Gegenblende – Das Debattenmagazin | Ausgabe 25: Januar/Februar 2014 | Deutschlands Exporterfolge und seine problematischen Importdefizite: Ein Verteilungsproblem

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Dienstag, 4. Februar 2014

Deutschlands Exporterfolge und seine problematischen Importdefizite: Ein Verteilungsproblem

von: Michael Fischer

Deutschland ist nicht mehr „Exportweltmeister“ und liegt inzwischen hinter China und mittlerweile auch hinter den USA. Dafür hält Deutschland jetzt den Weltmeistertitel bei den Exportüberschüssen. Im September 2013 belief sich die Differenz auf den Rekordwert von 20,4 Milliarden Euro. Was die Leistungsbilanz insgesamt betrifft, dürfte die Bundesrepublik im Jahr 2013 den jüngsten Berechnungen des ifo-Instituts zufolge mit insgesamt etwa 200 Milliarden Euro bzw. 7,3 Prozent des BIP nicht nur den Weltmeistertitel, sondern auch den höchsten Überschuss ihrer Geschichte erzielen.[1] Wie zu zeigen sein wird, ist das keinesfalls ein Grund zum Jubeln, sondern ein ernstes Problem.

Deutschlands bemerkenswerte Leistungsbilanz: Exportüberschüsse oder Importdefizite?

Die Export- bzw. Handelsbilanz ist Teil der außenwirtschaftlichen Leistungsbilanz. Letztere umfasst auch Dienstleistungen, grenzüberschreitende Erwerbs- und Vermögenseinkommen und nicht zuletzt laufende Übertragungen wie Überweisungen ausländischer Beschäftigter in ihre Heimatländer oder Entwicklungshilfen. Zwar verringern Defizite in Bereichen wie Dienstleistungen oder laufenden Übertragungen die Differenz in der Leistungsbilanz, aber aufgrund des großen Gewichts des Warenhandels ist nach Daten des Statistischen Bundesamtes auch in der Leistungsbilanz insgesamt bis Ende November 2013 bereits ein Überschuss von 175,9 Milliarden Euro entstanden.[2]

Das sorgt für Streit. Kritikern gelten die Überschüsse als Beleg einer unfairen Wirtschaftspolitik, die v.a. auf Lohndumping basiert. Da die durchschnittlichen Löhne und darüber auch die deutschen Lohnstückkosten sich seit Beginn der Währungsunion nur unterdurchschnittlich und unter der Ideallinie entwickelt haben, die der Geldpolitik der EZB zugrunde liegt, habe Deutschland auf unfaire Weise Wettbewerbsvorteile gewonnen. Die daraus resultierenden Ungleichgewichte hätten erheblich zur Krise beigetragen. Die andere Seite verweist auf die Stärke der deutschen Wirtschaft und auf die überragende Qualität ihrer Produkte, die für ihre hohe Nachfrage im Ausland sorge: „Unsere Exportüberschüsse werden nicht politisch angeordnet, sondern sind Ausweis der Leistungsfähigkeit unserer Volkswirtschaft“, zitiert SpiegelOnline jüngst den Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier.[3]

Bei einem Blick auf die Warengruppen, die für die größten Überschüsse im deutschen Außenhandel sorgen, sieht man in der Tat, dass es sich um hochwertige Industriegüter handelt: allen voran Straßenfahrzeuge, Maschinen und auch medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse.[4] Diese sind im Vergleich zur internationalen Konkurrenz eher hochpreisig. Dass die Nachfrage nach deutschen Autos im Ausland so hoch ist, liegt offenbar nicht daran, dass sie billiger zu haben sind als Konkurrenzprodukte aus anderen Ländern.

In der Debatte werden jedoch oft unterschiedliche Sachverhalte vermengt. Dass Deutschland so viel exportiert, ist nicht der kritische Punkt. Um es nochmals zu betonen: Es geht um die langanhaltenden, sehr hohen Überschüsse, die für eine stabile wirtschaftliche Entwicklung gefährlich werden können. Deutschland konsumiert, importiert und investiert im Inland deutlich weniger, als es sich leisten könnte und müsste.

Wenn es mehr ans Ausland verkauft, als es von dort kauft, baut Deutschland Forderungen gegenüber dem Ausland auf, etwa in Form von Anleihen oder Wertpapieren. Das wird oft als Kapitalexport bezeichnet. Aus einer anderen Perspektive erscheint es aber als „Export von Arbeitslosigkeit“: Ein beträchtlicher Teil inländischer Beschäftigung wird durch Nachfrage aus dem Ausland gespeist, ohne dass selbst eine entsprechende Nachfrage im Ausland entfaltet wird, die dort auch für Beschäftigung sorgte. Stattdessen werden Forderungen an das Ausland auf künftige Erträge aufgebaut – so sie denn erwirtschaftet werden. Das ging bislang oft schief. Von einem Importdefizit anstatt von einem Exportüberschuss zu sprechen, hat deshalb durchaus seine Berechtigung. Doch wo liegen nun die Ursachen dieser problematischen Entwicklung?

An der Wurzel des Importdefizits: Verteilungsprobleme

Die Binnennachfrage in Deutschland entwickelt sich seit längerer Zeit äußerst schwach. Seit gut zwei Jahrzehnten zeigen die saisonbereinigten, realen Einzelhandelsumsätze eine Seitwärtsbewegung mit leicht fallender Tendenz.[5] Dies hat auch Auswirkungen auf die Nachfrage nach Importgütern, seien es Waren oder Dienstleistungen. Andererseits sparten „die Deutschen“ in den letzten 10 Jahren jährlich um die 10 Prozent ihres Einkommens, praktisch mehr als in jeder anderen großen Volkswirtschaft. Liegt das daran, dass die Deutschen einfach zu tugendhaft, also allesamt „schwäbische Hausfrauen“ sind? Eher nicht – die Antwort liegt in der Entwicklung der Einkommens- und Vermögensverteilung.

Im internationalen Vergleich sind die Vermögen in Deutschland besonders ungleich verteilt. Zwar liegen aktuelle Daten für die Zeit seit Beginn der Krise noch nicht vor, aber es ist anzunehmen, dass die Vermögensverteilung noch ungleicher geworden ist. Auf jeden Fall hat die Einkommensspreizung zugenommen: Beim ärmsten Zehntel ging das real verfügbare Jahreseinkommen zwischen 1999 und 2009 um fast 10 Prozent zurück, und auch beim zweiten und dritten Zehntel verringerte es sich um 7,9 bzw. 4,2 Prozent. Die oberen Einkommensklassen konnten leichte Zuwächse verzeichnen, von 1,6 Prozent beim sechsten bis zu 3,2 Prozent beim neunten Zehntel. Doch das oberste Einkommenszehntel konnte einen beachtlichen Zuwachs von 16,6 Prozent verbuchen.[6] Damit gehen auch Sparquoten und Sparbeiträge auseinander: Machten die Ersparnisse des obersten Einkommenszehntels im Jahre 2001 noch 30,2 Prozent an den Gesamtersparnissen in Deutschland aus, waren es 2006 bereits 38 Prozent; umgekehrt konnte das zweite Einkommenszehntel 2001 noch 2,4 Prozent zur Gesamtersparnis beitragen, während es 2006 nur noch 1,4 Prozent waren.[7] Diese zunehmende Ungleichverteilung gilt es im Hinterkopf zu behalten, wenn SpiegelOnline Anfang des Jahres titelte: „Deutsche vermehren Geldvermögen auf 5200 Milliarden Euro“.[8]

Die Ersparnisse wurden dabei weniger im Inland investiert oder an inländische Schuldner verliehen, sondern gingen ins Ausland. Das war offenbar keine besonders kluge Strategie: Addiert man das Nettoauslandsvermögen 1999 in Höhe von 7 Milliarden Euro mit den kumulierten Leistungsbilanzüberschüssen der Jahre 2000 – 2012 (3. Quartal) in Höhe von 1275 Milliarden Euro, hätte bei angenommener Wertstabilität zuletzt ein Nettoauslandsvermögen in Höhe von mindestens 1282 Milliarden Euro vorliegen müssen – faktisch waren es aber nur 1013 Milliarden Euro: Ein Verlust von 269 Milliarden Euro.[9] Das DIW Berlin kommt für den Zeitraum 2006-2012 sogar auf einen Verlust von 600 Milliarden Euro.[10] Welche Lösungen sind angesichts dieser problematischen Entwicklungen denkbar?

 „Wettbewerbsfähigere“ Defizitländer sind keine Lösung

Eine beliebte konservative „Lösung“ besteht in der Forderung nach „mehr Wettbewerbsfähigkeit“ der Defizitländer. Was darunter jenseits der impliziten Forderung, so wie Deutschland zu werden, zu verstehen ist, wird oft nicht ganz klar. Beispiele für konkrete Maßnahmen zielen meist auf eine Schwächung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage: der Staat soll sparen, Sozialleistungen gekürzt und Löhne gesenkt werden. Nicht zufällig sind dies auch Elemente der bisherigen „Krisenlösungspolitik“ in der Eurozone, welche die „Troika“ zu Auflagen bei der Vergabe von Hilfspaketen macht – mit den bekannten Resultaten auf das Wirtschaftswachstum, die Arbeitslosigkeit und die Schuldenquoten. Realistischer wäre eine solche Politik vielleicht dann, wenn sie Angebote in den Blick nähme, deren (künftige) Nachfrage durch bisherige Überschussländer die Defizite (über)kompensieren könnte. Abgesehen davon, dass der Aufbau geeigneter Strukturen Jahre dauern kann, ist das im Prinzip keine schlechte Idee. Für defizitäre Handelspartner Deutschlands ist die Situation allerdings verzwickt: Wie gezeigt, hat Deutschland mit einem Nachfrage- und Importdefizit aufgrund einer zunehmenden Ungleichverteilung zu kämpfen – ceteris paribus stellt sich daher die Frage, welche Angebote die Defizitländer reicheren Deutschen in einem solchen Ausmaß machen könnten, dass sie deren Forderungsaufbau vermindern bzw. sie sogar zu einem Abbau ihrer Ersparnisse bewegten. Es könnte allerdings sein, dass reiche Haushalte vorrangig an der Vermehrung ihrer Ersparnisse und höheren Renditen interessiert sind.

Höhere Investitionen im Inland sind eine gute Idee – aber wie?

Eine andere häufig diskutierte Lösung besteht in der Forderung nach mehr Investitionen im Inland. Immerhin liegt der Anteil der Investitionen am BIP in Deutschland seit Ende der 1990er Jahre etwa drei Prozentpunkte unter dem europäischen Durchschnitt. In der Tat wäre es aus einer Reihe von Gründen besser (gewesen), Gewinne bzw. Kapital im Inland zu investieren – zumal mit Blick auf reale Wohlstandseffekte für die Mehrheitsbevölkerung: Wenn in gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen, von einer besseren materiellen wie sozialen Infrastruktur, von Verkehr, Kommunikation bis zu Bildung, Gesundheit, Pflege und Verwaltung mehr investiert wird, profitieren davon fast alle Menschen in Deutschland. Es stellt sich jedoch die Frage: Wer soll investieren? Sollen vor allem Unternehmen und Private investieren? Aus ihrer Sicht müssen sich Investitionen vor allem rentieren, also zu Kostensenkungen führen oder Profit abwerfen – letzteres ist aber nur zu erwarten, wenn diese Investitionen auf eine kaufkräftige Nachfrage treffen. Mit Blick auf die zuvor dargestellten Verteilungsprobleme wird dies schwierig. Oder soll vor allem der Staat investieren und dafür mehr Schulden aufnehmen? Das gilt derzeit als Tabu, obwohl die Finanzierungsbedingungen der öffentlichen Hand in Deutschland günstig sind wie fast noch nie. Oder soll der Staat mehr investieren und dies durch höhere Steuern finanzieren? Das wurde im Koalitionsvertrag entgegen den ursprünglichen Plänen der SPD leider ausgeschlossen, obwohl es angesichts der sogar vom Internationalen Währungsfonds konzedierten Spielräume eine sinnvolle Lösung wäre – insbesondere wenn sie hohe Vermögen und Einkommen träfen, die bislang oft wenig produktiv verwendet wurden. Das entscheidende, für die „Exportüberschüsse“ bzw. Importdefizite maßgebliche Problem, bleibt bei den öffentlich diskutierten Lösungen jedoch regelmäßig unterbelichtet: Die Verteilungsfrage.

Das Problem an der Wurzel angehen

Wenn sich die niedrigen bis mittleren Einkommen so schlecht entwickeln, dass ihre Bezieher gezwungen sind, ihre Nachfrage einzuschränken, während Reiche für ihre wachsenden Ersparnisse keine produktive Verwendung finden, führt eigentlich an einer Korrektur dieser dysfunktionaler Verteilung überhaupt gar kein Weg vorbei. Auf der Ebene der Markteinkommen (Primärverteilung) gibt es eine Reihe von Lösungen, deren Umsetzung zum Teil bereits diskutiert wird, wie z.B. beim Mindestlohn, während andere Vorschläge wohl noch einen langen Weg vor sich haben. Zu letzteren gehören Strategien, die vor allem zu einem Anstieg bei niedrigeren und mittleren Löhnen führen. Hierzu kann unter anderem der öffentliche Sektor durch die Wahrnehmung einer Vorbildfunktion beitragen, ebenso wie eine qualitätsorientierte Dienstleistungspolitik. In beiden Fällen verlief allerdings die öffentliche Debatte bislang in die entgegengesetzte Richtung, indem der öffentliche Sektor als möglichst zu minimierende Größe betrachtet wird und der Ausbau eines Niedriglohnsektors bei den Dienstleistungen als Königsweg zur Erhöhung der Beschäftigung gilt. Auf der Ebene der Sekundärverteilung nach Steuern und Abgaben bzw. Sozialleistungen gilt ähnliches: Eine etwas großzügigere Gestaltung von Sozialleistungen gerade für untere Einkommensschichten hätte absehbar positive Nachfrageeffekte und könnte gesamtwirtschaftlich stabil gestaltet werden, wenn sie aus höheren Steuern und Abgaben auf hohe Einkommen und Vermögen gespeist werden. Wenn man die sozialpolitischen Debatten der letzten Jahre verfolgt hat, ist allerdings nur schwer vorstellbar, dass solche makroökonomisch sinnvollen Maßnahmen ernsthaft diskutiert werden. 

Fazit: Lösungen sind möglich – aber nur über die Verteilungsfrage

Die Darstellung hat gezeigt, dass Deutschlands hohe Exportüberschüsse nicht nur problematisch sind, sondern auch angemessener als Importdefizite zu bezeichnen wären. Sie wurzeln in Verteilungsdefiziten, die dazu führten, dass niedrigere und mittlere Einkommen ihre Nachfrage einschränken mussten, während höhere und insbesondere die höchsten Einkommen stark zunahmen und für ihre zunehmenden Ersparnisse keine produktive Verwendung mehr fanden – weder im Inland, noch, wie sich mit der Finanzmarktkrise letztlich zeigte, im Ausland. Bis heute scheint sich an diesem „Modell“ wenig geändert zu haben, womit die nächste Krise vorprogrammiert ist. Wie gezeigt, sind jedoch Lösungen einer gesamtwirtschaftlichen Stabilisierung möglich. Effektiv wäre ein Dreiklang aus höheren öffentlichen Investitionen im Inland, die durch eine gerechtere Besteuerung insbesondere hoher Vermögen und Einkommen finanziert werden, einer gerechteren Einkommensverteilung mit Verbesserungen insbesondere bei niedrigeren Löhnen und mit höheren Sozialleistungen für Einkommensschwächere, sowie höheren privaten Investitionen, die nicht zuletzt durch die zu erwartende höhere Nachfrage aufgrund einer besseren Verteilung angeregt werden.

 

Der Beitrag ist eine überarbeitete Fassung des WISO direkt „Nicht Deutschlands Exporterfolge sind das Problem, sondern sein Importdefizit. Mit qualitätsorientierter Dienstleistungspolitik  gegensteuern“ (http://library.fes.de/pdf-files/wiso/10352.pdf ). Der vorliegende Artikel vertieft den Aspekt der Verteilungsprobleme und skizziert weitere Lösungswege; er gibt die persönliche Meinung des Autors wider.



[1] Pressemitteilung des ifo-Instituts vom 14.01.2014: Deutschland Weltmeister bei Kapitalexport, München: http://www.cesifo-group.de/de/ifoHome/presse/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen-Archiv/2014/Q1/pm_20141014-Kapitalexport.html

[2] Pressemitteilung Nr. 006 des Statistischen Bundesamtes vom 08.01.2014: Deutsche Ausfuhren im November 2013: +1,0% zum November 2012, Wiesbaden: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2014/01/PD14_006_51.html

[3] SpiegelOnline, 14. Januar 2014: Deutschland hat weltweit größten Exportüberschuss: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/deutsches-exportplus-ist-laut-ifo-institut-weltweit-das-groesste-a-943507.html

[4] Karl Brenke: Zunehmende Diversifizierung der deutschen Warenexporte, in: DIW-Wochenbericht 10/2013, S. 3-15.

[6] Till van Treeck, Simon Sturn: Income inequality as a cause of the Great Recession? A survey of current debates, International Labour Office, Genf, August 2012.

[7] Gert G. Wagner, Karl Brenke: Ungleiche Verteilung der Einkommen bremst das Wirtschaftswachstum, in: Wirtschaftsdienst, Jg. 93, H. 2, Februar 2013, S. 110-116.

[9] Erik Klär, Fabian Lindner, Kenan Šehović: Investition in die Zukunft? Zur Entwicklung des deutschen Auslandsvermögens, in: Wirtschaftsdienst, Jg. 93, H. 3, März 2013, S. 189-197.

[10] S. Bach et al.: Wege zu einem höheren Wachstumspfad, in DIW Wochenbericht 26/2013, S. 6-17, hier: S. 12 http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.423458.de/13-26.pdf


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Kommentare zu diesem Artikel

KOMMENTARE

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warum Kampagnen vonGewerkschaften schrieb am 11. Februar 2014 um 01:53 Uhr:

....bei denen behauptet wird, DE braucht trotz sinkendem Arbeitsvolumen mehr migration?? Schwachsinn Hoch 10 - die landen hier nach meinen Informationen und Recherchen nachhr als Aufstocker und zusätzliche Minijobber -- in DE stellen sich Gewerkschaftler mit hin und machen mit Arbeitgebern Kampagen für Migration, obwohl bekannt sein dürfte, dass der Arbeitsmarkt NICHT aufnahmefähig ist! Da sinkendes Arbeitsvolumen, viele Migranten unqualifiziert sind laut IAB --- achja heißt es nicht immer und ist es nicht so, dass Stellen für Ungelernte zurückgehen?
kommt mir alles sehr seltsam vor die Gewerkschaften in DE -mir
ist zum wiederholten mal aufgefallen, dass diese hier Arbeitgeberinteressen vertreten --- das war nicht das erste Mal.
Ne Gewerkschaft sollte so viel Verstand besitzen und wissen, dass man damit nur die Löhne senken will, oder was sollen die alle hier arbeiten in einem Arbeitsmarkt wo immer weniger zu tun ist?
und dann die Ausblendung von technischen Fortschritt und Automatisierung, Lügen von Fachkräftemangel.... und die Gewerkschaften machen das alles immer mit??
welche Interessen werden von denen verteten ---gibt es Geld dafür oder was??
hat hier jemals mal jemand in Frage gestellt, ob man überhaupt noch so viele Arbeitnehmer braucht??
von Automatisierung noch nie was gehört -.-- Deutsche Gewerkschaften erzählen Märchen vom "Fachkräftemangel"

Alex Schmitt schrieb am 10. Februar 2014 um 14:30 Uhr:


komisch in der BRD schrieb:
in DE sind doch Gewerkschaften für Lohnverhandlungen zuständig, oder etwa nicht?
</zitat>
Nein, für Lohnverhandlungen sind Unternehmer UND Gewerkschaften zuständig UND seit der Euro-Einführung auch die deutschen Politiker, die EU-Kommission und Europäische Zentralbank, siehe Makroökonomischer Dialog, Brüssel! Oh, wie schrecklich, wer trägt jetzt also die Schuld für das Versagen in DE? Ist nicht mehr so einfach zu beantworten, nicht wahr? Da haben viele Verantwortlichen in Berlin und Brüssel geschlafen. Aber wenn manche Leute immer noch verkünden, der Arbeitsmarkt funktioniert wie Kartoffelmarkt, dann haben wir dieses Ergebnis. Europaweit!
<zitat>1991 noch 1500 Std. mittlerweile nur noch 1397 Stunden -- immer weniger Arbeit für immer mehr Menschen!!!

Das Schrumpfen des Arbeitsvolumens ist auf die Reallohnsenkungen zurückzuführen. Mangels Nachfrage schrumpft die Zahl der Arbeitsstunden, also wieder das lohnpolitische Versagen aller Beteiligten.
Zur Migration: Das Versagen in DE und EU ist nur ein Puzzlestück von vielen Versagen. Natürlich ist das keine Lösung für Probleme in betroffenen Ländern. Aber will dort überhaupt jemand eine Lösung finden?

komisch in der BRD schrieb am 10. Februar 2014 um 09:28 Uhr:

in DE sind doch Gewerkschaften für Lohnverhandlungen zuständig, oder etwa nicht? Warum sind die Gewerkschaften in DE denn so verbonzt? In der schweiz und Dänemark funktioniert die Lohnfindung noch im Sinne der Arbeitnehmer, nur in DE nicht.
Das ist doch beachtlich, dass in Westeuropa nur DE Probleme hat mit der Lohnfindung und Reallohnsenkungen. Andere Länder hatten von 2002 bis heute zweistellige Reallohnsteigerungen. Nur DE nicht.
mir kommt das suspekt vor, ich glaube die Gewerkschaften in DE sind verbonzt, was auch erklärt, warum sie die duale Ausbildung nicht kritisch betrachten, obwohl es erhebliche Mängel dort gibt.
Genauso erklärt es die Reallohnsenkungen in DE, die oecd-weit einmalig sind. Weder Australien, noch Schweiz, noch Schweden, noch Frankreich, noch Dänemark, etc.... pp. -- also länder mit westeuropastandard hatten solche Lohnfindungsstörungen zu Lasten der Arbeitnehmer wie DE.

und dann diese Kampagnen - ausgerechnet eine Gewerkschaft wagt es zu behaupten, DE brache ausländische Fachkräfte und Migration.
ich lade die Gewerkschaft mal gerne ein sich über die Weiterbildungsmängel im Ausbildungswesen zu unterhalten. Ich kenn viele, die in DE nach Erstausbildung in einem nicht benötigten Bereich jahrelang Runden im Gelegenheitsjobbersektor drehne, weil DE von der Ideologie der Erstausbildung als Lebensberuf nicht nachlassen will.
auch brauchen wir keine Migration. Man betrachte doch bitte mal die Entwicklung des Arbeitsvolumens in DE. 1991 noch 1500 Std. mittlerweile nur noch 1397 Stunden -- immer weniger Arbeit für immer mehr Menschen!!!
und die Migranten sind dann arme Schweine, die in DE für 3 Euro in Minijobs rotieren -- welche Interessen vertreten eigentlich Gewerkschaften in DE -- wer hat ein Intreresse an noch mehr Aufstockern und Minijobbern?

Reinhard Meringer, Hof (SRiR/WW/EK/PÄD) schrieb am 6. Februar 2014 um 11:22 Uhr:

Danke für die gute Erklärung. Die strukturkrisengebeutelte Region Mitte Europa, insbesondere das frühere Nordostoberfranken und die einst von Textilindustrie geprägte Stadt Hof, zeigt wie im Brennglas die auseinandergebrochene Gesellschaft (hoher Ausländer-Anteil, hohes Prekariat bei gleichzeitig doppelten Pensionen der einstmals im Staatsdienst Beschäftigten, geringe Steuerkraft der Städte und Gemeinden - 7 nicht genehmigte Haushalte in den letzten 10 Jahren -, Ausnahmen Rehau, Töpen, etc.)..!

Alex Schmitt schrieb am 5. Februar 2014 um 17:15 Uhr:


Michael Wendl schrieb:
Der Beitrag ist wichtig, weil er zeigt, dass der größere Teil des deutschen Exports auf bestimmten hochwertigen Gütern mit geringer Preiselastizität basiert und daher nicht durch "Lohndumping" erklärt werden kann, wie dies in den Analysen z.B. von Heiner Flassbeck geschieht. Deutschland hat eine zu niedrige Binnenmarktnachfrage. Diese kommt einmal von zu niedrigen Löhnen im privaten wie öffentlichen Dienstleistungssektor, wie in der Folge von verteilungspolitisch verfehlten Steuerreformen 2000 und 2008, die die Finanz- und damit Investitionskraft des Staates verringert haben.
Unter dem Strich ist das Urteil über die "Reformen" von Schröder, Eichel, Clement und Müntefering/Steinbrück aus makroökonomischer Sicht vernichtend.

So, so, wenn diese Produkte so kleine Preiselastizität haben und jeder Ausländer ohne sie nicht leben könnte, warum haben Deutschen diese Produkte auf Kredit verkaufen müssen? Ja, die Ausländer haben sich bei den Deutschen verschuldet um diese Produkte zu kaufen. Werden diese Kredite jemals nach Deutschland zurückfließen?
Das Märchen von geringer Preiselastizität sollten Sie schnellstens vergessen, deutsche Medikamente werden im Ausland oft viel billiger angeboten und es gibt Firmen die solche Medikamente wieder einführen und mit deutschsprachigem Etikett und Beipackzettel 20% günstiger als original verpackte Ware in Deutschland verkaufen! Gleiches gilt auch für Autos.

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Michael Fischer
Geboren 1975 in Peine

Referent für Gewerkschaften und Mitbestimmung in der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn
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