem die gefährlichste in Neuseeland, die Rate der Arbeitsunfälle ist aber durchweg hoch. Einer Gewerkschaft beizutreten, ist für die Forstarbeiter ein Risiko. Die Chancen, durch Kollektivverhandlungen die Sicherheitsstandards zu erhöhen, sind überaus gering. Es gibt keinen „trickle down“-Effekt in dieser Industrie und die Deregulierung des Arbeitsmarktes war für die Arbeitskräfte ein Desaster.

Tatsächlich zahlen einige der produktivsten Industrien Neuseelands die niedrigsten Löhne. Die exportorientierte Landwirtschaft ist zum Beispiel völlig gewerkschaftsfrei, hat sehr niedrige Löhne, extrem lange Arbeitszeiten und eine fürchterliche Unfallbilanz.

Beispiel Bausektor

Die Bauindustrie ist ebenso gewerkschaftsfrei und durch Vergabeverhältnisse geprägt. Im Zuge des Wiederaufbaus von Neuseelands größter Stadt Christchurch nach dem schweren Erdbeben sind in der Bauindustrie wieder Jobs zu haben. Zugleich verweist der Wiederaufbau von Christchurch auf einen weiteren Bereich, der den Deregulierungspolitiken der vorherigen und der jetzigen Regierung zum Opfer gefallen ist: die Industrieausbildung

Neuseeland hat keine aktive Arbeitsmarktpolitik und wird in internationalen Studien als ein Land mit sehr geringem Beschäftigungsschutz klassifiziert. In den späten 1980er Jahren wurden die Planung, das Management und die Kontrolle der industriellen Ausbildung der Industrie überlassen. Dies führte zu einem starken Rückgang der Ausbildungsplätze und dementsprechend zu einem erheblichen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. In einigen unserer grundlegendsten Berufe haben wir sehr wenige Auszubildende und die Industrie ruft nach vermehrter Zuwanderung, um die Lücke zu schließen. Gleichzeitig haben wir eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit.

Unglaublich ist beispielsweise, dass in einem Land mit einem großen Tourismussektor, einschließlich einer teuren Gastronomiebranche, im letzten Jahr lediglich 80 Personen registriert waren, die eine formale Ausbildung zum Koch/Köchin abschlossen, die zur Führung einer Restaurantküche qualifiziert. Hinsichtlich einer vergleichbaren Bäckereiausbildung waren es nur 30 Personen. Beide Branchen werben für Zuwanderungsrechte und beschäftigen zugleich eine große Zahl heimischer Arbeitskräfte ohne Ausbildung.

Überall im Bausektor ist die Knappheit ernsthaft. Beim Wiederaufbau von Christchurch sind über die Hälfte der Arbeitskräfte über Leiharbeitsverträge beschäftigt. Der Wiederaufbau wird von einer kleinen Zahl großer Baufirmen dominiert, die wiederum kleinere Unternehmen mit der Durchführung beauftragen. Und letztere nutzen dann die Leiharbeit. All dies resultiert aus einer zu geringen Beschäftigungssicherheit, die keine ausreichenden Qualifizierungsanreize bietet. In Zeiten einer hohen Nachfrage hält dies natürlich auch die Löhne niedrig, da Beschäftigte, die möglicherweise Kollektivverhandlungen anstreben, leicht entlassen werden können. Die langfristige Aussicht für die Bevölkerung Neuseelands ist dementsprechend die einer Ökonomie, welche auf niedrigen Löhnen und geringen Qualifikationen basiert. Durch die Deregulierung des Arbeitsmarktes wurden die Anreize, Arbeitskräfte auszubilden, verringert. In der Abwesenheit von Industrielöhnen, finden sich ausbildende Arbeitgeber mit dem Problem konfrontiert, dass die dann qualifizierten Arbeitskräfte schnell von anderen, nicht ausbildenden Arbeitgebern mithilfe etwas höherer Löhne abgeworben werden. Einerseits beschäftigen die Arbeitgeber, die am besten in der Lage wären auszubilden (die großen Bauunternehmen), selbst nur einen geringeren Teil der Arbeitskräfte. Und andererseits haben zahlreiche Arbeitskräfte (Leiharbeitskräfte) keinerlei Garantie auf eine dauerhafte Beschäftigung. In der Konsequenz werden die Planungsmöglichkeiten hinsichtlich einer qualifizierten Arbeiterschaft ernsthaft eingeschränkt. Ohne industrieweite Verhandlungen gibt es auch keine starken Arbeitgeberverbände mehr und es existiert nicht einmal mehr ein Forum, in dem derartige Diskussionen entwickelt werden könnten.

Neuseeland hat eine ganze Menge zu bieten. Es ist dünn besiedelt, liegt in einem schönen Teil der Welt, das allgemeinbildende Schul- und das Gesundheitssystem sind ausgezeichnet und die soziale Sicherung vergleichsweise hoch. Ohne Institutionen, welche die Interessen der Arbeiterschaft fördern, sind diese Stärken weniger wert. Niedrigere Löhne führen zu niedrigeren Steuereinnahmen und einer erhöhten Nachfrage nach Unterstützungsleistungen, um die Lücke zwischen Löhnen und Lebenshaltungskosten zu schließen. Längere Arbeitszeiten belasten die Familien und entziehen den Gemeinden Ressourcen. Verletzte oder ums Leben gekommene Arbeiterinnen oder Arbeiter stürzen Familien ins Unglück. Eine hohe Konzentration des Reichtums bringt die Wirtschaft aus dem Gleichgewicht und unterwirft sie noch stärker der Einflussnahme durch die Vermögenden. Geringe Ausbildungsinvestitionen lassen ganze Generationen mit wenig Hoffnung auf ein angemessenes und interessantes Arbeitsleben zurück. Wir hoffen, in Europa ausgewogenere Modelle der wirtschaftlichen Entwicklung und der industriellen Beziehungen zu finden. Deutschlands Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen jeglicher Rhetorik widerstehen, die auf eine Verringerung ihrer Mitsprachemöglichkeiten am Arbeitsplatz und ihrer politischen Macht in der Gemeinschaft abzielt. Und wenn es der Nachhilfe bedarf, warum diese Errungenschaften wichtig sind – dann schaut nach Süden!

(Übersetzung aus dem Englischen: Stefan Beck)

 

Das Original in Englisch:

A prediction of the likely outcomes for European workers from demands for more “economic freedom” including by deregulation of the labour market and privatisation of state functions can be made from a quick look at what has happened to New Zealand workers following similar polices.  New Zealand is rated regularly as one of the most “business friendly economies” in the world by the World Bank following these policies including a massive privatisation programme which started in the 1980s and has culminated this year with the sale of most of our power generators.  

In this article I will primarily cover the impact of the deregulation of the labour market but this is only one piece of what has been and ongoing and comprehensive “liberalisation” policy over the last few decades.   Other examples include for instance,  the building industry which was deregulated in the 1990’s leaving builders with few restrictions on the type of building materials used for new homes, resulting in thousands of houses now having to be practically rebuilt as they have started to leak at a cost estimated to be over 11 Billion NZ dollars.  The electricity industry was privatised and deregulated from 1994 and in the last 6 years alone power prices to consumers have increased by 22 per cent. Essential service such as the airline and railway system were privatised, asset stripped and run into the ground only having to be repurchased and rebuilt by the Government to avoid losing them altogether, and there are numerous other examples I could focus on.

The Labour Market

Until the 1980’s New Zealand had an industrial relations system which was based around industry level bargaining, strong industrial unions and employer organisations underpinned by strong state support for collective bargaining. This was all dismantled through a range of measures with the most extreme being in 1991 where all employment relationships were deregulated almost overnight with the result being that almost 80% of NZ workers moved to direct individual bargaining between employers and employees. This saw a dramatic decline in union membership and collective bargaining. During this time most employment agreements were in the form of individual contracts without any union engagement at all. There was no facility in the law to recognise unions and strike action was highly regulated. In 2000 new law was introduced based on good faith negotiations between unions and employers but in reality collective bargaining continued to remain possible only at the enterprise level for most workers. This new law failed to restore collective bargaining and union membership sits at record lows of 12% in the private sector today.

Collective bargaining is the only distribution mechanism for workers available and without it, as the New Zealand economy shows, the results are disastrous. Last year 46% of New Zealand workers received no pay increase at all on their wages. Almost 1/3 of New Zealand workers earn on or near the minimum wage with 2/3rds below the average wage. New Zealand worker share on income has fallen dramatically over the last two decades and is now one of the lowest in the OECD with only Mexico, Turkey and the Slovak Republic getting less of a share, and we have one of the fastest growing rates of inequality in the OECD. Over 265,000 children live below the poverty line and 1 in 3 of these kids live in households that have a full time worker living in it.

But that’s not all.  The deregulation of the labour market has had a terrible impact on the safety of our workers.  The New Zealand workplace accident rate is 6 times as high as the UK.  At the same time as labour law was deregulated, so was the health and safety law and this combined with the lack of unions and work rights has been devastating.  We have had our share of high profile accidents.  In 2010 an underground mine exploded after just one year in operation, killing 29 men.  Mining safety was deregulated with the removal of the mining regulations in the 1980’s and the shrinking of the inspectorate to just one mine inspector during the period.  Despite workers in the mine making over 200 near miss or safety notifications in the period, nothing was done to ensure the mine was safe.  It exploded without any second exit for the miners to escape, without any area in the mine for safe retreat where fresh air would be available and without any gas monitoring system of note in a mine widely known as “gassy”.  Every person associated with running the mine has walked away without conviction. 

Our New Zealand forestry sector provides a much more hidden example of how deregulation impacts on working people.  Deregulated in the 1980s, the previously state owned forests were privatised and then sold again.  The fragmentation has resulted in this industry which is the third biggest export earner in New Zealand, being controlled by 9-10 large mainly foreign investment company owners, and over 300 small contract companies that employ the labour to harvest these trees.  There are about 6,500 employees doing this work.  Deregulation has meant those doing the work are now 2 steps removed from those benefitting from the labour and those doing the employing (the contractors) being played off against each other for price resulting in a very poor set of work circumstances for harvest workers.

Forestry workers use to have a union.  This disappeared with the deregulation and privatisation.  Retaining industrial organisation across and industry like this within an employment regime based on enterprise negotiations was impossible and inevitably even the union collapsed and now no longer exists.  The share of income from forestry going to forestry workers has declined over that period from 70 percent in the late 1980’s to just 19% today.  Forest workers now work extremely long hours for very low wages.  The best way to describe what life is like now for a forestry worker is through the story of one of the ten killed in our forests last year.  Charles Finlay had worked 27 years in the bush.  On the night before he was killed he had got home at 6pm from work.  He was up again at 3 in the morning as he started work at 4am.  He was dead by 5.30am before the light was even up.  It was the middle of winter, on an unlit site at the beginning of his 11 hour day.  Charles earned on $16 per hour (9.90 Euro) after all those years.  His story is not an exception.

Forestry workers work under extreme production pressure.  They are generally not paid for driving time (often driving over an hour each way to work) or when work is called off in bad weather.  For most workers in New Zealand (unless they have a collective agreement) there are no maximum hours of work and all hours worked are paid on a flat rate.  The incentives to engage the workforce for very long hours on very low wages are significant.  New Zealand has a world leading Worker Accident Compensation Scheme.  In exchange for a “no fault” 24 hours, comprehensive home and work scheme, there is no right to sue in this country for accidents.  While this is generally good for workers not to have to sue, the counter balance to this scheme was meant to be a rigorous health and safety inspectorate that along with enforcing safety systems could prosecute in criminal law, employers that fail in their duties.   As explained earlier, this system was also run down and “modernised” with the idea that employers would “self regulate” and that the Governments role should be “light handed”.  This has meant very few forestry employers have been prosecuted and not one single forest owner has faced charges.

28 forestry worker have been killed in this small workforce since 2009 and over 900 have been seriously injured.  While forestry is by far the most dangerous industry in New Zealand, our workplace accident rate is extremely high overall.  For forestry workers, joining a union is a risk not a right, and the chances of improving safety through collective negotiations of any form are remote.  There is no “trickle down” economics at play in this industry and the deregulation of the labour market has been a disaster for these workers.

Charles leaves behind 10 year old twins and a 22 year old son.

In fact some of New Zealand’s most productive industries pay the lowest wages.  Farming for example – with milk as our biggest export, is completely de-unionised and has very low rates of pay, extremely long hours of work and a terrible accident record. 

Construction is also de-unionised and contracted.  With the rebuild of New Zealand’s biggest city (Christchurch) underway following a massive earthquake, construction is an industry where jobs are available.  And the rebuild of Christchurch highlights another victim of the deregulation policies of the current and previous Governments – industry training.

New Zealand has no active labour market policies and is noted in international studies as a country with very little employment security protection.  Industry training was handed over to industry to plan, manage and control in the late 1980’s.  This resulted in a huge decline in training opportunities and consequently now, large skill shortages.  In some of our most basic roles we have very few trainees and industries are calling out to fill the gap with migration.  At the same time we have very high youth unemployment and high unemployment generally (6.2%).

Unbelievably, for example in a country with a huge tourism sector including an expansive restaurant industry, only 80 people are recorded as graduating with a formal cooking qualification of a sufficient level to run a restaurant kitchen last year and only 30 with an equivalent baking qualification.  Both these industries are lobbying for migration rights and employ huge numbers of Kiwi workers not in training.

Throughout construction the shortages are severe.  Over half the workforce involved in the Christchurch rebuild are engaged on labour hire contracts.  The rebuild itself is dominated by a small number of large construction firms who then engage smaller companies to do the building work. These companies then use labour hire workers.  All of this results in insufficient security of employment for workers to get training and of course keeps wages down in the a time of high demand by providing a mechanism for easy dismissal of workers that might seek to collectively negotiate.  The long term result for the NZ population of this is the prospect of a low wage, low skill economy.  With deregulation of the labour market the incentives to train workers are reduced.  Without industry wages employers who do train workers find they are quickly recruited by those that don’t for a few dollars more per hour? With those in the best position to train (the major construction companies) not actually employing the majority of the workforce and with large groups not even having the guarantee of ongoing employment (labour hire workers), the ability to plan for a trained workforce is severely reduced.  Without industry bargaining, strong employer organisations no longer exist and there is not even a forum for these discussions to develop. 

New Zealand has a lot to recommend it.  It is sparsely populated, situated in a beautiful part of the world, has a great general education and health system and relatively strong social protection.  However without institutions to promote workers interests this is being eroded.  Lower wages means lower taxes and more demands for tax subsidies to bridge the wage/living cost gap.  Longer hour’s leaves families stressed and communities under resourced.  Injured and killed workers leaves families in turmoil.  High concentrations of wealth leaves the economy unbalanced and subject to more policy capture by those that hold the wealth.  Low investment in training leaves a generation with little hope of a decent and interesting working life.  We look to Europe for more balanced models of economic development including in industrial relations systems.  German workers must resist any rhetoric aimed to reduced systems that give workers a voice at work and political power in the community and if you need a lesson to work out why – look southwards!


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Kommentare zu diesem Artikel

KOMMENTARE

GEGENBLENDE schrieb am 20. Mai 2014 um 20:03 Uhr:

Wir werden die Originalversion zum Ende der Woche der Übersetzung anfügen und somit an der selben Stelle veröffentlichen. Die Redaktion
Jozef Mampuys schrieb:
Ich finde diesen Artikel sehr interessant. Ist es möglich diesen Artikel auf Englisch zu bekommen? Ich bin Belgier und wohne in Flandern. Viele meiner Landsleute kennen ungenügend Deutsch um diesen artikel ohne probleme lesen zu können.

Jozef Mampuys schrieb am 20. Mai 2014 um 19:19 Uhr:

Ich finde diesen Artikel sehr interessant. Ist es möglich diesen Artikel auf Englisch zu bekommen? Ich bin Belgier und wohne in Flandern. Viele meiner Landsleute kennen ungenügend Deutsch um diesen artikel ohne probleme lesen zu können.

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