Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 22: Juli/August 2013 | Die Rente für die Zukunft sichern – mit dem DGB-Rentenmodell

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Mittwoch, 17. Juli 2013

Die Rente für die Zukunft sichern – mit dem DGB-Rentenmodell

von: Annelie Buntenbach

Nach hitzigen Debatten im vergangenen Jahr ist es ruhig geworden um die Rente – eigentlich erstaunlich und empörend zugleich. Ministerin von der Leyen hatte der drohenden Altersarmut zwar mit Verve den Kampf angekündigt, doch die Bilanz ist mehr als enttäuschend. Selbst nach einem Jahr ‚Rentendialog’ hat die Koalition keine tauglichen Vorschläge entwickelt und die Arbeit am Ende klammheimlich eingestellt. CDU/CSU und FDP haben in der gesamten Legislaturperiode nichts auf den Weg gebracht, obwohl klar ist, dass Altersarmut eine tickende Zeitbombe ist.

Nun ist Wahlkampf und Diskussionen um die Rente verlieren sich in Einzelfragen. Jeder sucht sich sein Spezialthema, ob nun Mütterrenten, Ostrenten, Solidar- oder Garantierenten. Immerhin, es geht um Verbesserungen. So hat sich nicht nur die Debatte gedreht – es finden sich inzwischen konkrete Vorschläge in den Wahlprogrammen. Es muss jetzt aber auch geliefert werden – ganz gleich, wer ab September regieren wird. Der Kern der Problematik – das sinkende Rentenniveau – wird allerdings gerne verschwiegen. Doch dies muss kein schlechtes Zeichen für die Zukunft sein. Der Grund findet sich in der Vergangenheit.

Das Beitrags-Dogma

Die Rentenpolitik wurde nämlich seit über zehn Jahren von einem einfachen Satz dominiert, der zum Dogma wurde: Der Rentenbeitrag, so die Logik, dürfe bis zum Jahr 2030 nicht über 22 Prozent steigen. Daraus wurde abgeleitet, dass das Rentenniveau gesenkt und das gesetzliche Renteneintrittsalter angehoben werden müsse. Was folgte, ist bekannt: Die Rente mit 67 ist Realität, das Rentenniveau soll bis zum Jahr 2030 bis auf 43 Prozent sinken, Leistungen des sozialen Ausgleichs wurden zusammengestrichen. Insgesamt führen die gesetzlichen Eingriffe in den vergangenen rund zwölf Jahren dazu, dass die Rente bis 2030 um bis zu 25 Prozent zusammengekürzt wird. Die Folgen sind dramatisch. So hat selbst Rentenministerin von der Leyen im vergangenen Sommer offiziell verkündet, dass das sinkende Rentenniveau ein Hauptgrund für künftige Altersarmut ist. Dies bestätigt auch der aktuelle Alterssicherungsbericht der Bundesregierung. Gleichwohl hat die Bundesregierung nicht dagegen unternommen. Und das dürfte an dem alten Dogma liegen, nach dem angeblich nichts geht – wegen der Beitragsbegrenzung.

Doch genau dieser politische Glaubenssatz – „das Rentenniveau muss wegen der Beitragsbegrenzung sinken“ – ist heute widerlegt. Das DGB-Rentenmodell 2012/2013 zeigt eine Alternative, die beides möglich macht: Die weitgehende Stabilisierung des Rentenniveaus trotz einer Begrenzung des Beitragssatzes auf 22 Prozent im Jahr 2030. Das Prinzip ist das der ‚schwäbischen Hausfrau’: Es soll eine Reserve in der Rentenversicherung aufgebaut werden, mit der die Folgen der demografischen Entwicklung abgefedert werden. So kann zumindest die Stabilisierung des Rentenniveaus auf lange Sicht finanziert werden. Entscheidend ist allerdings, dass schnell mit dem Aufbau einer Demografie-Reserve angefangen wird. Das bedeutet, der Rentenbeitrag muss angehoben werden – nach dem DGB-Rentenmodell in kleinen Schritten, moderat und planbar, für stabile Renten.

Es wäre jedoch vermessen zu erwarten, dass sich die Parteien, die ein Jahrzehnt lang dem Beitrags-Dogma folgten, sich plötzlich um 180 Grad drehen, selbst dann, wenn sie zu der Erkenntnis gelangt sind, dass es eine konkrete Alternative gibt, um das Rentenniveau zu halten. Dennoch ist Bewegung in die Parteien gekommen. Das Finanzierungsmodell des DGB weckt politische Kreativität für Verbesserungen. Es kommt nun darauf an, diesen politischen Reife-Prozess zu unterstützen, damit nach der Wahl eine neue, eine nachhaltige Rentenpolitik beginnen kann.

Demografie und Rücklagen

Bis heute lebt die Rentenversicherung im Prinzip von der Hand in den Mund. Auch wenn die Rentenversicherung aufgrund der positiven Arbeitsmarktentwicklung aktuell über Rücklagen von 27,8 Mrd. Euro verfügt (Stand: April 2013), erlaubt es die geltende Gesetzeslage nicht, die Rücklagen auszubauen. Ein einfacher gesetzlicher Mechanismus besagt, dass der Rentenbeitrag gesenkt werden muss, wenn die Rücklagen zum Jahresende 1,5 Monatsausgaben der Rentenversicherung (knapp 30 Mrd. Euro) übersteigen. Mit dieser Begründung haben CDU/CSU und FDP den Beitrag in den letzten zwei Jahren gesenkt, von 19,9 in 2011 auf heute 18,9 Prozent. Erhöht werden darf der Rentenbeitrag nach geltender Rechtslage nur, wenn die Reserven zur Neige gehen, um eine „Mindestrücklage“ zu gewährleisten. Dieser Mechanismus ist jedoch anachronistisch und wird den Anforderungen der demografischen Entwicklung nicht gerecht. Welchen Sinn ergibt es denn, die Rücklagen in relativ guten wirtschaftlichen und demografisch (noch) günstigen Zeiten aufzulösen, wenn klar ist, dass uns in Zukunft eine demografische Zeitbombe droht?

Der DGB hat mit seinem Rentenmodell genau diese Debatte angestoßen. Im Zuge der umstrittenen Beitragssenkung hat sich nicht nur die Opposition im Deutschen Bundestag, sondern auch der Bundesrat in weiten Teilen gegen eine Senkung und für den Aufbau einer Demografie-Reserve ausgesprochen. Die Bundesregierung hat ihre kurzsichtige Beitragssenkung letztlich auch nur mit Verfahrenstricks durchsetzen können, um die Zustimmungspflicht des Bundesrates auszuhebeln. Am Ende bestimmte die Parteidisziplin das Geschehen, denn auch unionsgeführte Landesregierungen waren inhaltlich gegen die Beitragssenkung. Und dies aus gutem Grund: Nach den offiziellen gesamtwirtschaftlichen Prognosen wird geschätzt, dass der Beitragssatz – bei geltender Rechtslage – nur noch bis zum Jahr 2018/2019 auf dem heute niedrigen Niveau bleiben kann, danach aber drastisch ansteigen müsste. Die Folgen wären dramatisch, denn die heute hohen Rücklagen würden dahin schmelzen wie Schnee in der Sonne. Wird der Beitrag erst ab 2018 angehoben, können keine neuen Rücklagen gebildet werden, sondern es wird dann einzig und allein gewährleistet, dass die aktuellen Renten ausgezahlt werden können. Dies würde sich auch bei weiteren Beitragserhöhungen bis auf 22 Prozent zum Jahr 2030 nicht mehr ändern.

Das geht auch anders - im DGB-Rentenmodell. Wird der Beitrag sofort bis zum Jahr 2020 schrittweise um 0,3 Prozentpunkte erhöht und danach bis 2025 um 0,2 Prozentpunkte, entsteht eine enorme Demografie-Reserve. Damit kann zumindest das Rentenniveau bis zum Jahr 2030 weitgehend stabilisiert werden, die Erwerbsminderungsrente deutlich verbessert und sogar die Rente mit 67 ausgesetzt werden. Dennoch würde im Jahr 2030 noch eine Rücklage in Höhe von 36 Mrd. Euro bleiben. Der Beitrag für eine Sicherung der gesetzlichen Rente ist vergleichsweise gering. So sind im ersten Schritt für Durchschnittsverdiener/-innen und deren Arbeitgeber je 4,05 Euro mehr pro Monat nötig. In der Spitze – wenn im Jahr 2018 der Unterschied zwischen dem DGB-Modell und dem Beitragssatzverlauf im Regierungsmodell am größten ist – beträgt die Mehrbelastung ca. 20 Euro für den/die Durchschnittsverdiener/in. Damit kann ihnen jedoch eine Senkung der Renten um mehr als 150 Euro (in heutigen Werten) erspart werden. Hätten wir nämlich schon heute ein Rentenniveau von nur noch 43 Prozent, würde die durchschnittliche Altersrente von Neurentnern auf rund 750 Euro absinken. Durchschnittsverdienende müssten mindestens 33 Jahre ununterbrochen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein, um eine Rente in Höhe der Grundsicherung im Alter zu erhalten.

Eckrentner und die Realität

Die Senkung des Rentenniveaus wirkt sich jedoch sehr viel drastischer aus, weil der ‚Eckrentner’ immer mehr zum Auslaufmodell wird. Heute arbeiten nur noch zwei Drittel der Beschäftigten in einem sogenannten Normalarbeitsverhältnis. 22 Prozent sind im Niedriglohnsektor beschäftigt. Bei einem Einkommen in Höhe der Niedriglohnschwelle von 1.800 Euro wären knapp 50 Beitragsjahre nötig, nur um ein Rente in Höhe der Grundsicherung zu bekommen. Es ist also zwingend nötig, sowohl den Arbeitsmarkt in Ordnung zu bringen als auch das Rentenniveau zu stabilisieren. Andersfalls wird Altersarmut künftig Ausmaße annehmen, die für die Gesellschaft kaum zu ertragen sein werden.

Eine Demografie-Reserve nach dem DGB-Modell bietet den nötigen Spielraum für Verbesserungen zu einem moderaten Preis. Sie ist zudem generationengerecht, weil die Jüngeren und ihre Arbeitgeber zwar früher höhere Beiträge zahlen, damit aber eine Trendwende in der Rentenpolitik eingeleitet wird, so dass ein stabiles Rentenniveau auf Dauer paritätisch und solidarisch in der gesetzlichen Rentenversicherung finanziert werden kann.


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Kommentare zu diesem Artikel

KOMMENTARE

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Franz M. schrieb am 29. August 2013 um 20:50 Uhr:

Nun Ich will es ganz offen sagen: Bisher habe ich noch kein Rentenmodell gesehen das das Problem der zunehmenden Verarmung der Arbeiterklasse nur annähernd löst.
Realistisch betrachtet laufen Jahr für Jahr Sichere Arbeitsverhältnisse aus (sei es durch Verrentung, Tod, Insolvernz usw.) die dann durch unsichere prekäre Arbeitsverhältnisse ersetzt werden. Ich denke diese Arbeitsverhältnisse werden in 10 Jahren bereits 50% der Beschäftigungen ausmachen, dann rechnen sich eure ganzen schönen Modelle nicht mehr. Auch ein Mindestlohn von 8,50€ ist dann eine Milchmädchenrechnung den wenn Arbeiter nur noch gemietet werden und vorm Hintergrund unsicherer Arbeit keinen Lohnzuwachs mehr erhalten haben sie in der Regel keine Chance mehr eine ausreichende Rentenanwardschaft zu erwirtschaften. Schlimmer noch unser derzeitiges Model von Rürup und Riester geht davon aus das die AN aus pekären Arbeitsverhältnissen privat für ihr Existenzminimum aufkommen, das ist absurd !

Alex Schmitt schrieb am 24. August 2013 um 16:13 Uhr:


Volkswirtschaftlich betrachtet ist mehr als genug Geld im System um diese Aufgabe nachhaltig und auf Dauer angelegt leisten zu können.

Es ist immer wieder gleichlautende Behauptung: Es ist Geld für alles da, nur ob das noch für Deutschland zutrifft? Wir sollen immer den Verlauf der Finanzen betrachten und uns weniger auf jetzige Situation konzentrieren. Tatsache ist, daß seit gut 40 Jahren Deutschland immer Leistungsbilanzüberschüsse gegenüber der Welt und in den letzten 13 Jahren besonders gegenüber den Euro-Ländern erzielt hat. In Summe werden es um die 1,1 bis 1,8 Billionen Euro sein. Auch dieses Jahr sind es 180 Milliarden die Deutschland verlassen, keine Garantie daß sie wieder kommen. Das Geld wurde ins Ausland als Exporte verfrachtet und nicht, wie Makroökonomie lehrt, im Inland in Ausrüstung und Fabriken investiert. Somit ergibt sich für Deutschland eine riesige Rentenlücke - die nicht getätigten Investitionen werden in 20-30 Jahren auf die Höhe der Renten einen gewaltigen Einfluß haben, weil nur die Investitionen in die reale Wirtschaft eine Rendite in der Zukunft bringen. Die reichlich mit dem deutschen Geld beschenkten Europäer sind dabei leider pleite gegangen, die Riester und Privatrenten werden wohl in Drachmen, Pesos und Lira ausbezahlt.
Die Wirtschaftspolitik hat völlig versagt, Renten sind nur ein Beispiel davon. Deutschland hat einfach eine perverse Wirtschaftsstruktur und die wird bald einen gewaltigen Reset erfahren. Die Renten werden weiter sinken - weil die unterfinanzierte Infrastruktur zu wenig Rendite für nächste Generation bringen wird. Es ist auch nicht sichtbar, daß Parteien oder Gewerkschaften ihre Stimme gegen diese pervertierte Marktwirtschaft erheben und ein Umdenken einfordern, somit ist die Rentendebatte völlig überflüssig. Einem herzkranken Krebspatienten können Sie nicht mit Versprechen einer höheren Rente retten.

Alex Schmitt schrieb am 23. August 2013 um 18:54 Uhr:

Ich bin mittlerweile von den Gewerkschaften tiefst enttäuscht. Sie plappern seit Jahren die Märchen der Arbeitgeberverbände, INSM, Bertelsmann Stiftung nach, und auch kurz vor der harten Euro-Landung versuchen sie nicht gegen die wahnsinnige Wirtschaftspolitik zu protestieren. Ich habe früher noch eigene Interessen dahinter vermutet, jetzt weiß ich: Es ist schlicht Unwissen.
Mit welchem Fach-Personal die Gewerkschaften um unsere Löhne kämpfen?
Wie Europa Retten? - Veranstaltung der RLS NRW. Dabei ist Dr. Hans-Jürgen Urban (Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes der IG-Metall, Frankfurt).
http://www.youtube.com/watch?v=Qk7BiOPd21U&list=UUIvYR9locYe9Q9ttWuTZ_HQ

Paul Weidmann schrieb am 12. August 2013 um 19:54 Uhr:

Bravo Antje,
Deine Replik auf Annelie Buntenbach und auf die Haltung des DGB ist aus meiser Sicht mehr als gelungen. Ich habe selbst einige Artikel über die Rentenproblematik verfasst, und ich würde mich freuen, wenn Du Kontakt zu mir aufnehmen würdest. Wenn der DGB schon nicht willens ist, die Auswirkungen der "Rentenreformen" von 1992, 2001 und 2004 zu analysieren und eine grundsätzliche Änderung für die Beitragszahler fordert, dann sollte es Verdi, auch in Verbindung mit der NGG und anderen, anstreben. Ich bin attac-Mitglied, wir haben die selben Ziele!
Paul Weidmann
E-Mail: paul.weidmann@googlemail.com
Antje-ver.di schrieb:
Ralph Scherbaum hat sehr wohl einen wichtigen Punkt angesprochen.
Die grundsätzlichen Fehlentwicklungen der gesetzlichen Rentenversicherung werden gar nicht angepackt-
die Politik missachtet die Selbstautonomie der GRV, Verwalter und Vertreterversammlung lassen zu, dass sich der Staat seit 1957 aus den Rentenbeiträgen bedient, der GRV fehlen bis heute rund 700 Mrd. die seit dem durch den Bundeszuschuss zu wenig an die GRV zurückerstattet wurden. Auch ist der Begriff Bundeszuschuss eine (absichtliche?) Irreführung, denn es sind Erstazleistungen des Bundes für die aus den Rentenbeiträgen bezahlten versicherungsfremde, allgemeinstaatlichen Leistungen. Um den nicht an die GRV zurückbezahlten Anteil beteiligen sich somit anders berufsständisch Versicherte, Politiker und Beamte nicht mit an diesen gesamtgesellschaftlichen Aufgaben- hier wird das vorgetragen: www.adg-ev.de/aktivitaeten/aktionen/information-zum-aktuellen-vortrag/472-der-vortrag-als-livestream
warum der DGB dieses mehr als kompetente Wissen nicht nutzt, bleibt unverständlich, habe ich selbst genug DGB-Vertreter kennengelernt, die das sehr wohl genauso sehen und wissen, aber offensichtlich nicht durchdringen.
Beim Nachrecherchieren ist mir aufgefallen, dass die im Vortrag erklärten Zustände offensichtlich noch sehr vorsichtig dargestellt sind.
und hier mit Grafik:
http://www.rentenreform-alternative.de/versichfremd.htm#2
Warum also besteht der DGB nicht darauf, dass die GRV-Verwalter eine glasklare Buchhaltung vorlegen, wo alle aber wirklich alle Ausgaben, die über die GRV abgewickelt werden, aufgelistet sind und das diese komplett erstattet werden und nicht nur ein Teil. Dass das nicht möglich sein soll, ist mehr als unglaubwürdig. Die GRV-Solidargemeinschaft braucht Verwalter, die als Treuhänder die Beiträge schützen und nicht zweckentfremden lassen.
Dann, der ganze Riestermist dient allein den Finanz- und Versicherungskonzeren als neues Spielgeld für die Finanzmärkte, die angeblich so tollen Zulagen bezahlen die heutigen und zukünftigen Rentner alle selbst. Mit dem Riesterfaktor, §255 d,e SGB VI, bezahlen die heutigen Rentner, die gar nicht riestern konnten, den Riesterrentenbetrug mit. Niemand wird durch die Riesterei mehr Rente haben, dieses Geschenk an die Versicherungskonzerne ist ein Verbrechen an den Rentnern.
Etwas zu Herrn Rürup:
http://www.gerechterente.net/de/symposium/anmerkungen-zu-professor-ruerup/
Und zur Demografie erklärt Prof. Bosbach verständlich, wem das Horrorszenario nutzt: www.youtube.com/watch?v=vfWXWRkoJbc
Ebenso ist mehr als unverständlich, dass die GRV-Verwalter zugelassen haben, dass 2004 diverse Gesetze so geändert wurden, bis sie passend sind, wie z.B. der §158 SGB VI, wonach immer dann Beiträge gesenkt werden müssen, wenn "Überschüsse" entstehen. Es gibt gar keine Überschüsse, aber immer geringere Renten durch viele neue rentenkürzende Faktoren (nach den schon seit 1978 erfolgten), die Rückhaltereserve wurde gekürzt. . . so müssen Überschüsse entstehen, und so kann munter weiter der Beitrag gesenkt werden. Ein Irrsinn für die nachfolgende Generation.
Aber auch das Alterseinkünftegesetz ist ein einziger Betrug, von Prof. Rürup getrickst bis es passt. So werden nun aufgrund falscher Rentengrößen die Renten besteuert: sehr gut nachgerechnet und erklärt:
http://altersarmut-per-gesetz.de/
Nein, der DGB-Rentenvorschlag ist nicht gut, es fehlen grundsätzliche Korrekturen an den Ursachen, auch zur fatalen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.
Es ist möglich, die GRV als elementare und friedenssichernde Grundlage unserer Gesellschaft zu stärken und zu sichern- ohne private Saugnäpfe dazwischen und da gibt es sehr gut ausgearbeitete Vorschläge, die aber voraussetzen, dass jegliche Korruption außen vor bleibt:
http://www.mein-herz-schlaegt-links.de/index.php?option=com_content&view=article&id=2767:ueber-das-zwei-klassenrecht-zur-zwei-klassengesellschaft&catid=105:rentenpolitik&Itemid=178
Die Spenden an die Parteien aus der Versicherungs- und Bankenbranche sprechen für sich.
Die WTO (World Trade Organization) drängt mit GATS (General Agreement on Trade in Services) die Mitgliedsstaaten zur Privatisierung aller staatlichen Dienstleistungen, also auch der Renten zugunsten multinationaler Konzerne.
Die Ungerechtigkeit bei der Altersversorgung hat noch eine weitere Ursache: Deutschland ist das einzige Land in Europa, das unterschiedliche Systeme der Altersversorgung hat, im wesentlichen gesetzliche Rentenversicherung, berufsständische Versorgung und Beamtenversorgung. Politik und Justiz haben für sich selbst nicht nur wesentlich bessere Regelungen geschaffen, sie haben auch spätestens seit 1978 elementare Grundrechte für die Versicherten der gesetzlichen Rentenversicherung außer Kraft gesetzt, Gleichheitssatz, Eigentumsschutz für die Beiträge, Rechtsstaatsprinzip (keine rückwirkenden Eingriffe) Nachlesen kann man das in den Entscheidungen des BVerfG vom 01.07.1981 (1 BvR 874/77 u.a.) oder vom 27.02.2007 (1 BvL 10/00, Absätze 53, 55 und 70).
Ein wirkliches Solidarsystem erfordert die Einbindung aller Bürger in allen drei Lebensphasen. Denn alle Bürger profitieren in jungen Jahren von dieser Solidarität (Schule, Ausbildung) ebenso wie im Alter (Rente, Pension), aber diejenigen, die im Alter am meisten von dieser Solidarität profitieren, klinken sich während ihres Berufslebens kraft eigener Entscheidungsbefugnis aus dem Solidarsystem aus.
Volkswirtschaftlich betrachtet ist mehr als genug Geld im System um diese Aufgabe nachhaltig und auf Dauer angelegt leisten zu können.

Ralph Scherbaum (NGG) schrieb am 1. August 2013 um 04:33 Uhr:

Den um die künftigen Renten so besorgten Gutmenschen im DGB empfehle ich folgende Lektüre:
"Die Vorsorgelüge: Wie Politik und private Rentenversicherung uns in die Altersarmut treiben".
http://www.amazon.de/Die-Vorsorgel%C3%BCge-Politik-Rentenversicherung-Altersarmut/dp/343020142X/ref=pd_bxgy_b_text_y oder http://www.ndr.de/kultur/literatur/buchtipps/vorsorgeluege101.html
Vielleicht wird danach wenigstens einigen beim DGB klar, das der Staat keine "Demografie-Reserve" ansparen kann. Das ist volkswirtschaftlicher Nonsens und hätte von der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" nicht besser und volksverdummender formuliert werden können.

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Annelie Buntenbach
Geboren am 24. Februar 1955 in Solingen

seit 2006 Mitglied im Geschäftsführenden Bundesvorstand des DGB
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