Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 26: März/April 2014 | Leistung - Das Endstadium der Ideologie

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Montag, 31. März 2014

Leistung - Das Endstadium der Ideologie

Eine kritische Betrachtung des Leistungsbegriffs und seiner Implikationen

von: Dr. Lars Distelhorst

Die heutige Gesellschaft gilt gemeinhin als Leistungsgesellschaft. Darauf können sich trotz konkurrierender soziologischer Termini wie Spaßgesellschaft, Singlegesellschaft, Risikogesellschaft, etc. alle einigen. Von der Bildzeitung bis zu aktuellen Publikationen renommierter Wissenschaftsverlage wird zum Begriff der Leistungsgesellschaft eine Geschichte erzählt und mit solcher Vehemenz wiederholt, dass sie zum nicht länger hinterfragten Allgemeingut geworden ist. In kurzen Worten funktioniert sie wie folgt:

Sie beginnt mit einem nostalgischen Stoßseufzer, mit dem Verweis, früher seien die Arbeitstage zwar länger gewesen, hätten dafür mit Verlassen der Fabrik aber auch ihr Ende gefunden. Dies sei heute vollkommen anders. Nachdem wir die Tür des Büros zugeworfen hätten, würden wir nicht länger ins Reich der Freizeit treten, sondern in die zweite Halbzeit des Arbeitstages, die daraus bestünde, liegengebliebene Mails zu beantworten, noch ausstehende Telefonate zu erledigen, Profile in sozialen Netzwerken zu pflegen und Arbeiten zu erledigen, für die wir Ruhe und Zeit brauchen. Auch wer nicht über einen solchen Tag verfügt und nach acht Stunden lediglich die Tür hinter sich zuzieht, klagt gemeinhin über die immense Verdichtung moderner Arbeitsabläufe und hohen Erwartungsdruck aus den übergeordneten Instanzen der internen Hierarchie.

Das zentrale Problem dieser Narration ist nicht die Frage, ob an ihr etwas dran ist oder nicht. Die Schwierigkeit liegt vor allem in dem von ihr durchgesetzten Kunstgriff, Arbeitsprozesse vor der hoch ideologischen Folie Leistung zu interpretieren. Um die Frage zu beantworten, was sich dahinter verbirgt, ist es zunächst notwendig, sich näher mit dem Begriff Leistung auseinanderzusetzen. Er wird in der aktuellen Debatte vor allem in Sozialphilosophie, Politik und Wirtschaft verhandelt.

Leistung in Theorie und Praxis

Der wohl bekannteste Vertreter der deutschen Sozialphilosophie, Axel Honneth, kommt nach langer Herleitung über das Frühwerk Hegels schließlich zur Feststellung, bei Leistung handle es sich neben Liebe und Recht um eine der drei für die Sozialintegration verantwortlichen Anerkennungssphären der Gesellschaft. Sein Verständnis von Leistung ist dabei durchaus reizvoll. Sie bestünde in dem Beitrag, den der Einzelne für die Gesellschaft leistet und müsse dementsprechend entlohnt werden, wenn es nicht zu sozialen Zerwürfnissen kommen soll. Den Ergebnissen des NEF (eines Zusammenschlusses kritischer englischer Ökonomen) zufolge zerstört ein Banker für jedes ihm als Lohn gezahlte Pfund 7 Pfund gesellschaftlichen Reichtum, ein Werbefachmann 11,5 und ein Steuerberater gar 47, wohingegen eine Krankenschwester für jedes Pfund ihres Lohns 12, eine Putzkraft 10 und ein Müllmann 12 Pfund für die Allgemeinheit erwirtschaftet. Der anerkennungstheoretische Leistungsbegriff liegt aus dieser Sicht fernab jeder Realität und trägt zur Klärung seines Gegenstandes nichts Entscheidendes bei.

Politisch betrachtet ist dem Leistungsbegriff ebenso wenig abzugewinnen. In den Programmen der relevanten Parteien (CDU, SPD, Grüne, Linke) wird zwar gerne darauf verwiesen, Leistung solle sich auszahlen, teilweise wird sie gar als Wertvorstellung bezeichnet, etwas substanzielles ist aber nicht zu finden. Dies gilt auch für den Koalitionsvertrag, indem der Begriff nicht einmal Erwähnung findet. Die CDU wiederholt in ihrem Regierungsprogramm 2013-2017 zwar gebetsmühlenartig, Leistung müsse sich lohnen, bleibt jedoch die Erklärung schuldig, von was sie eigentlich redet. Aus politischer Sicht scheint sich der Leistungsbegriff von selbst zu erklären oder zum allgemeinen Wissensbestand zu gehören und keiner Erläuterung zu bedürfen.

Bleibt die Wirtschaftswissenschaft: doch auch die hat nichts beizusteuern. Laut dem Gabler (einem wirtschaftswissenschaftlichen Standardlexikon) ist Leistung entweder das Ergebnis eines betrieblichen Erzeugungsprozesses, der mengenmäßige Output oder der bewertete mengenmäßige Output des Produktionsprozesses. Letzteres dürfte einen Unternehmer am meisten interessieren. In diesem Zusammenhang erscheint der Begriff der Leistung vor allem als Gegenbegriff zu den Kosten und ist mittlerweile vom zweckmäßigeren Begriff des Erlöses abgelöst worden. Entscheidend ist schließlich die Frage, wie viel Geld am Ende der Rechnung herauskommt. Solange dieser Betrag stimmt, dürfte es jedem Unternehmer egal sein, wie sehr die Leute sich dabei angestrengt haben.

Leistungssuche im Leistungsdiskurs

Damit steht man vor dem interessanten Problem, dass die Protagonisten des Leistungsdiskurses außerstande sind, zu definieren, was sie meinen. Nimmt man den Leistungsbegriff ernst und versucht, seine möglichen Bedeutungen nachzuspüren wird deutlich, dass der Grund für das Schweigen der einschlägigen Diskurse in der Substanzlosigkeit des Begriffs Leistung selbst zu suchen ist.

Da die Geschichte von der Leistungsgesellschaft von der Behauptung lebt, die Menschen würden heute durch den Zwang, sich gegenseitig in ihren Leistungen zu übertreffen, auch zueinander in Konkurrenz gesetzt, was ihnen dann ein Anrecht auf ein entsprechend großes Stück vom Kuchen verschaffe, so ist der Leistungsbegriff konstitutiv an einige Voraussetzungen gebunden. Die Leistung eines jeden muss erstens quantifiziert werden, zweitens in ein Verhältnis zu den Leistungen anderer gesetzt (die vollkommen anderer Art sein können) und drittens in ein gerechtes Verhältnis zu den zur Verteilung stehenden gesellschaftlichen Gütern gesetzt werden (Kuchen). Jede Rede von Leistung wird dadurch dort, wo sie mehr sein soll als leeres Gerede, an die zwingende Notwendigkeit gebunden, ein schlüssiges Verfahren zu präsentieren, wie Leistungen unterschiedlichster Art berechnet und verglichen werden können. Dabei fallen vor allem zwei Probleme ins Auge.

Buchcover Leistung

Lars Distelhorst, Leistung. Das Endstadium der Ideologie (Januar 2014)
transcript Verlag

Leistung qua Kraft oder Persönlichkeit?

Wird als irreduzibler Kern einer jeden Leistungsberechnung die der Physik entlehnte Formel Leistung ist gleich Energie durch Zeit angenommen, besteht das erste in der Schwierigkeit, eine Antwort darauf zu finden, in welcher Einheit eigentlich gemessen werden soll. Worin besteht die Energie eines arbeitenden Menschen, was gilt als Arbeitszeit und was nicht und was macht eigentlich ein gutes Endergebnis aus? Und wie kann dies für die erforderlichen Berechnungen operationalisiert werden? Vor der Komplexität dieser Fragen wird jeder Versuch der Berechnung scheitern und als Folge der Notwendigkeit zur Reduktion seinen Gegenstand verfehlen.

Das zweite Problem schließt an das erste an und spitzt es dramatisch zu. Mit dem Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft haben sich Arbeitsverhältnisse durchgesetzt, in denen die komplette Persönlichkeit zum Produktionsfaktor geworden ist. Die Arbeitskraft setzt sich nicht länger wie bei Marx aus körperlichen Fähigkeiten plus Wissen zusammen, also aus koordinierter Muskelkraft, sondern schließt die Fähigkeit, auch bei schlechter Laune nett zu lächeln ebenso ein wie Empathie, Offenheit für Neues, müheloses Knüpfen neuer Kontakte und das Schwimmen in sozialen Netzwerken (on- und offline). Die Arbeitskraft eines Menschen zu berechnen würde aus dieser Sicht erfordern, seine komplette Persönlichkeit einer exakten Quantifizierung zu unterziehen. Das dies nicht möglich ist, liegt auf der Hand.

Quantifiziert, berechnet und Papier produziert wird natürlich trotzdem. Doch hat dies nichts mit Leistung zu tun. Wenn die Performance eines Verkäufers durch eine Kundenevaluation und seine Verkaufsbilanz gemessen wird, geht es nicht um seine Leistung. Dies könnte im Gegenteil z.B. zu der verwirrenden Einsicht führen, er würde zwar weniger verkaufen als sein Kollege, sich aber im Verhältnis zu seiner Arbeitskraft (Persönlichkeit) wesentlich mehr anstrengen als dieser, weshalb er relativ gesehen mehr geleistet hätte. In der Realität passiert genau das Gegenteil. Wer zu wenig verkauft und als unfreundlich gilt, wird binnen kurzer Zeit wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und zur Klärung der Frage, welche Mitglieder der Belegschaft dieses Schicksal ereilen wird, ist die Berechnung ihrer Arbeitskraft vollkommen gleichgültig, da nur der Output interessiert.

Ist Leistung nur Output?

Dies war während der letzten 200 Jahre des Kapitalismus bereits der Fall und wird es auch weiterhin sein, solange nicht eine andere gesellschaftliche Ordnung an dessen Stelle tritt. Die Rede von der Leistungsgesellschaft zeugt demnach nicht von einer Veränderung der Produktionsbedingungen. Vielmehr handelt es sich um einen folgenschweren ideologischen Richtungswechsel, der vor allem in drei Momenten zu suchen ist.

Menschen in Callcentern, Zeitarbeitsfirmen oder im Niedriglohnsektor leiden nicht unter Leistungsdruck, sondern unter Ausbeutung. Ist letztere ein Verhältnis, in dem sich der Einzelne, das Unternehmen und die Gesellschaft gegenüberstehen (mit ein wenig Glück noch eine Gewerkschaft), also ein in Ungleichverteilung, asymmetrischen Machtbeziehungen und Zwang wurzelndes soziales Phänomen, das den Ausgangspunkt für politische Auseinandersetzungen darstellt, verhält sich dies bei Leistung ganz anders. In klassisch neoliberaler Manier individualisiert sie das soziale Phänomen der Ausbeutung, indem sie es auf die Frage reduziert, wer zu welcher Anstrengung bereit ist. Wer sich früher weigerte, in einem Ausbeutungsverhältnis durch individuelle Bemühungen auch noch zu kooperieren und Dienst nach Vorschrift machte, gilt nun als faul, da jeder politische Aspekt seines Verhaltens durch den Leistungsbegriff getilgt wird. Von dieser Dynamik sind auch all jene betroffen, die sich selbst zu 15-Stunden Arbeitstagen zwingen, auch wenn sie sich selbst ausbeuten, was zu einer stärkeren Internalisierung der zugrunde liegenden sozialen Herrschaftsmechanismen führt.

Zweitens verdeckt sie ein Phänomen, unter dem jede Gesellschaft zu leiden hat, deren Zentrum um die Bewegung des Kapitals arrangiert ist. Marx beschrieb das Kapital als eine Bewegung, die er in der kleinen Formel G-W-G’ zusammenfasste (Geld zum Ankauf von Produktionsmitteln - Herstellung von Waren für den Verkauf - Verkauf für einen größeren Geldbetrag als den ursprünglich eingesetzten - Neubeginn des Kreislaufs). Dabei machte er darauf aufmerksam, welche Produkte in diesem Kreislauf zirkulieren würden, sei in letzter Konsequenz gleichgültig, da es nicht um die Befriedigung von Bedürfnissen ginge, sondern um die zum Selbstzweck geratene Bewegung des Kapitals, die sich auf stetig erweiterter Stufenleiter zu wiederholen habe (Wirtschaftswachstum). Eine kapitalistische soziale Ordnung ist aus dieser Sicht streng tautologisch, da sie sich kreisförmig um sich selber dreht und entleert Menschen, Beziehungen, Ideen und Dinge von ihrer konkreten Bedeutung, wenn sie dem Kreislauf des Kapitals zu nahe kommen (was sich schlecht vermeiden lässt). Da Leistung angeblich berechenbar ist und in abstrakten Zahlen ausgedrückt werden kann, schafft sie eine Art Bollwerk gegen diesen Prozess der Entleerung, in dem konkrete Phänomene wie etwa das gemeinsame Streben nach einer Utopie zusehends an Signifikanz verlieren und nur noch als Werbebotschaften taugen.

Drittens hält die Rede von der Leistungsgesellschaft die Menschen im Spiel. Auch wenn politische Slogans wie „Leistung muss sich wieder lohnen“ (FDP) oder „Leistung muss sich lohnen“ (SPD und CDU) implizit eingestehen, zur Zeit sei dies keineswegs der Fall, halten sie doch die Illusion lebendig, es sei möglich, innerhalb des Kapitalismus eine soziale Ordnung einzurichten, die auf Gerechtigkeit fußt. Wenn Leistung berechenbar ist, könnte sie zum Angelpunkt einer gerechten Verteilungs- und Statusordnung werden. Sie suggeriert damit die Existenz jenes Zentrums der Gesellschaft, das durch die Bewegung des Kapitals beseitigt, bzw. systematisch entleert wird. Schon der Glaube an den Verlust der Leistungsgerechtigkeit (Leistung muss sich wieder lohnen) ist ein ideologischer Coup, da er den Blick auf die Leere des Kapitalkreislaufs verstellt und den Glauben an eine Gesellschaft mit positiven Werten und einem klar definierten Sinnangebot aufrechterhält.

Der Leistungsbegriff ist abschließend betrachtet in keiner seiner möglichen Formen dazu geeignet, Aussagen über die Arbeitsprozesse der heutigen Gesellschaft zu treffen oder eine Warte zur Verfügung zu stellen, von der aus sie analytisch in den Blick genommen werden könnte. Seine Funktion kann niemals eine deskriptive (beschreibende) sein, da er immer schon ideologisch aufgeladen und mit den entsprechenden Diskursen fusioniert ist. Ihn zu benutzen, ob in affirmativer oder kritischer Absicht, bedeutet, ein Stück jene Ideologie zu reproduzieren, die es zu kritisieren und dekonstruieren gilt, wenn der Weg in eine Gesellschaft geebnet werden soll, die sich durch die Qualität des Lebens und der Beziehungen der in ihr lebenden Menschen definiert. Wer den Leistungsbegriff im Munde führt, sollte sich die Worte Erich Kästners ins Erinnerung rufen: „Was auch immer geschieht: Nie dürft ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.“


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Kommentare zu diesem Artikel

KOMMENTARE

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Stefan schrieb am 23. April 2014 um 18:35 Uhr:

Danke für deinen Kommentar, Leo!
Zunächst lass mich dir beipflichten, dass im Leistungsprinzip oder sagen wir in der Leistungsideologie tatsächlich ein ethisch (im Sinne eines guten Lebens) problematisches Moment, eine gefährliche Psychodynamik angelegt ist, an die du mir unter Verweis auf eine Neuaflegung des Opferkultus anzuspielen scheinst. Das ist im Grunde entlarvungspsychologische Kritik im Geiste Nietzsches und Adornos. Askese, Ressentiment etc. Mein Einwand wäre ja nur, dass eben jenes Leistungsprinzip derart stark, wenn auch verzerrt, in der Gesellschaft verankert ist, dass kaum abzusehen ist, wieweit man es einfach abschütteln kann, ohne zudem in einen arroganten Paternalismus ("die von der Leistungsideologie verblendeten Masse") abzugleiten. An der einfachen Gerechtigkeitsintution etwa des Fabrikarbeiters, wer ständig Überstunden am Band macht, soll auch mehr bekommen als der, der das vertragliche Minimum absitzt, weil er etwa mehr Wert auf Freizeit für seine Familie legt, scheint mir doch etwas dran zu sein. Ob sich eine operationalisierbare Leistungsdefinition findet, würde ich nicht vorschnell beantworten wollen. Auch weiß ich nicht, ob ich die eingangs aufgegriffene pathologische Seite dieses Prinzips (neben der Verherrlichung von Leistung und Askese würde ich hier vor allem noch die Anerkennungskonkurrenz zwischen Arbeitern nennen wollen) zum Anlass nehmen würde, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Es ist schwierig einzusehen, was an die Stelle dieses Prinzips treten soll, insbesondere, wenn der Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft nicht in absehbarer Zeit aufgehoben zu werden scheint.

Christel T. schrieb am 6. April 2014 um 18:50 Uhr:

Nennt mich bürgerlich, aber ich stehe darauf, was zu leisten. Z.B. das Jobcenter genauso oft zu verklagen, wie es mir unverschämte Bescheide schickt, meine Blogpostings zu schleifen, bis sie so gut sind, wie ich es eben hinkriege, eine Begleitung zum Jobcenter auch noch in den Terminkalender zu quetschen, wenn's gewünscht ist, dabei den Antrag für die XY-Stiftung rechtzeitig abzuschicken, obwohl ich bis letzte Woche nichtmal wußte, daß diese Stiftung existiert etc. Dabei kann ich Leistung genausowenig definieren wie irgendwer sonst, und brauch das auch nicht. Denn dieser Mangel an einer Definition wird erst dann katastrophal, wenn ANDERE anfangen, meine Leistung bewerten zu wollen, und dann womöglich auch noch das Maß meiner Existenzberechtigung oder -nichtberechtigung daran festmachen wollen. Daß beides nichts miteinenader zu tun hat, zu tun haben DARF, mußte ich auf die harte Tour lernen. Das gute Gefühl, etwas geleistet zu haben, gönne ich jeder (man kann ja auch "Selbstwirksamkeit" dazu sagen). Die Vorstellung, in der Debatte um die Leistungsgesellschaft ginge es um wirkliche Leistung, die man auch am Gehaltsscheck ablesen könne, liegt mir eher fern.

Leo schrieb am 5. April 2014 um 15:25 Uhr:


Stefan schrieb:
Mir ist nicht ganz klar, warum das Leistungsprinzip nur deswegen kurzerhand verabschiedet werden soll, weil Leistung nicht skalierbar ist oder sich keine taugliche operationelle Definition finden lassen mag. <zitat>
Sie sagen selbst, dass Leistung nicht definierbar ist, sprechen von Intuition. Und fürchten, dass das Leistungsprinzip seine normative, korrektive Kraft verliert. Worin sollte die Norm bestehen, wenn es keine verbindliche Definition gibt? Worin das Korrektiv?? Ist es ein Glaube womöglich, dass hier irgendwo ein Prinzip schaltet und waltet und fallweise intuitiv den freudig annimmt, dem es gelang, sich durch Mühe und Entbehrung in den Augen des Leistungsgotts zu qualifizieren? Ein Leistungsgott, der intutiv handelt und damit willkürlich - denn nichts anderes ist es,was Sie sagen: man kanns nciht definieren, abe rman braucht es, und intuitiv isses schon irgendwie da ...

Jushka schrieb am 3. April 2014 um 20:09 Uhr:

Meiner Meinung nach ist das Problem des Begriffes "Leistung" für erbrachte Arbeit und "sich lohnen" statt Lohn nicht nur auf den undefinierten Leistungsbegriff zu beschränken.
Sondern. Dieser Satz "Leistung muss sich wieder lohnen" als Absichtserklärung tut mehrerlei. Erstens: er behauptet, wer mehr verdient, leiste mehr. Auf diese Weise ist es den "Leistungsträgern" gelungen, sich nicht nur finanziell, sondern vor allen Dingen moralisch über Geringerverdienende zu stellen. Womit der Protest gegen unfaire Entlohnung entpolitisiert und zu "Neid" erklärt wird.
Damit spaltet er 2. die Gesellschaft in "zu Recht" Gewinner und "zu Recht" Verlierer. Die ersten (i.d.R. akademisch Gebildete) dürfen ihre systematische pekuniäre Bevorzugung auf positive Charaktereigenschaften zurückführen: höhere Leistungsbereitschaft etc.pp. und die zweiten dürfen ihre systematische Benachteiligung nicht nur nicht benennen, sondern sie müssen sich ihres - offensichtlich mängelbehafteten Charakters - in der sozialen Hängematte auch noch schämen und können nur durch verstärkte Arbeitsanstrengung im Zweitjob einigermassen Absolution erlangen.
Die fragwürdige systematische Über- bzw. Unterbewertung von akademischen gegenüber nicht-akademischen Tätigkeiten verliert sich vollkommen im moralischen Schwurbel und darf nicht benannt werden.
Der Klassenkampf der dahinter steht wird auch nirgendwo benannt. Diese Abgrenzungs- und Ausschlussmechanismen der "Eliten" erschöpfen die Verlierer nicht nur emotional und berauben sie ihrer Würde, sondern sie gefährden dadurch auf längere Sicht die bürgerliche Gesellschaft als solche.

Mike schrieb am 3. April 2014 um 04:06 Uhr:

Leistung, Leistungsbereitschaft, Leistungswille, Leistungsspektrum ....... Positiv besetzte Begrifflichkeiten unserer Sprache umschreiben in heutigen neoliberalen Mainstreampublikationen jeglicher Art nur einen Negativbegriff: Ausbeutung.

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